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Ostkantone
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Die Ostkantone Belgiens, auch Ostbelgien oder Eupen-Malmedy genannt, sind nach dem Versailler Vertrag entstanden.
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Geschichte vor 1815
Die Geschichte des Gebietes der Ostkantone war von jeher durch seine Grenzlage geprägt. Schon zur Römerzeit verlief die Grenze zwischen den alten Römerstädten Köln und Tongeren durch diese Region.
Vor 1815 gehörte der Norden des Gebietes zum Herzogtum Limburg, der Süden um St. Vith zum Herzogtum Luxemburg, welche nach der Schlacht von Worringen an das Herzogtum Brabant fielen. Beide Herzogtümer waren Teil der spanischen bzw. österreichischen Niederlande. Weite Teile des Hohen Venns gehörten zum Gebiet der Reichsabtei Malmedy. Einige der südlichen Gemeinden gehörten zeitweise zum Erzbistum Trier (das Gebiet Manderfeld-Schönberg) sowie zum Herzogtum Jülich.
Die preußische Zeit
Mit Ausnahme von Neutral-Moresnet wurden diese Territorien 1815 preußisches Staatsgebiet unter dem König Friedrich Wilhelm III. und gehörten damit auch zum Deutschen Bund bzw. nach dessen Auflösung zum Deutschen Kaiserreich.
Die belgische Eingliederung
Durch Beschluss des Versailler Vertrages 1920 wurden sämtliche Gemeinden vom deutschen Reichsgebiet getrennt und provisorisch Belgien unterstellt. Die Volksbefragung von 1920 wurde in der Folgezeit zum Streitpunkt. Der überwiegende Teil der Bevölkerung sah diese Volksbefragung als Unrecht an, da sie weder frei, noch geheim, noch unbeeinflusst war. Die Bürger hatten lediglich die Möglichkeit gegen die belgische Annexion zu protestieren, indem sie sich in öffentliche Listen in Malmedy oder Eupen eintrugen. Da die ersten Protestler aber erheblich unter Druck gesetzt worden waren (Ausweisung, Ausschluss vom Geldumtausch, Entzug der Lebensmittelkarten, Entlassung u.a.) trugen sich nur 271 der 33.726 Wahlberechtigten in die Listen ein.
Nach einer fünfjährigen Übergangszeit unter der Regierung des königlichen Hochkommissars General Herman Baltia wurde das Gebiet um Eupen, Malmedy, St. Vith und Neutral Moresnet (Kelmis) 1925 in den belgischen Staatsverband eingegliedert. Während der Zeit von 1918 bis 1925 unterlagen die ostbelgischen Medien der Zensur. Seit 1925 versuchte die deutsche Regierung, eine Rückgabe des Gebietes zu erreichen, was an französischem Druck auf Belgien, welches einer Revision nicht abgeneigt war, scheiterte.
Aus dieser Zeit entstanden pro-Deutsche politische Organisationen wie die Heimattreue Front oder die Christliche Volkspartei.
Die Situation der Kirche
Aus kirchlicher Sicht war eine Lösung in „Neubelgien“ nicht einfach, da sich ein Großteil des lokalen Klerus weiterhin dem Erzbistum Köln verbunden fühlte. Als die Situation eskalierte, rief der Primas von Belgien Kardinal Mercier Papst Benedikt XV. an. Dieser schuf durch die päpstliche Bulle Ecclesiae Universae vom 30. Juli 1920 das Bistum Eupen-Malmedy. Titularbischof wurde für die folgenden Jahre der Bischof von Lüttich Msgr. Rutten, der am 13. Oktober feierlich eingesetzt wurde und die Pfarrkirche von Malmedy zur Kathedrale erhob. Eine erneute päpstliche Bulle vom 15. April 1925 hob diesen Zustand auf, und das Gebiet wurde dem Bistum Lüttich einverleibt.
Der Zweite Weltkrieg
Im Zweiten Weltkrieg wurden die Ostkantone nach dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht in Belgien dem Deutschen Reich wieder angeschlossen. Im Dezember 1944 wurden zuerst Malmedy, danach Sankt Vith, durch Bombenangriffe der Westalliierten fast völlig zerstört. Ebenso wurden während der Ardennen-Offensive im Winter 1944/45 viele Ortschaften in den Ostkantonen verwüstet. 1956 erkannte die neue Bundesrepublik Deutschland die Zugehörigkeit des Gebietes zu Belgien durch ein Abkommen über die Grenzziehung an.
Die Autonomie der deutschsprachigen Bevölkerung
Durch das Sprachengesetz von 1963 wurde nach 1945 erstmals ein offizielles deutsches Sprachgebiet geschaffen. 1973 wurde der Rat der deutschen Kulturgemeinschaft eingesetzt, der seine Befugnisse und Finanzmittel in den folgenden Jahren immer weiter ausbauen konnte. Heute verfügen die deutschsprachigen Belgier mit der Deutschsprachigen Gemeinschaft (DG), einem eigenem Parlament und eigener Regierung über eine ausgedehnte Autonomie. Malmedy und Weismes, wo von jeher mehrheitlich französisch, bzw. der wallonische Dialekt gesprochen wurde, gehören der französischen Gemeinschaft an.
Literatur
- Ulrike Schwieren-Höger und Jörn Sackermann: Ostbelgien und die Deutschsprachige Gemeinschaft Belgiens. Grenz-Echo Verlag 2006. ISBN 90-5433-214-X
Weblinks
- Die Stellung und Rolle der deutschsprachigen Minderheit in Ostbelgien
- Erinnern und Vergessen in der Vergangenheitspolitik der deutschsprachigen Belgier im 20. Jahrhundert
- Das Fremdenverkehrsamt der Ostkantone
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