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Fähnrich
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Fähnrich (althochdeutsch „Faneri“, mittelhochdeutsch „Feneri“ früher auch Kornett, vom span. corneta, Reiterfahne, Standarte, daraus franz. cornette; englisch Ensign) ist ein militärischer Dienstgrad, der national unterschiedlich, entweder einen Offizieranwärter oder dienstjüngsten Offizierdienstgrad bezeichnet. In den meisten ehemaligen Bündnisstaaten des Warschauer Vertrags bilden die Fähnriche eine eigene Laufbahngruppe zwischen den Offizieren und Unteroffizieren; als solche sind sie den Warrant Officers des angelsächsischen Sprachraums gleichgesetzt.
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Geschichte
Im Kriegshaufen der Landsknechte war der Fähnrich der Träger des Feldbanners, um das sich Kompanie oder Fähnlein scharte. Der vom Obrist ernannte Fähnrich musste als besonders zuverlässig und tapfer gelten und schwören, die Fahne bis zum Tode zu verteidigen. Es war ihm unter allen Umständen verboten, die Fahne loszulassen, oder gar auf die Erde fallen zu lassen. In Kriegsbüchern des Dreißigjährigen Krieges ist dazu festgelegt, sich in die Fahne einzuwickeln oder mit den Zähnen zu halten, sollte man keine Arme mehr haben. Auf dem Marsch und in der Schlacht schwang er die Kompaniefahne bzw. die Fahne des Fähnleins. Diese Aufgabe übernahm im 18. Jahrhundert in vielen Ländern der Freikorporal oder Fahnenjunker. Dem Fähnrich entsprach im allgemeinen bei der Kavallerie der Kornett, bei der Artillerie der Stückjunker.
Preußen
Mit der Heeresreorganisation von 1807 wandelte sich der Fähnrich vom Offizierdienstgrad zum Berufsoffizieranwärter im Unteroffizierrang; damit trat der Fähnrich an die Stelle des abgeschafften Freikorporals. Mindestvoraussetzung zum Eintritt in die Offizierslaufbahn war der Besitz der schulischen Mittleren Reife (das „Einjährige“).
Deutsches Kaiserreich
In der Armee des Deutschen Kaiserreich wurde der Offizieranwärter aufgrund eines Dienstzeugnisses des Regimentschefs nach frühestens sechs Monaten zum Fähnrich ernannt. Damit war er dem Unteroffizier gleichgestellt. Fähnriche ohne Abitur besuchten anschließend für ein Jahr die Kriegschule. Mit Ablegung des Offizierexamens erfolgte die Beförderung zum Portepee-Fähnrich („Degen-Fähnrich“). Vor der Beförderung zum Leutnant musste das Offizierkorps in einem Wahlverfahren („Kooptation“) erneut seine Einwilligung erteilen.
Der Fähnrich trug Unteroffizieruniform, jedoch an der Seitenwaffe ein Portepee und Offizierkokarden an der Kopfbedeckung. Der Portepee-Fähnrich, der zwischen dem Vizefeldwebel und etatmäßigen Feldwebel rangierte, legte die Offiziersseitenwaffe (Degen) am Mannschaftskoppel an. Die Unteroffiziertressen am Kragen entfielen. Auch durfte der Offizierüberrock getragen werden, allerdings mit den Mannschaftsschulterklappen.
Dem Portepee-Fähnrich entsprach in der Kaiserlichen Marine seit 1899 der Fähnrich zur See. Dagegen war der Seekadett dem Fähnrich bei der Armee gleichgestellt.
Bundesrepublik Deutschland
Fähnrich bezeichnet in der Bundeswehr einen Offizieranwärter im Feldwebeldienstgrad. Bei der Marine heißt dieser Dienstgrad Fähnrich zur See.
Soldaten in diesem Dienstgrad können innerhalb der durch die Vorgesetztenverordnung (VorgV) gesetzten Grenzen Mannschaften und Unteroffizieren ohne Portepee Befehle erteilen.
