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Emmy Noether
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Amalie „Emmy“ Noether (* 23. März 1882 in Erlangen; † 14. April 1935 in Bryn Mawr in Pennsylvania, USA) war eine deutsche Mathematikerin und Physikerin.
Inhaltsverzeichnis |
Leben
Herkunft und Jugend
Emmy Noether stammte aus einer gut situierten jüdischen Familie. Ihr Vater, Max Noether, war Mathematiker und Professor in Erlangen. Ihr jüngerer Bruder, der Mathematiker Fritz Noether, floh vor den Nationalsozialisten in die Sowjetunion, wo er im Zuge der Stalinschen Säuberungen wegen angeblicher antisowjetischer Propaganda verurteilt und erschossen wurde. Emmy Noether zeigte in mathematischer Richtung keine besondere Frühreife, sondern hatte in ihrer Jugend Interesse an Musik und Tanzen. Im Jahr 1900 legte sie die Staatsprüfung zur Lehrerin der englischen und französischen Sprache an Mädchenschulen ab. 1903 holte sie in Nürnberg das Abitur nach.
Studium und Beruf
1904 wurden Frauen erstmalig an deutschen Universitäten zum Studium zugelassen, was auch Emmy Noether die Immatrikulation in Erlangen erlaubte. Vorher hatte sie bereits mit Erlaubnis einzelner Professoren als Gasthörerin Vorlesungen in Göttingen besucht, musste jedoch auf Grund einer Krankheit zurück nach Erlangen. Dort wurde sie 1907 in Mathematik bei Paul Gordan promoviert. Im Jahr darauf wurde sie Mitglied des Circulo matematico di Palermo, 1909 trat sie der Deutschen Mathematiker-Vereinigung bei.
1909 wurde sie von Felix Klein und David Hilbert nach Göttingen gerufen, da sie auf dem Forschungsgebiet der Differentialinvarianten mittlerweile eine wirkliche Größe war. Göttingen war zu dieser Zeit das führende mathematische Zentrum Deutschlands und in der Welt. 1915 scheitert ein erster Habilitationsversuch an der Privatdozentenordnung, die ausdrücklich nur Männer zur Habilitation zuließ. Hilbert soll dazu gesagt haben, dass er es nicht einsehe, wieso das Geschlecht der Kandidaten ein Argument gegen eine Zulassung als Privatdozent sein solle. Schließlich sei man, nach allem was er wisse, eine Universität und nicht eine Badeanstalt. Sie unterrichtete daraufhin als Hilberts Assistentin, der ihre Vorlesungen, zum Beispiel zur Invariantentheorie, unter seinem Namen ankündigte.
Nach dem Ersten Weltkrieg und dem Zusammenbruch des Kaiserreichs kam es in der Weimarer Republik zu einer allgemeinen rechtlichen Besserstellung der Frauen. Neben dem Wahlrecht wurde auch die Habilitationsordnung so geändert, dass auch weibliche Kandidaten zur Habilitation zugelassen werden konnten. So konnte sich Emmy Noether 1919 habilitieren. Dennoch bekam sie erst 1922 eine außerordentliche Professur und erst 1923 ihren ersten bezahlten Lehrauftrag. Bis zur großen Inflation im selben Jahr lebte sie sehr sparsam von einer Erbschaft. 1928/29 übernahm sie eine Gastprofessur in Moskau, 1930 in Frankfurt am Main. Bei ihrer Rückkehr aus der Sowjetunion äußerte sie sich sehr positiv über die dortige Lage, was ihr später seitens der Nazis den "Vorwurf" einbrachte, eine Kommunistin zu sein. Emmy Noether bekannte sich zum Pazifismus und war von 1919 bis 1924 Mitglied der (U)SPD. Zusammen mit Emil Artin erhielt sie 1932 den Ackermann-Teubner-Gedächtnispreis für ihre gesamten wissenschaftlichen Leistungen.
USA
1933 wurde ihr von den Nazis die Lehrerlaubnis entzogen, und sie emigrierte aufgrund ihrer politischen Ansichten und ihrer jüdischen Abstammung in die USA. Zuvor hatte Noether noch überlegt, nach Moskau zu gehen. Doch die Bemühungen ihres dortigen Freundes Pavel Sergeevic Aleksandrov bei den russischen Behörden zogen sich zu lange hin. In Amerika half ihr ihr ehemaliger Göttinger Kollege Hermann Weyl, eine Stelle zu finden. Sie erhielt eine Anstellung als Gastprofessorin am Women's College Bryn Mawr in Pennsylvania. Zudem hielt sie Vorlesungen in Princeton. Emmy Noether starb an den Komplikationen einer Unterleibsoperation am 14. April 1935 im US-amerikanischen Bundesstaat Pennsylvania.
