Das Fotonexus-Wiki befindet sich im Testbetrieb.


Deutsche Demokratische Partei

Aus Fotonexus.

(Weitergeleitet von Deutsche Staatspartei)
Wechseln zu: Navigation, Suche

Die Deutsche Demokratische Partei, kurz DDP, war eine liberale Partei der Weimarer Republik, die an fast allen Reichsregierungen bis 1932 beteiligt war.

Sie ging 1918 aus der der linksliberalen Fortschrittlichen Volkspartei hervor. Ihr Gründungsaufruf wurde von Theodor Wolff verfaßt. [1] 1930 vereinigten sich Teile der DDP mit dem Jungdeutschen Orden zur Deutschen Staatspartei (DStP). Die DDP vereinte liberale, nationale und soziale Positionen, grenzte sich aber von der Annexionspolitik der früheren Nationalliberalen ab. An der Person von Gustav Stresemann scheiterte daher die Schaffung einer einheitlichen liberalen Partei zu Beginn der Weimarer Zeit.

Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten wurde die DStP am 28. Juni 1933 aufgelöst.

Im Jahr 2004 wurde eine neue Partei gegründet, die den Namen Deutsche Demokratische Partei annahm und sich dabei auf die Partei der Weimarerer Republik berief. Sie nahm bisher nicht an Wahlen teil.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte der DDP und DStP

Die 1910 aus der Freisinnigen Volkspartei, der Freisinnigen Vereinigung und der Deutschen Volkspartei (DtVP) des Kaiserreichs hervorgegangene eher linksliberale Fortschrittliche Volkspartei und der vergleichsweise kleine „linke“ Flügel der vormaligen Nationalliberalen Partei des Kaiserreichs gingen in der neuen Partei auf. Das Programm der DDP war eine Synthese aus liberalem und sozialem Gedankengut, wie sie bereits Friedrich Naumann in der Vorkriegszeit versucht hatte.

Anhänger und Mitglieder der Partei rekrutierten sich vor allem aus den freien Berufen, Lehrern und Hochschullehrern, also aus dem Bildungsbürgertum. Weiter wurde sie getragen von leitenden Angestellten und Beamten, von vorwiegend der Chemie- und der Elektroindustrie zugehörigen Industriellen, von Mittelständlern sowie von liberalen Juden.

Neben der DDP gab es die rechtere und republikfeindliche Deutsche Volkspartei (DVP) – allerdings versöhnte der realpolitische Kurs Gustav Stresemanns, des späteren von der DVP gestellten Außenministers, diese Partei bis zu seinem Tod 1929 mit der Demokratie zeitweilig. In der DVP waren eher die Besitzbürger organisiert. Mit der Deutschen Volkspartei (DVP) nicht zu verwechseln ist der württembergische Landesverband der DDP, die Demokratische Volkspartei, die sich ebenfalls mit DVP abkürzt.

Prominente Mitglieder der DDP waren Außenminister Walther Rathenau, der erste Parteivorsitzende Friedrich Naumann, Theodor Heuss, Thomas Dehler, Thomas Mann, Wilhelm Külz, der Publizist Theodor Wolff, der Friedensnobelpreisträger Ludwig Quidde, der Pazifist Hellmut von Gerlach, Eduard Hamm, der Vater der Weimarer Verfassung Hugo Preuß, der Gewerkschaftsführer Anton Erkelenz, Reichsjustizminister Erich Koch-Weser, der langjährige Hamburger Bürgermeister Carl Petersen, der Reichstagsabgeordnete und spätere Bundesminister Ernst Lemmer, der spätere erste Ministerpräsident von Baden-Württemberg, Reinhold Maier, der Reichsbankpräsident Hjalmar Schacht, sowie kurzzeitig der Soziologe Max Weber. Die DDP bot vielen frauenpolitisch aktiven Frauen der Weimarer Republik eine Heimat. Zu nennen wären unter anderem Gertrud Bäumer sowie Marie Elisabeth Lüders, die spätere Alterspräsidentin des Deutschen Bundestages.