Den Dienstgrad Fähnrich erhält der Soldat in der Laufbahngruppe der Offiziere in der Regel mit Vollendung des 21. Dienstmonats. Zusätzlich dazu soll der Offizieranwärter des Heeres und der Luftwaffe am Einzelkämpferlehrgang teilnehmen, dieser ist jedoch für weitere Beförderungen nicht notwendig. Mittlerweile wird aufgrund der zentralen Ausbildung der Offizieranwärter im Heer der EK nur noch für INfanterieeinheiten als obligatorisch vorgesehen.
| niedrigerer Dienstgrad Fahnenjunker Seekadett | Unteroffizierdienstgrad Fähnrich Fähnrich zur See | höherer Dienstgrad Oberfähnrich Oberfähnrich zur See | |
| Einordnung: Mannschaften - Unteroffiziere o.P. - Unteroffiziere m.P. - Leutnante - Hauptleute - Stabsoffiziere - Generale/Admirale Alle Dienstgrade auf einen Blick: Bundeswehr Dienstgrade · Die Bundeswehruniformen: Uniformen | |||
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Österreich
Im österreichischen Bundesheer wird der Fähnrich zu den Offizieren gezählt, befindet sich als „Militärakademiker“ aber noch in Ausbildung zum Leutnant. Insofern nimmt dieser Offizieranwärterdienstgrad eine Zwitterstellung ein. In Österreich existieren keine weiteren Offizieranwärterdienstgrade.
Der Dienstgrad Fähnrich wird Einjährig-Freiwilligen nach 12 Monaten ab Diensteintritt verliehen. Scheitert ein Offiziersanwärter an der Theresianischen Militärakademie während der achtsemestrigen Akademieausbildung (inklusive Berufspraktika), so wird er mit dem Dienstgrad Wachtmeister entlassen. Demnach tragen ausschließlich die auszubildenden Militärakademiker den Dienstgrad Fähnrich.
Die vier Ausbildungsjahrgänge werden äußerlich unterschieden anhand gelber Querbalken über den Dienstgradabzeichen: Ein Balken zeichnet den ersten Jahrgang aus, vier Balken den vierten, den Abschlussjahrgang.
Vor dem Ersten Weltkrieg waren es die Zöglinge der weniger renommierten k.u.k. Kadettenschulen, die ihre Ausbildung als Fähnrich bendeten (seit der [Wieder-]Einführung des Dienstgrades 1908, vorher als Kadett-Offiziersstellvertreter). Nach der Überstellung in den Truppendienst stand der Fähnrich an der Spitze des Unteroffizierskorps. Dagegen wurden die Absolventen der prestigeträchtigeren Militärakademien damals noch als Leutnants "ausgemustert".
Siehe auch: Militärschulwesen (Österreich, 1900)
Vereinigtes Königreich
Bis ins Jahr 1871 war Ensign der niedrigste Offizierdienstgrad in den Infanterieregimentern der British Army. Dieser entspricht heute dem Second Lieutenant. Aufgabe dieser Offiziere war es die Fahne des Regiments zu tragen. Ab dem 16. Jahrhundert hatte das Wort ensign zwei Bedeutungen, zum einen die Fahne an sich und zum anderen den Träger eben jener Fahne. In der Zeremonie Trooping the Colour werden die Fahnen der Regimenter von verschiedenen Dienstgraden getragen, diese haben heute noch die Aufgabe - nicht jedoch den Rang - eines Ensign.
Vereinigte Staaten
In der US Navy ersetzte der Ensign 1862 den Rang eines „Passed Midshipman“, also einen Midshipman der seine Ausbildung bereits beendet hatte. Der Ensign der US Navy und der US Coast Guard ist das Äquivalent zum Second Lieutenant der US Army, des US Marine Corps oder der US Air Force. Im NATO-Rangcode-System hat er die Stufe OF-1 und ist damit auch das Äquivalent eines Leutnant zur See der Deutschen Marine. Ein Offizier im Dienstgrad eines Ensign ist typischerweise noch in der erweiterten zweijährigen Spezialausbildung, nachdem er bereits sein Offizierspatent bekommen hat. Nach dieser Ausbildung dient er dann für gewöhnlich als Offizier in einer Division, in der er eine Gruppe von Petty Officers und Mannschaftsdienstgraden führt. Doch selbst die Verwendung als Divisionsoffizier dient eigentlich noch der Ausbildung. Sie soll den jungen Marineoffizier mit den Pflichten und Verantwortlichkeiten, den Systemen, Programmen und Richtlinien des alltäglichen Dienstes unter der Leitung des Divisions-Chief Petty Officers vertraut machen.
Aufgrund ihrer Schulterabzeichen werden US-Ensigns oft auch „butterbars“ (dt. etwa Butterriegel) genannt.
Der dienstälteste Ensign an Bord eines Schiffs der US Navy oder einer Marineflugstaffel erhält extra große Schulterabzeichen, in denen oft das Wort „BULL“ eingraviert ist. Dieser Offizier wird auch „Bull Ensign“ genannt. Der Tradition nach ist dieser Ensign als Mentor verantwortlich für die anderen dienstjüngeren Ensigns der Einheit. Zusammen mit dem dienstjüngsten Ensign, dem „J.O.R.G.“ (Abkürzung für: „Junior Officer Requiring Guidance“ - dt. dienstjunger Offizier, der Führung benötigt) oder „George“, der als Vizepräsident der Messe fungiert, ist er verantwortlich für die Formalitäten der militärischen Dinner während einer „Messe-Nacht“.
