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Erwachsenen- und Weiterbildung

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Die Begriffe Erwachsenenbildung und Weiterbildung werden in der Fachliteratur zunehmend synonym, in einzeln Artikeln auch additiv verwendet (Tippelt, 1999, S.11).

Definition: Der Deutsche Bildungsrat hatte im Jahr 1970 Erwachsenenbildung (Weiterbildung) definiert als "Fortsetzung oder Wiederaufnahme organisierten Lernens nach Abschluss einer unterschiedlich ausgedehnten ersten Bildungsphase".

Inhaltsverzeichnis

Erwachsenen- und Weiterbildung im Überblick

Das Berichtssystem Weiterbildung des deutschen Wissenschaftsministeriums unterscheidet:

Neben der Teilnahme an Seminaren zählen zur Weiterbildung auch:

  • Fernunterricht
  • computergestütztes Lernen
  • Training on the job (Fortbildung am angestammten Arbeitsplatz in einem Unternehmen)
  • Training near the Job (Fortbildungsmaßnahmen im Unternehmen, aber nicht am bisherigen Arbeitsplatz)
  • Training off the Job (Weiterbildung, die außerhalb eines Unternehmens stattfindet)
  • selbstorganisiertes Lernen

Für die Erwachsenenbildung/Weiterbildung wurden eigene theoretische Grundlagen und Methoden entwickelt oder adaptiert.

Geschichte der Erwachsenen- und Weiterbildung

Erste Ansätze der Erwachsenenbildung zeigen sich im Zuge der Aufklärung bereits im 18. Jahrhundert etwa bei der Gründung der Königlichen Dänischen Ackerakademie zu Glücksburg durch den Agrarreformer Philipp Ernst Lüders.

Die Ursprünge der Erwachsenenbildung in Deutschland gehen zurück auf Bemühungen der Arbeiterbildungsvereine im 19. Jahrhundert, die anfänglich deutlich emanzipatorische Ziele postulierten. Hier gründen auch die ersten gewerkschaftlichen und sozialistischen Weiterbildungsinitiativen. Die Praxis der gegenwärtigen bundesdeutschen Erwachsenenbildung dagegen sieht sich eher in der Tradition des bürgerlichen Bildungsideals.

Lese- und Literaturgesellschaften boten im Bürgertum des 18. Jahrhunderts erste Ansätze. Ende des 19. Jahrhunderts entstanden die Volksbildungsvereine. Daneben entwickelte sich die Bewegung der Arbeiterbildung, die sich in der gewerkschaftlichen Bildungsarbeit fortsetzt. Erste Einsichten zu einer Notwendigkeit eines "Life long Learning" finden sich in der Industrialisierten Gesellschaft Ende des 19. Jahrhunderts.

In den USA entstanden Ende des 19. Jahrhunderts Chautauquas als erste Veranstaltungen zur Massenweiterbildung.

Recht und Weiterbildung

Das Recht auf freie Entfaltung der Persönlichkeit ist in verschiedenen Codices auf nationaler und internationaler Ebene festgeschrieben. Daraus ergibt sich auch eine staatliche Pflicht zur Förderung von Erwachsenenbildung. In Deutschland sind die unterschiedlichen Landesgesetze Grundlage der Förderung, die dementsprechend unterschiedlich gestaltet ist. Zumeist wird ein kooperativer Pluralismus von Anbietern (öffentliche, kirchliche, gewerkschaftliche usf.) gefördert.

Seit den 70er Jahren ist zu diesem institutionellen Ausbau der Versuch getreten, die individuelle Teilnahmemöglichkeit durch Bildungsurlaubs- oder Bildungsfreistellungsgesetz (Bildungsurlaub) zu verbessern: Beschäftigte haben das Recht, in der Regel fünf Tage jährlich für Zwecke der berufliche und politischen Bildung (auch hier differieren die Ländergesetze) freigestellt zu werden. Nur eine Minderheit von etwa ein bis zwei Prozent der Berechtigten macht aber von diesem Recht Gebrauch.

