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Castel del Monte
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Das Castel del Monte (ursprünglich: castrum Sancta Maria de Monte) ist das wohl bekannteste Bauwerk aus der Zeit des Hohenstaufer-Kaisers Friedrich II. in Apulien im Südosten Italiens. Das Schloss wurde von 1240 bis um 1250 errichtet, wahrscheinlich aber nie ganz vollendet. Insbesondere der Innenausbau scheint nicht beendet worden zu sein. Von dem an dieser Stelle zuvor bestehenden Kloster S. Maria de Monte ist kein baulicher Rest erhalten, seine Form ist unbekannt.
Castel del Monte liegt 16 km von Andria entfernt, einem Ort in der "Terra di Bari". Seine Bedeutung erhält das Bauwerk vor allem durch seine ideale Grundrissgestalt als Achteck. An den Ecken des oktogonalen Baus stehen Türme mit ebenfalls achteckigem Grundriss. Das Hauptachteck ist 25 m hoch, die Türme 26 m. Die Länge der Seiten des Hauptachtecks beträgt 16,50 m, die der Türme je 3,10 m. Eine Besonderheit ist, dass je zwei Seiten eines Turms mit den Seiten des Hauptachtecks zusammenfallen. Der Haupteingang ist nach Osten ausgerichtet.
Bild:Casteldelmontelrtp.jpg Castel del Monte. |
Inhaltsverzeichnis |
Die verschiedenen Deutungen zur Funktion und Form des Castel
Die Festung ist immer noch von weitem sichtbar, sie liegt auf einer Hügelspitze mitten in der kargen Landschaft. Das Castel del Monte wird häufig als das Jagdschloss, der Wehrbau und der Lieblingssitz Friedrichs II. bezeichnet. Doch so einfach ist die Sache nicht. Dieser Bau birgt einige Geheimnisse und Ungereimtheiten, die zum Teil erst in der neueren Literatur thematisiert werden. Schon seine Datierung ist nicht genau erwiesen. Gesichert ist, dass er in der ersten Hälfte des 13. Jhs. erbaut wurde[1].
Seine einzigartige Form hat kein eindeutig erweisbares Vorbild und keinen Nachfolger gefunden. Harald Keller erwähnt allerdings einen möglichen Vorgänger (Keller, Harald: Die Kunstlandschaften Italiens [1960]. Frankfurt a.M. 1983, S. 614): Ein genaues Vorbild für die Gesamtanlage hat sich in dem Kastell von Khan-i-Khurra bei Dehbid in Persien nachweisen lassen[1] und einen gleichzeitigen Bau in Erkilet in Zentralanatolien (1241 datiert), offenbar ein straßensperriges Kastell, hat man kürzlich entdeckt[1].
Angeblich soll Friedrich II. selber an der Planung beteiligt gewesen sein. Ursprünglich hat das Kastell nach der nahen, aber damals schon verlassenen Kirche einer Nonnenabtei „Santa Maria del Monte“ geheißen und wurde als solches in einem Mandat des Kaisers erwähnt, dem einzigen kaiserlichen Dokument, das sich mit dem Bau von Castel del Monte befasst. Dieses Kastell ist die reifste Schöpfung der staufischen Pfalzenbaukunst und eines der bedeutendsten mittelalterlichen Architekturdenkmäler überhaupt.
Dieses Bauwerk ist voll von Symbolismen, aber alles andere als eindeutig. Castel del Monte sieht nicht nur aus wie eine Krone, es ist bewusst als Abbild der Kaiserkrone gedacht, die ebenfalls oktogonal ist. Acht Ecken hat auch die Pfalzkapelle in Aachen, wo Friedrich gekrönt wurde, acht Ecken hat der Barbarossaleuchter in dieser Kapelle, auch die Barbarossapfalz von Hagenau, sein Lieblingsaufenthalt in Deutschland, die selber eine Nachbildung der Pfalzkapelle Aachen ist.
Man kann beides auch ansehen als eine Abwandlung des arabischen Baumusters in Achteck-Formen und Acht-Teilungen[1]. Es gibt also eine starke Beziehung dieses weit abgelegenen apulischen Bauwerkes zur deutschen Kunst. Dann ist eine neuere komplizierte Theorie aufgestellt worden, nach der das Castel del Monte in Abhängigkeit bestimmter Sternkonstellationen errichtet wurde, so dass zu bestimmten Zeiten des Jahres ganz bestimmte Licht- und Schattensituationen auftreten, die das Kastell zu einem überdimensionierten Himmelskalender machen.