Ehemalige Bündnisstaaten des Warschauer Vertrags
In fast allen ehemaligen Warschauer-Vertrag-Staaten bilden die Fähnriche eine mehrere Dienstgrade umfassende eigenständige Laufbahngruppe, die zwischen den Offizieren und Unteroffizieren eingeordnet ist. Sie gelten als Spezialisten ihrer Laufbahn und werden mit den Warrant Officers der westlichen Staaten gleichgesetzt. Eingesetzt werden Fähnriche meist als Zugführer, Hauptfeldwebel, Werkstattleiter oder in ähnlichen Dienststellungen.
Die Laufbahngruppe der Fähnriche wurde bei fast allen Staaten des Warschauer Vertrags bis zu Beginn der 1970er Jahre eingeführt. Das erste Land mit einer eigenen Fähnrichslaufbahn war seit 1957 Ungarn. Davon abweichend installierte Rumänien die fünfstufige Laufbahngruppe der „Militärmeister“ (Maistri militari), vom Maistru Militar Classa IV bis zum ranghöchsten Maistru Militar Principal. Allein Bulgarien verzichtete auf die Errichtung einer solchen Laufbahngruppe.
Auf die Laufbahn der Fähnriche bewerben können sich traditionell Kandidaten mit einem höheren Schulabschluss (Abitur oder Fachabitur). Typisch ist eine Ausbildungsdauer von zwei Jahren. Die Weiterbeförderung zum Offizier ist in der Regel nicht vorgesehen. Auch werden Berufsunteroffiziere nur selten zum Fähnrich weiterbefördert.
Deutsche Demokratische Republik
In der Nationalen Volksarmee der DDR bildeten die Fähnriche seit 1974 durch dem Ministerbefehl Nr. 168/73 eine eigene Dienstgradgruppe („Fähnrichskorps“) zwischen den Unteroffizieren und Offizieren. 1979 kamen die Dienstgrade Oberfähnrich, Stabsfähnrich und Stabsoberfähnrich hinzu.
Zu Fähnrichen rückten zunächst langgediente Stabsfeldwebel auf. Später wurden allein die Absolventen der Fähnrichklassen nach zweijähriger Ausbildung (zweijähriges Direktstudium bzw. einjähriges Direkt- und ein einjähriges Fernstudium) zum Fähnrich befördert.
Mit dem Fähnrichdienstgrad sollte auch eine Qualifikationslücke in den technischen Laufbahnen geschlossen werden. Während Berufsunteroffiziere hier den Meisterabschluss erwerben konnten, zählten Offiziere ihrer Ausbildung nach als Diplom-Ingenieure. Die Fähnriche hingegen waren als Fachschulingenieure qualifiziert.
Die Fähnriche trugen die Uniform der Offiziere, nicht aber deren blanke Seitenwaffen (Paradesäbel, Dolch des Gesellschaftsanzugs) oder die zur Parade angelegte Feldbinde aus silberfarbenen Aluminiumgespinnst. Typisches Kennzeichen war ein, auf dem linken Oberärmel, angebrachter Stoffschild mit dem Staatswappen der DDR.
Polen
Bis zu den Polnischen Teilungen war der Fähnrich (Chorąży) der unterste Offiziersdienstgrad der königlichen polnischen Armee. Mit der Wiedererlangung der vollen staatlichen Souveränität Polens 1919 wurde der Chorąży wieder als Armeedienstgrad eingeführt, bezeichnete nun aber den höchsten Unteroffiziersdienstgrad. Der Chorąży rangierte unmittelbar vor dem neu eingeführten Offizieranwärterdienstgrad Unterfähnrich (Podchorąży, 1923 abgeschafft); 1940 wurde ihm der Offizieranwärterdienstgrad Aspirant vorgesetzt.
