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Anamorphotisches Verfahren

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Das anamorphotische Verfahren ist eine Art der Aufzeichnung von (Kino-)Filmen (Laufbildwerken) mit speziell konstruierten Kameralinsen. Am bekanntesten ist das Verfahren in der Version CinemaScope (Kurzform im Kinojargon: „CS“ oder „Scope“) geworden. Es gibt jedoch auch weitere Verfahren, die anamorphotische Linsen verwenden.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

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Das CinemaScope-Verfahren basiert auf dem Anamorphoskop von Professor Henri Chrétien, bereits 1927 entwickelt, das 1952 von der 20th Century Fox Film Corporation erworben worden war. Das Anamorphoskop ist wiederum eine Weiterentwicklung des Hypergonars von Chrétien (1951). Das Grundprinzip der Linsenkonstruktion bewirkt, dass bei der Aufnahme des Bildes dieses in der Breite gestaucht wird, die Höhe aber gleich bleibt. Bei der Projektion erhält der Filmprojektor eine um 90 Grad gedrehte Linse, die das Bild in der Breite wieder auseinander zieht. Die Höhe der Abbildung bleibt dabei unverändert.

Der monumentale Bibelfilm The Robe wurde am 16. September 1953 in New York uraufgeführt. Er wurde beworben als Film, „den man plastisch ohne Brille“ sehen kann. Da seit der zweiten Hälfte der vierziger Jahre die 3D-Filme einen großen Zuspruch im Kino erhielten, das Verfahren durch Tragen einer Brille jedoch sehr unbequem und zudem sehr kostspielig war, versuchte man es zuerst mit einer zwar nicht dreidimensionalen Projektion, aber einer gebogenen Leinwand und einem breiteren Seitenverhältnis, (CINERAMA), wobei der falsche Werbespruch, es handele sich um ein neues 3-D-Verfahren, zuerst auftauchte), und als das immer noch zu teuer war, besann man sich bei Centfox auf das von Chrétien erfundene anamorphotische Verfahren, führte es unter der Marke CinemaScope ein und suggerierte dem Zuschauer mit diesem Slogan wie schon bei CINERAMA wieder, dass er bei CinemaScope einen 3-D-Film sehen würde, was natürlich nicht der Fall war. Da ein CinemaScope-Film nur aus einem Bild besteht (auch wenn es ziemlich breit ist), ist er vollkommen „flach“. Der erste echte 3-D-Film in CinemaScope war (Der Schatz der Balearen).

Der erste im CinemaScope-Verfahren gedrehte Zeichentrickfilm war die Walt-Disney-Produktion Die Musikstunde (Toot, Whistle, Plunk and Boom), uraufgeführt am 1. November 1953.

CinemaScope wurde zur günstigen Ausgabe von Breitwanddarbietung und HiFi-Mehrkanalton mit Normalfilm gegenüber dem teureren Todd-A.-O.-Verfahren mit Breitfilm.

Funktionsweise

Bild:Anamorphic lens illustration with stretching.jpg
Ausnutzung des Filmmaterials durch Cinemascope
Bild:Cinemascope-Projektion.jpg
So sieht das obige Bildbeispiel bei korrekter Projektion auf der Leinwand aus

Während beim Breitwand-Verfahren (Seitenverhältnis 1:1,66, 1:1,75 bzw. 1:1,85) auf 35-mm-Film in dem Verhältnis aufgezeichnet wird, in dem auch die Projektion auf die Leinwand erfolgt, also das Verhältnis von Höhe zu Breite des aufgezeichneten Bildes genau der Wirklichkeit entspricht, wird durch die Wirkungsweise der Linsen beim CinemaScope-Verfahren mit Lichtton das Seitenverhältnis von 1:2,35 hergestellt. Beim ehemaligen Vierkanal-Magnetton-CinemaScope (COMMAG) beträgt das Seitenverhältnis 1:2,55.