1991 stand im Spiegel ein Artikel, der noch eine weitere Theorie zweier italienischer Forscher aus Bari erläuterte, die sogar eine Beziehung zwischen dem Kastell und der Cheops-Pyramide in Gizeh in Ägypten herstellen wollte. „In der geometrischen Formelsprache von Castel del Monte soll nämlich Friedrich II. allerlei Hinweise auf andere ihm wichtige Orte und Bauwerke versteckt haben: auf Chartres und die Kathedrale Notre-Dame, auf Jerusalem und den Felsendom. Vor allem aber wollen die Forscher im Grundriss versteckt auch ein Abbild der Cheops-Pyramide erkannt haben - samt Angaben über die Lage jener verborgenen Kammer des Pharaos, die bisher noch niemand gefunden hat.“[1] Nach dieser Theorie, die mit unzähligen Zahlensymbolen arbeitet, soll irgendwann die Pyramide in Gizeh neu erforscht werden, wenn die ägyptischen Behörden das zulassen. Auch bei dieser Behauptung wird im Wesentlichen mit Beziehungen der Architektur zur Astrologie gearbeitet, die sowohl für Castel del Monte als auch für die Cheops-Pyramide gelten sollen. Friedrich II. kannte erwiesenermaßen solche Verhältnisse. Die Berechnungen der italienischen Wissenschaftler weisen darauf hin, „dass als Maßeinheit für die Burg die sakrale ägyptische Elle verwendet wurde. Und so kommt es, dass der Umkreis von Castel del Monte ziemlich genau der Seitenlänge der Cheops-Pyramide entspricht: 232,92 Meter.“
Der Bau war nicht umsonst auf eine Anhöhe gelegt worden, so dass man sich ihm immer in Untersicht näherte. Dadurch erschien die Höhendimension größer, als sie in Wahrheit war. Aus großer Entfernung sieht das Kastell wie ein Rechteck aus. In dem Film „Der Name der Rose“ ist nach dem Vorbild des Castel del Monte in noch gesteigerter Höhe das geheimnisvolle Ädificium gebaut worden, das die Bibliothek enthält, um die sich die ganze Handlung des Romans von Umberto Eco dreht.
Durch die Lage des Kastells wollte Friedrich sicher Bewunderung, aber auch Unterwerfung erzwingen. Außerdem haben militärstrategische Untersuchungen in den 60er Jahren ergeben, dass man hier nicht nur gut gesehen wurde, sondern auch selber gut sehen konnte. Hier lag ein für die Flächenbeherrschung des Gebietes neuralgischer Punkt, von dem aus zugleich die Koordination der anderen militärischen Außenposten erfolgen konnte. Offensichtlich kommen in dieser Festung also mehrere Aspekte zusammen. Warum war eine solche militär-strategische Lage notwendig? Nun - Friedrich II. war ein ungewöhnlicher Herrscher und er hatte Feinde, besonders in der Kirche. 1231, nach der erfolgreichen Rückkehr aus Jerusalem, errichtete er in Unteritalien den ersten modernen Einheitsstaat mit besoldeten Beamten anstelle des Lehnssystems. Damit gewann er starken Einfluss auf die Struktur der werdenden Nationalstaaten des ganzen europäischen Westens.
Gegen die Lokalfürsten von Apulien war Friedrich II. mit Konsequenz vorgegangen und hatte ihre Macht deutlich reduziert, musste daher ständig auf Gegenanschläge gefasst sein, - daher u. a. der Wehrcharakter des Kastells. Aber es war entgegen früheren Ansichten kein Wehrbau. Gegen eine längere Belagerung wäre er schutzlos gewesen. Das Material des Mauermantels ist braungelber oder grauweißer Kalkstein. Die Räume sind in zwei Geschossen um einen achtseitigen Innenhof angeordnet. Die äußeren Ecken des Oktogons sind wiederum mit acht Türmen besetzt, die jeweils mit zwei Seiten in die Mauer eingebunden sind, so dass sechs Seiten freiliegen. Sie enthalten nicht alle Wendeltreppen, sondern in ihnen sind Räume verschiedener Zweckbestimmung, u. a. Bäder und Toiletten untergebracht. Das Material des Eingangsportals und einiger ausgewählter Dekorationssäulen ist Breccia rossa, direkt übersetzt „roter Stein“.