In der Polnischen Volksarmee rückte der Chorąży 1943 zu den Offizieren auf und entsprach nun dem Unterleutnant der sowjetischen Streitkräfte. Von 1958 bis 1962 entfiel der Dienstgrad Chorąży völlig, um seit 1963 mit dem Oberfähnrich (Starszy Chorąży, eigentlich: "Seniorfähnrich") eine eigene Laufbahngruppee zu bilden. Diese wurde 1971 um den Juniorfähnrich (Mlodszy Chorąży ), den Stabsfähnrich (Chorąży Sztabowy) sowie den Stabsoberfähnrich (Starszy Chorąży Sztabowy) ergänzt und 1989 gemeinsam mit dem Juniorstabsfähnrich (Mlodszy Chorąży sztabowy) auf insgesamt sechs Fähnrichsdienstgrade erweitert. 2004 wurde die Laufbahngruppe wieder auf drei Dienstgrade zurückgeführt: Mlodszy Chorąży (Juniorfähnrich), Chorąży (Fähnrich) und Starszy Chorąży (Oberfähnrich).
Sowjetunion bzw. Russland
Im Zarenreich war der Fähnrich (прапорщи, Praporschtschik) zuletzt der unterste Offiziersdienstgrad. Das Pendant bei der Marine war der Mitschman (Мичман). Der Dienstgrad war zunächst bei den seit 1631 neu aufgestellten "Neuen (Fremden-)Regimentern" in Verwendung, wurde aber 1722 mit der Einführung der Rangtabelle Zar Peter des Großen in der gesamten Armee eingeführt.
Der Unterfähnrich (Подпрапорщик, Podpraporschtschik) rangierte bis 1826 zwischem dem Korporal und dem Sergeant, bevor er als Offiziersstellvertreter an die Spitze des Unteroffizierskorps rückte; seit 1884 war ihm der nunmehr höchste Unteroffiziersdienstgrad Ordinär-Fähnrich (зауряд-прапорщик, Saurjad-Praporschtschik; wörtl. "gewöhnlicher Fähnrich") vorgesetzt.
Der Portepee-Fähnrich (портупей прапорщик, Portupej Praporschtschik) war von 1798 bis 1826 ein Offiziersanwärterdienstgrad, bevor er entfiel
Nach der Oktoberrevolution 1917 wurden die Fähnrichsdienstgrade abgeschafft. Erst 1972 folgte die Wiedereinführung des Praporschtschik, diesmal als Zeit- und Berufssoldaten vorbehaltener höchster Unteroffiziersdienstgrad. 1981 wurde ihm der Oberfähnrich (Старший прапорщик, Starschij Praporschtschik; wörtl. "(dienst)älterer Fähnrich") vorgesetzt. Letzterem entspricht bei der Marine der Starschij Mitschman (Старший мичман).
Tschechoslowakei bzw. Tschechien und Slowakische Republik
Wie in den beiden anderen Nachfolgestaaten der untergegangenen Donaumonarchie Polen und Ungarn übernahm die Tschechoslowakei den Dienstgrad Fähnrich (Praporčík) von der untergegangenen k.u.k-Armee; der Praporčík bezeichnete nun allerdings nicht mehr einen Offizieranwärter, sondern den ranghöchsten Unteroffizier. Nach dem Zweiten Weltkrieg abgeschafft, wurde der Praporčík 1959 wieder eingeführt. Jetzt rangierte er zwischen den beiden neu geschaffenen Dienstgraden Unterfähnrich (Podpraporčík) und Oberfähnrich (Nadpraporčík) in einer eigenständigen Laufbahngruppe. Die Nachfolgestaaten der Tschechoslowakei, Tschechien und die Slowakische Republik, behielten die Laufbahngruppe der Fähnriche nach ihrem Beitritt zur NATO unverändert bei.
Ungarn
Zur Zeit der österreichisch-ungarischen Doppelmonarchie war der Zászlós in der Honvéd-Armee das Pendant zum Fähnrich in den Truppen der österreichischen Reichshälfte. Von 1919 bis 1945 zählte er als „Offizier in Ausbildung“ bereits zu den Offizieren. In der Nachkriegszeit zwischenzeitlich abgeschafft, wurde der Dienstgrad Zászlós 1957 wieder eingeführt. Jetzt bezeichnete er jedoch nicht mehr einen Offizieranwärter, sondern den untersten Dienstgrad der neu geschaffenen Laufbahngruppe der Fähnriche (Zászlósok), die zwei Dienstgrade umfasste: den Zászlós (Fähnrich) und Törzszászlós (Stabsfähnrich). Nach 1989 behielten die Streitkräfte Ungarns - im Unterschied zu anderen ehemaligen Warschauer Vertragsstaaten - die Laufbahngruppe der Fähnriche bei. 1990 kam der Főtörzszászlós (Oberstabsfähnrich) als höchster Fähnrichsdienstgrad hinzu. Gemäß NATO-Rangcode rangieren die beiden unteren Fähnrichsdienstgrade als OR-8, der Főtörzszászlós als OR-9, gemeinsam werden sie zu den Warrant Officers gezählt.
Siehe auch
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