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Kieselgur

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Bild:Kieselgurschicht-1.jpg
Kieselgurschicht im Naturschutzgebiet Soos in Tschechien
Bild:KieselgurOhe.jpg
aufgelassener Kieselgur-Tagebau bei Neuohe, Lüneburger Heide, Niedersachsen

Kieselgur (femininum; auch Bergmehl, Diatomeenerde, Diatomeenpelit, Diatomit, Infusorienerde, Kieselmehl, Novaculit, Novaculite, Tripel, Tripolit, Tripolite, Celite) ist eine weißliche, pulverförmige Substanz, die hauptsächlich aus den Siliziumdioxidschalen fossiler Kieselalgen (Diatomeen) besteht.

Die Schalen bestehen zum größten Teil aus amorphem (nicht-kristallinem) Siliziumdioxid (SiO2) und weisen eine sehr poröse Struktur auf. 1 ml reine Kieselgur enthält etwa 1 Mrd. Diatomeenschalen bzw. deren Bruchstücke. „Gu(h)r“ ist ein niederdeutscher Volksausdruck mit der Bedeutung „feuchte, aus dem Gestein ausgärende Masse“. Aus geologischer Sicht ist Kieselgur ein aus fossilem Diatomeenschlamm entstandenes Sedimentgestein, sehr fein geschichtet wird es als „Tripel“ bezeichnet. Aufgrund seiner Materialeigenschaften - leicht und hochporös - ist Kieselgur ein geschätzter Rohstoff und wird industriell genutzt. [1]

1836 wurde Kieselgur bei Bohrungen erstmals in der Lüneburger Heide entdeckt. Bis zum Ersten Weltkrieg wurde fast der gesamte weltweite Bedarf mit Kieselgur aus dieser Region gedeckt.

Es bestand noch eine kleine Lagerstätte im Vogelsberg (Hessen), die bis in die 1950er Jahre hinein ausgebeutet wurde.

Eine bis zu 4 m starke Kieselgurschicht entstand auch im Naturschutzgebiet Soos in Tschechien.

Kieselgur ist vielseitig verwendbar, unter anderem als Filter – sowohl für Abwässer als auch für Getränke und Öle –, zu medizinischen Zwecken, in der Tierfütterung, als Quellmittel und als Schleif- und Poliermittel. Während des zweiten Weltkrieges diente es als Trägermaterial für Zyklon B-Gas, welches zum Massenmord in deutschen Konzentrationslagern eingesetzt wurde.

Wird das erschütterungsempfindliche Nitroglycerin mit Kieselgur vermengt, entsteht daraus das stoßunempfindliche Dynamit, das deshalb auch in der älteren Literatur auch als „Gurdynamit“ bezeichnet wird. Durch diese Erfindung kam Alfred Nobel zu seinem großen Vermögen. Da das Kieselgur nicht an der Explosionsreaktion teilnimmt (es ist nicht brennbar), wurde es bei der Dynamitproduktion durch besser geeignete Stoffe ersetzt, die aktiv an der Explosion teilnehmen können (z. B. Kollodiumwolle).

Teilweise findet sich Kieselgur in Wüsten auch an der Oberfläche. Wie Forschungen zeigen, gehört der Abrieb des Kieselgurs auf solchen Flächen (etwa in der Bodélé-Senke in der Sahara) zu den bedeutendsten Quellen klimawirksamen Staubs in der Atmosphäre.

Weblinks

Quellen


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