Das Eingangsportal
Dem Eingangsportal hat der Bauherr besondere Aufmerksamkeit gewidmet, wie auch in seinen anderen Bauten. Hier wird gleichsam der Herrschaftsanspruch des Kaisers jedem Besucher direkt am Eingang mitgeteilt. Das sieht im einzelnen so aus: Die schon von weitem sichtbare plastische Rahmung des Portals, also die Pilasterrahmung, der Architrav dazwischen und der Flachgiebel vertreten die Antike, die Kapitelle kommen aus der Zisterziensergotik und die flache Rechteckumfassung des oberen Portalbereiches kommen aus der islamischen Architektur. Auch der farbige Prunk des Portals mutet fast orientalisch an. Die Löwen auf den Säulen gehören zur apulischen Romanik. All das wird hier in der Portalarchitektur in eine neue Einheit gebracht, genauso wie Friedrich II. selber von Anfang an das umfassende Imperium unter seiner Herrschaft in neuem Glanz vereinen wollte.
Es gibt einen schmalen Schlitz im Mauerwerk zwischen der äußeren Schale und der dadurch entstehenden inneren Portalzone. Hier konnte früher ein Fallgitter herabgelassen werden, um unerwünschten Besuch abzuhalten. Solche Sicherungsmaßnahmen gegen Feinde bestimmen auch die Struktur des Gangsystems im Innern der Burg, zumindest einer älteren Theorie zu Folge.
Der Innenhof
Der Innenhof ist natürlich ebenfalls oktogonal. Die Zahl Acht ist in mehrfacher Hinsicht symbolisch bedeutsam. Die Zahl Acht verweist einerseits auf das morgenländische Urbild des achtstrahligen Sternes und symbolisiert damit die Idee des Kaisertums.
Das Achteck vermittelt außerdem zwischen dem Quadrat und dem Kreis als den Symbolen der Materie und des Geistes, zwischen Diesseits und Jenseits. Daneben verweist die Zahl Acht darauf, dass nach den sieben Schöpfungstagen der 8. Tag der Tag der Neuschöpfung durch die Auferstehung ist, Acht also der Wiederkunft Christi entspricht, mit dem sich der Kaiser in seiner Architektur und deren Zahlensymbolik hier bewusst in Verbindung brachte.
Friedrich II. führte einen sehr luxuriösen Lebensstil und sammelte einige der führenden Geister um sich, nach der älteren Literatur auch in Castel del Monte, wo er bei festlichen Gelegenheiten eine Zeltstadt um die Burg herum errichten ließ. Das ließ diese Burg schon zu Friedrichs Lebzeiten in den Erzählungen der Ritter und Fahrensleute in einem sagenhaften Licht erscheinen.
Dieser Theorie stehen aber andere Überlegungen entgegen, die die Forschung schon seit längerem irritieren. Im Itinerar von Friedrich II. ist erstaunlicherweise kein einziger Aufenthalt in Castel del Monte nachgewiesen und auch kein anderes Dokument verweist auf einen solchen.
Zu diesem Tatbestand haben sich natürlich diverse Theorien geäußert. Vielleicht war die Festung zu seinen Lebzeiten nicht fertig geworden? Vielleicht diente sie gar nicht als Aufenthaltsschloss, sondern anderen, geheimnisvollen Zwecken, deren Klärung noch bevorsteht? In solchen Fällen melden sich natürlich die dunklen Deuter aus allen Ecken der Welt zu Wort. Wir kennen das von den ägyptischen Pyramiden her ja besonders gut, die sogar als Beweismittel für die angebliche Existenz außerirdischer Wesen herangezogen wurden.
Der letzte Forschungsstand[1] sieht die Dinge etwas anders, u.a. der Italiener De Tommasi, der seit 1972 die Restaurationsarbeiten leitet. Demnach war Castel del Monte durchaus „bewohnbar, allerdings nur für befristete Zeiträume und eine zahlenmäßig sehr beschränkte Gruppe. Dieser bot das Kastell allerdings größten Luxus und alle erdenkliche Bequemlichkeit.“
Das „Castel“ war kein Kastell im eigentlichen Sinn. Es fehlen trotz einiger militärischer Aspekte die typischen und zur Verteidigung unverzichtbaren Einrichtungen wie Wassergraben, Zugbrücke usw. Und ein reiner Wehrbau hätte wohl in seiner Lage auch keine Rücksicht auf die Gestirne genommen, wie es Castel del Monte tut. Das Bauwerk ist kein Zweckbau, sondern Träger eines hohen, vielschichtigen Bedeutungsgehaltes.