Die DDP war neben der SPD eine der entschiedensten Befürworterinnen der Weimarer Republik. Hochburgen der Partei fanden sich in Berlin, Potsdam, Schleswig-Holstein, Württemberg, dem Bereich Weser-Ems und ganz besonders in Hamburg, wo der zeitweilige Parteivorsitzende Carl Petersen Erster Bürgermeister und damit Regierungschef war.

Bei den ersten reichsweiten Wahlen der noch jungen Republik zur Nationalversammlung erreichte die DDP 18 Prozent und bildete 1919/20 mit SPD und Zentrum die Weimarer Koalition als erste Regierung der Weimarer Republik. Trotz ihrer stetig schwindenden Größe hatte die DDP in den ersten Jahren der Republik eine wichtige politische Bedeutung. Zum einen half sie durch ihre Mittelposition zwischen SPD und Zentrum die Weimarer Koalition in Deutschland und insbesondere in Preußen zu stabilisieren. Als Beispiel kann hier der Staatssekretär im preußischen Innenministerium Dr. Wilhelm Abegg gelten, der die preußische Polizei neu organisierte und modernisierte. Zum anderen bildeten die Mitglieder der DDP ein bedeutendes Personalreservoir für hohe Positionen in der öffentlichen Verwaltung. Keine andere Partei konnte in diesem Maße Beamte zur Verfügung stellen, die sowohl die fachliche Ausbildung besaßen als auch dem demokratischen System der Weimarer Republik loyal gegenüber standen, was bei den meisten aus der Monarchie übernommenen monarchistisch und antidemokratisch gesinnten Beamten zu dieser Zeit nicht der Fall war.

Schon ab 1920 verlor die DDP in großem Maße Stimmen an DVP, DNVP und Interessenparteien. Damit einher ging gleichzeitig ein Verlust an Mitgliedern, Finanzen und Publikationsorganen. Bedeutende Zeitungen wie die Vossische Zeitung oder die Frankfurter Zeitung waren zwar DDP-nah, die Partei konnte aber nie ein wichtiges eigenes Parteiblatt wie den Vorwärts (SPD) oder später den Völkischen Beobachter (NSDAP) etablieren. In der Öffentlichkeit herrschte zum Teil die – faktisch falsche – Einschätzung, die DDP sei die Partei des Hochkapitals. In den späteren Jahren nutzte die NSDAP dies weidlich aus, um die DDP als die Judenpartei zu diffamieren.

1930 vereinigte sich die DDP mit der Volksnationalen Reichsvereinigung Artur Mahrauns („Jungdeutscher Orden“) zur Deutschen Staatspartei, was im Vorfeld mit heftigen innerparteilichen Konflikten einher gegangen war. Nach dieser Fusion zur DStP trat nahezu der gesamte linke Flügel, darunter auch Ludwig Quidde und Hellmut von Gerlach, aus der Partei aus, und gründete noch 1930, sozusagen gegen Ende der zu der Zeit faktisch schon gescheiterten Demokratie der Weimarer Republik die weitgehend politisch erfolglose Radikaldemokratische Partei.

Das im August 1930 veröffentlichte politische Manifest der DStP hatte so gut wie keine Berührungspunkte mehr mit dem Programm der inzwischen ganz aufgelösten DDP.

Bis 1932 war die DStP an der Mehrzahl der Reichsregierungen beteiligt, erreichte aber bei den Wahlen dieses Jahres nur noch etwa ein Prozent und sank zur Bedeutungslosigkeit herab. Ihre fünf Sitze im Reichstag aufgrund der Wahlen vom 5. März 1933 erhielt die DStP aufgrund einer Listenverbindung mit der SPD. [1] Die fünf Abgeordneten der Partei stimmten für das Ermächtigungsgesetz, das den Reichstag faktisch entmachtete. [1] Ihr Ja zum Ermächtigungsgesetz wurde von dem Abgeordneten Dr. Reinhold Maier begründet. Der Text seiner Rede ist im Protokoll der Reichstagssitzung vom 23.März 1933 nachzulesen (S.38) Der Schlußsatz seiner Rede lautete: Im Interesse von Volk und Vaterland und in der Erwartung einer gesetzmäßigen Entwicklung werden wir unsere ernsten Bedenken zurückstellen und dem Ermächtigungsgesetz zustimmen. [1]

Die Mandate der Reichstagsabgeordneten der DStP erloschen im Juli 1933 aufgrund der Vorschriften der Verordnung zur Sicherung der Staatsführung vom 7. Juli 1933 [1].