Wirken
Emmy Noether gehört zu den Begründern der modernen Algebra. Ihre mathematische Prägung kam vor allem durch den Erlanger Professor Paul Gordan, dem so genannten „König der Invarianten“. Daher beschäftigte sie sich bis 1919 hauptsächlich mit der Invariantentheorie. Ab 1920 verlegte sie ihren Forschungsschwerpunkt auf die allgemeine Idealtheorie. In Göttingen gründete sie eine eigene Schule: Seit Mitte der 1920er Jahre fand Noether eine Reihe von hochbegabten Schülern aus aller Welt, die sich um sie scharten. Ihre Studenten nannte sie ihre „Trabanten“ oder die „Noether-Knaben“.
Nach Emmy Noether sind die noetherschen Ringe und Moduln benannt, und auch der noethersche Normalisierungssatz trägt ihren Namen. Im letzten Viertel des 20. Jahrhunderts entwickelte sich das Noether-Theorem zu einer der wichtigsten Grundlagen der Physik.
Obwohl didaktisch unbegabt, war sie in Göttingen, damals das Weltzentrum der mathematischen Forschung, die einflussreichste akademische Lehrerin in der Generation nach Hilbert. Zu ihren Schülern gehörten unter anderem Bartel Leendert van der Waerden, Emil Artin und P.S. Alexandroff.
Auch in der theoretischen Physik leistete sie Außerordentliches und legte 1918 mit dem Noether-Theorem den Grundstein zu einer neuartigen Betrachtung von Erhaltungsgrößen.
Nach ihr ist das Emmy Noether-Programm der Deutschen Forschungsgemeinschaft benannt, welches junge Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen fördert.
In Erlangen ist Emmy Noether seit dem 25. März 1982 zur Namensgeberin des früheren „Gymnasium Südwest“ geworden. Das naturwissenschaftlich-technologische „Emmy-Noether-Gymnasium“ liegt im Stadtteil Erlangen-Bruck. Dort befindet sich auch die „Emmy-Noether-Sporthalle“. Ebenso ist zum Gedenken der größte Hörsaal im mathematischen Institut der Universität Erlangen-Nürnberg nach Emmy Noether und ihrem Bruder benannt.
Literatur
- Emmy Noether: Gesammelte Abhandlungen/Collected Papers. Hrsg. von Nathan Jacobson. Springer, Berlin u. a. 1983, ISBN 3-540-11504-8
- Auguste Dick: Emmy Noether. 1882–1935. (= Elemente der Mathematik; Beih. 13; Kurze Mathematiker-Biographien). Birkäuser, Basel 1970
- Alain Herreman: Topology becomes algebraic with Emmy Noether. Linear combinations and the algebraisation of topology. (= Preprint/Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte; Bd. 106). Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte, Berlin 1998
- Franz Lemmermeyer, Peter Roquette (Hrsg.): Helmut Hasse und Emmy Noether. Die Korrespondenz 1925–1935. Universitätsverlag Göttingen, Göttingen 2006, ISBN 3-938616-35-0 (E-Text)
- Peter Roquette: The Brauer-Hasse-Noether theorem in historical perspective. (= Schriften der Mathematisch-naturwissenschaftlichen Klasse der Heidelberger Akademie der Wissenschaften; 15). Springer, Berlin u. a. 2005, ISBN 3-540-23005-X
- Renate Tobies: Emmy Noether - „Meine Herren, eine Universität ist doch keine Badeanstalt!“. Ins: Spektrum der Wissenschaft (ISSN 0170-2971
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), August 2004, S. 70-77
- Cordula Tollmien: „Sind wir doch der Meinung, daß ein weiblicher Kopf nur ganz ausnahmsweise in der Mathematik schöpferisch tätig sein kann...“ - eine Biographie der Mathematikerin Emmy Noether (1882-1935 und zugleich ein Beitrag zur Geschichte der Habilitation von Frauen an der Universität Göttingen, in: Göttinger Jahrbuch 38 (1990), S. 153-219
- Bartel L. van der Waerden: A history of Algebra. From al-Khwarizmi to Emmy Noether. Springer, Berlin u. a. 1985, ISBN 3-540-13610-X
Weblinks
- Literatur von und über Emmy Noether im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- FemBiographie: Emmy Noether
- Lebensdaten, Quellen, Würdigungen - zusammengestellt von Cordula Tollmien
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Noether, Emmy |
| ALTERNATIVNAMEN | Amalie Noether |
| KURZBESCHREIBUNG | deutsche Mathematikerin |
| GEBURTSDATUM | 23. März 1882 |
| GEBURTSORT | Erlangen, Deutschland |
| STERBEDATUM | 14. April 1935 |
| STERBEORT | Bryn Mawr, Pennsylvania, USA |
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