Insbesondere im Bereich der Umschulung hatte die Erwachsenenbildung in den letzten Jahren aufgrund der real restriktiven Sozialgesetzgebung Rückgänge zu verzeichnen. In Folge von Hartz IV ist der Zugang zu Bildungsgutscheinen für Arbeitslose sehr erschwert worden.

Unter dem Motto Europa tut Deutschland gut wirbt die Bundesregierung in Tageszeitungen mit folgenem Zitat aus der EU-Verfassung:

„Jede Person hat das Recht auf Bildung sowie Zugang zur beruflichen Ausbildung und Weiterbildung.“

Artikel II-74, Ziffer 1, EU-Verfassung

Institutionen der Erwachsenen- und Weiterbildung

Träger und Anbieter öffentlicher Erwachsenenbildung/Weiterbildung sind u.a. die Familienbildungsstätten, Heimvolkshochschulen und Volkshochschulen, gewerkschaftliche und kirchliche Einrichtungen, Akademien, Bildungszentren der Kammern (z.B. Industrie- und Handelskammer, Handwerkskammer), private Bildungseinrichtungen, Bildungseinrichtungen in Betrieben. Weiterbildung gehört neben Lehre und Forschung auch zu den gesetzlichen Aufgaben der Hochschulen (Wissenschaftliche Weiterbildung).

Die Allgemeine Hochschulreife (das Abitur) kann an einem Abendgymnasium, per Fernunterricht oder - in Tagesform - auch an einem Kolleg erworben werden.

Weiterbildungsberatung im beruflichen Bereich bieten neben den Weiterbildungsträgern die Kammern, die zugleich freilich meist Weiterbildungsanbieter sind; trägerneutrale Beratung, oftmals auch für allgemeine Weiterbildung, bieten unabhängige Weiterbildungsberatungsstellen, die meist kommunal verankert sind. Je nach Schwerpunkt findet man hier Informationen zu Bildungswegen, Weiterbildungsangeboten, Fördermöglichkeiten, Wiedereinstieg nach Babypause und Verbraucherschutz; neben Informationsmaterial werden gewöhnlich auch orientierende Beratungsgespräche angeboten. Eine Liste von Weiterbildungsberatungsstellen findet sich hier.

Informationen über Weiterbildungsangebote finden sich auch in Weiterbildungsdatenbanken. In Deutschland sind die wichtigsten bundesweiten Datenbanken WIS (Industrie- und Handelskammern) und Kursnet (Bundesagentur für Arbeit). Daneben gibt es zum Teil gut funktionierende Datenbanken für einzelne Bundesländer (z. B. Mecklenburg-Vorpommern, Hamburg) und Regionen (z. B. Rhein-Main-Gebiet), außerdem themenspezifische (z.B. für die wissenschaftliche Weiterbildung). Die Angebote aus vielen solcher Datenbanken lassen sich auch über die bundesweite Metasuche des InfoWeb Weiterbildung recherchieren, wo sich auch eine Auflistung von Weiterbildungsdatenbanken findet.

Informationen über formale Bildungswege im beruflichen Bereich in Deutschland finden sich im Berufenet der Bundesagentur für Arbeit.

Für Weiterbildung, Weiterbildungsinnovationen und Weiterbildungsforschung gibt es an fast jeder Universität der Bundesrepublik eine eigenständige Professur. Darüber hinaus beschäftigt sich bundesweit das DIE - Deutsche Institut für Erwachsenenbildung mit der Entwicklung im Feld der Erwachsenen- und Weiterbildung. Auch mit Bürgeruniversitäten und Seniorenakademien engagieren sich einzelne Universitäten seit neuerem im Weiterbildungsbereich.

Weiterhin gibt es Einrichtungen, die Weiterbildung ausschließlich über das Internet als E-Learning betreiben.

Siehe auch: Zweiter Bildungsweg, Computeria, Bürgeruniversität

Weiterbildungsbeteiligung

Dem aktuellen Berichtssystem Weiterbildung des BMBF (Kuwan et al., 2003) lassen sich jeweils aktuelle Zahlen zur Weiterbildungsbeteiligung der Deutschen entnehmen.