Die von den Nationalsozialisten erzwungene freiwillige Auflösung der DStP erfolgte am 28. Juni 1933. Einzelne Mitglieder der DStP beteiligten sich am antifaschistischen Widerstand. Die einzige linksliberale Widerstandsgruppe, die Robinsohn-Strassmann-Gruppe, bestand im wesentlichen aus ehemaligen DDP/DStP-Mitgliedern. Viele ehemalige Mitglieder der DDP bzw. der Radikaldemokratischen Partei sahen sich wegen ihrer antifaschistischen Haltung oder ihrer pazifistischen Einstellung auch zur Flucht ins Exil gezwungen, unter ihnen beispielsweise Ludwig Quidde oder Wilhelm Abegg.

Frühere Mitglieder der DDP waren nach dem Zweiten Weltkrieg maßgeblich an der Gründung der FDP bzw. LDPD beteiligt (z. B. Theodor Heuss, Thomas Dehler oder Reinhold Maier) andere gingen zur CDU (unter anderem Ernst Lemmer und August Bach) oder SPD (unter anderem Erich Lüth), vereinzelte auch zur KPD.

Die seinerzeit DDP-nahe Jugendorganisation Jungdemokraten besteht, nach wechselvoller Geschichte, heute noch.

Wahlergebnisse der DDP beziehungsweise (ab 1930) der DStP

Reichstagswahlen einschließlich der Wahl
zur Verfassunggebenden Nationalversammlung (1919)
19. Januar 1919 18,5 % 75 Sitze
6. Juni 1920 8,3 % 39 Sitze
4. Mai 1924 5,7 % 28 Sitze
7. Dezember 1924 6,3 % 32 Sitze
20. Mai 1928 4,9 % 25 Sitze
14. September 1930 3,8 % 20 Sitze
31. Juli 1932 1,0 % 4 Sitze
6. November 1932 1,0 % 2 Sitze
5. März 1933 0,9 % 5 Sitze
Landtagswahlen in Preußen 1919 bis 1933
1919 16,2 % 65 Sitze
1921 5,9 % 26 Sitze
1924 5,9 % 27 Sitze
1928 4,4 % 21 Sitze
1932 1,5 % 2 Sitze
1933 0,7 % 3 Sitze


Literatur

  • J. C. Hess: Das ganze Deutschland soll es sein. Demokratischer Nationalismus in der Weimarer Republik am Beispiel der Deutschen Demokratischen Partei, Stuttgart 1978.
  • Werner Schneider, Die Deutsche Demokratische Partei in der Weimarer Republik 1924–1930, München 1978.
  • Joachim Stang, Die Deutsche Demokratische Partei in Preußen 1918–1933 (= Beiträge zur Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien, Bd. 101), Düsseldorf 1994.
  • K. Wegner (Bearb.): Linksliberalismus in der Weimarer Republik. Die Führungsgremien der Deutschen Demokratischen Partei und der Deutschen Staatspartei 1918–1933, Düsseldorf 1980 (Quellen zur Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien 3]
  • Werner Stephan: Aufstieg und Verfall des Linksliberalismus 1918 bis 1933. Die Geschichte der Deutschen Demokratischen Partei. Göttingen 1973.

Fußnoten


Weblinks

Siehe auch

Bürgerblock-Regierung

[[Hilfe:Cache|Fehler beim Thumbnail-Erstellen]]: convert: unable to open image `/var/www/fotonexus/w/images/c/ca/Wikipedia_lexikon3e.jpg': No such file or directory.
Dieses Dokument entstammt in seiner ersten oder einer späteren Version der deutschsprachigen Wikipedia. Es ist dort zu finden unter dem Stichwort Deutsche_Demokratische_Partei, die Liste der bisherigen Autoren befindet sich in der Versionsliste; die Originalfassung kann dort auch bearbeitet werden. Alle Texte der Wikipedia und ihre Derivate stehen unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation.
Persönliche Werkzeuge