Die vertikale Achse bleibt unverändert, nur die horizontale wird scheinbar – um den Faktor Zwei – „auseinandergezogen“, auf dem Filmstreifen erscheint also alles horizontal „gestaucht“ (siehe oberes Bildbeispiel). Durch diese Technik wird die Bildfläche des Filmstreifens maximal ausgenutzt und es bleibt nicht – wie bei der herkömmlichen Bildaufzeichnung – ein Teil des Filmmaterials ungenutzt.

Um aus diesem verzerrten Bild nun wieder ein ansehnliches Bild auf der Leinwand zu erzeugen, wird dem Objektiv am Projektor ein so genannter Anamorphot vorgeschaltet. Dieser besteht aus zylindrisch geschliffenen Linsen, die den Effekt haben, dass das Bild in der Horizontalachse um das Zweifache wieder in die Breite gezogen wird.

Der Vorteil des CinemaScope-Verfahrens ist, dass mit kostengünstigem Standardmaterial (35mm-Film) ein Bild projiziert werden kann, das dem breiten menschlichen Gesichtsfeld entspricht. Alternativen zu CinemaScope, zum Beispiel 70-mm-Film (Bildseitenverhältnis 1:2,2) und das ursprüngliche CINERAMA, weisen demgegenüber deutlich höhere Materialkosten auf und erfordern zudem spezielle Projektoren.

Ein weiterer Vorteil besteht darin, dass das Licht der Projektorlampe besser genutzt wird. Kinoprojektoren sind mit rotationssymmetrischen Ellipsoidspiegeln ausgestattet, die somit auch eine kreisförmige Fläche am Filmfenster ausleuchten. Optimale Ausnutzung des Lichtes würde man also bei einem quadratischen Bild auf dem Filmstreifen erhalten. Dem kommt das CinemaScope-Format nahe. Quadratische Bildfenster verlangte das Verfahren Superscope.

Der Vorteil des Verfahrens ist zugleich aber auch ein Nachteil. Da das Bild gestaucht wird, wird es verzerrt und muss bei der Projektion wieder entzerrt werden. Bei mangelhafter Justierung der Aufnahme- oder Wiedergabeobjektive können so Darstellungsfehler entstehen. Auch mussten neue Filmleinwände für die CS-Projektion aufgestellt werden.

Weitere Verfahren

Da das Prinzip des anamorphotischen Bildes nicht patentierbar ist – es besteht nämlich schon seit Jahrhunderten und ist bekannt aus der anamorphen Malerei im Tonnengewölbe – entwickelten nach 20th-Century Fox weitere Firmen eigene Breitwandverfahren, die auch anamorphotische Linsen verwendeten. Dazu gehören:

Die Breitwandverfahren CINERAMA und Cinemiracle waren mit ihrem Eindruck und in der Bildqualität den anamorphotisch aufgezeichneten Bildern überlegen, da sie unverzerrte Bilder aufzeichneten, allerdings aufwändig mit drei synchron laufenden Kameras. Bei der Projektion mussten somit auch drei Projektoren synchron drei Positive wiedergeben. Dieses war auf die Dauer zu kompliziert, sodass sich die anamorphotischen Verfahren durchsetzten.

Literatur

  • CinemaScope. Die dritte Revolution auf dem Gebiete des Films. Alles Wissenswerte über das neue Verfahren zur Aufnahme und Wiedergabe plastischer Filme. Herausgegeben von der Zentral-Presse- und Werbe-Abteilung der Centfox-Film-Inc., Frankfurt/Main, Kirchnerstraße 2 (sic). Undatiert; 1953, broch., 32 S. ohne Einband
  • CinemaScope. Der Farbfilm auf Großraumbild mit plastischer Wirkung – ohne den Gebrauch von Brillen. Hg. Z. P.- u. W.-A. Centfox, Undatiert; 1953, broch., 24 S.

Weblinks

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