Im Jahr 2000 haben demnach 43 Prozent der Befragten zwischen 19 und 64 Jahren an beruflicher oder allgemeiner Weiterbildung in Form von Lehrgängen/Kursen oder Vorträgen teilgenommen, die Gesamtteilnahmequote war damit - verglichen mit den Jahren 1986-1997 erstmals rückläufig (Kuwan, 2003, S. 17).

Studium der Erwachsenenbildung/ Weiterbildung

Erwachsenenbildung/ Weiterbildung kann an zahlreichen Universitäten als Studienrichtung der Erziehungswissenschaft im Rahmen eines Diplom- oder BA/MA Studiums studiert werden. Die Erwachsenenbildung ist in der Regel in Lehrstühlen und Professuren realisiert, an wenigen Universitäten gibt es mehrere Professuren oder ganze Institute (etwa in Duisburg-Essen).

Liste der Arbeitsgruppen für Erwachsenenbildung/Weiterbildung an deutschen Hochschulen: EB/WB an Hochschulen

Handlungsorientierung

Erwachsenenbildung findet häufig nicht im Frontalunterricht statt, sondern mit starkem Handlungsbezug, der die berufstyptischen Erfahrungen und die lebenspraktischen Erwartungen sowie die Ziele der Maßnahmenträger als auch der Teilnehmer selbst zu erfüllen hat.

Neben den im sog. "Göttinger Katalog" aufgeführten Methoden haben sich weitere Lehrmethoden selbstgesteuerten Lernens etabliert, die dem Lernenden weitgehende Eigenständigkeit bei der Umsetzung der Lernziele erlauben bzw. abverlangen, z.B.:
(alphabetisch)

Training on the job

Training on-the-job ist eine Form der beruflichen Weiterbildung, die auf deutsch mit "Lernen durch Tun" umschrieben wird. Sie erfolgt am jeweiligen Arbeitsplatz sowohl in der Einarbeitungsphase als auch in der Routinephase, um dann durch Einbringen weiterer und neuer Aspekte in den jeweiligen Tätigkeitsablauf die Betriebsblindheit in einem Unternehmen zu vermeiden oder rückzubilden.

Siehe auch:

Literatur

Einführungen

  • Arnold, Rolf: Erwachsenenbildung : eine Einführung in Grundlagen, Probleme und Perspektiven. Baltmannsweiler : Schneider-Verl. Hohengehren 2001 (4. überarb. Auflage) [ISBN 3-89676-402-0]
  • Faulstich, Peter; Zeuner, Christine: Erwachsenenbildung: Eine handlungsorientierte Einführung. München: Juventa 1999 [ISBN 3-7799-1541-3]
  • Forneck, Hermann; Wrana, Daniel: Ein parzelliertes Feld. Einführung in die Erwachsenenbildung. Bielefeld: wbv 2005 [ISBN 3-7639-3165-1]
  • Kade, Jochen; Nittel, Dieter; Seitter, Wolfgang: Einführung in die Erwachsenenbildung/Weiterbildung. Stuttgart: Kohlhammer 1999 [ISBN 3-17-015904-6]
  • Platzer, Karl: Rechtliche Grundlagen der Erwachsenenbildung unter besonderer Berücksichtigung von EB-Gesetzen. Duisburg: WiKu-Verlag. ISBN 3-86553-153-9
  • Wittpoth, Jürgen: Einführung in die Erwachsenenbildung. Opladen: Leske & Budrich 2003 [ISBN 3-8100-3554-8]

Handbücher und Lexika

  • Tippelt, Rudolf (Hg): Handbuch Erwachsenenbildung/Weiterbildung. Opladen: Leske & Budrich 1999 [ISBN 3-8100-2329-9]
  • Dewe, Bernd; Frank, Günther; Huge, Wolfgang: Theorien der Erwachsenenbildung. Ein Handbuch. München: Hueber 1988 [ISBN 3-19-006945-X]
  • Arnold, Rolf; Nolda, Sigrid; Nuissl, Ekkehard (Hg): Wörterbuch Erwachsenenpädagogik. Bad Heilbrunn: Klinkhardt 2001 [ISBN 3-7815-1117-0]
  • Jarvis, Peter (Hg): International Dictionary of Adult and Continuing Education. London: Kogan Page 1999

Siehe auch

Weblinks

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