Friedrich II. hat es in dieser Form und an dieser Stelle als deutlichen, repräsentativen Ausdruck seiner neuen Kaiseridee gemeint. In gewissem Sinne erinnert dieses ganze Vorhaben an die Bauten des Bayernkönigs Ludwig II. im 19. Jh., der seine Königsschlösser in Neuschwanstein und Herrenchiemsee auch in erster Linie als architektonische Symbole seiner königlichen Herrschaft sah und kaum in ihnen wohnte.
Zur Architektur
Castel del Monte wird von einem äußerst raffinierten Gangsystem durchzogen. Man konnte durchaus nicht von jedem Eingang aus in jedes Zimmer gelangen und schon gar nicht in den Thronsaal des Kaisers. Früher glaubte man, dass der Kaiser Grund hatte, vor Attentaten auf der Hut zu sein und dass er sich in seinem angeblichen „Jagdschloss“ dadurch sicherte, dass jeder, der ihn in seinen Räumen aufsuchen wollte, nicht anders konnte, als nacheinander eine festgelegte Reihe von anderen Räumen vorher zu passieren, in denen man ihn auf Waffen etc. untersuchen konnte.
Und auch der Besucher muss heute diesen festgelegten Weg gehen. De Tommasi, der Chefrestaurator, weist aber darauf hin, dass die verschiedenen Räume einfach verschiedene Funktionen hatten und der Gesichtspunkt der sozialen Rangfolge hier eine Rolle spielte und nicht die unbeweisbare Phantasie eines angeblichen Labyrinths zum Schutz des Königs.
Nicht alle Räume sind direkt miteinander verbunden. Zweimal muss man im Untergeschoß in den Innenhof treten, um von dort aus in den nächsten Raum zu gelangen, d. h. Beobachter in den oberen Geschossen konnten durch einen Blick in den Innenhof genau erkennen, wer in die oberen Gemächer wollte.
In den Türmen gingen die Gänge in Wendeltreppen über, die sorgfältig und nur aus Stein gemacht waren. In anderen Pfalzanlagen und auch in den Treppentürmen der Kirchen hatte man in solchen Fällen natürlich Holz verwandt. Oben war der Turm mit einem kleinen Kreuzrippengewölbe abgeschlossen, dessen Kragsteine die Form von Köpfen hatten. Es handelt sich also um ein in allen Einzelheiten genau durchdachtes und in mancher Hinsicht bis heute zu geheimnisvolles Bauwerk.
Über die Funktion der Burg ist immer gerätselt worden, wobei die achteckige Grundrissfigur auch phantastische Gedanken beflügelte. Die eher sachlichen Deutungen reichen von einem Jagdschloss bis hin zu einem Gebäude zur Aufbewahrung des Staatsschatzes. Möglicherweise sollte es als Steinerne Krone Apuliens die Macht Friedrichs des II. symbolisieren. Wahrscheinlich waren die Türme früher höher und ließen den Eindruck eines gekrönten Berges deutlicher hervortreten als heute (siehe 130pxPhotomontage). 1876 wurde das Castel vom italienischen Staat für 25.000 Lire erworben und restauriert. Moderne Vermessungen unter Wulf Schirmer 1990-1996 haben eine Basis für eine nüchterne Beschäftigung mit dem Castel del Monte geschaffen.
Das Castel del Monte ist seit 1996 UNESCO-Weltkulturerbe und seit 2001 auf der Rückseite der italienischen 1-Cent-Münze abgebildet.
Koordinaten: 41° 5′ 3" n. Br., 16° 16′ 17" ö. L.
Literatur
- Heinz Götze, Castel del Monte. Gestalt und Symbol der Architektur Friedrichs II., München 1984 und 1991
- Legler, Rolf: Apulien. Köln [1987] 3. Auflage 1989. (DuMont Kunst-Reiseführer)
- Wulf Schirmer, Castel del Monte. Forschungsergebnisse der Jahre 1990 bis 1996. Mainz 2000
- Birgit Wagner, Die Bauten des Stauferkaisers Friedrichs II. - Monumente des Heiligen Römischen Reiches, Würzburg 2003
Ferdinand Gregorovius, Wanderjahre in Italien: Castel del Monte - Schloss der Hohenstaufen in Apulien (Projekt Gutenberg)
Fußnoten
Siehe auch
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Weblinks
- http://www.stupormundi.it/tedesco/casteldelmonte.html
- http://www.inmedia.it/Puglia/de/virtual/03/vt14.htm
- http://www.castel-del-monte.de/reisebericht.htm
- Ferdinand Gregorovius Wanderjahre in Italien: Castel del Monte - Schloss der Hohenstaufen in Apulien (Projekt Gutenberg)
- http://www.schaetze-der-welt.de/denkmal.php?id=183
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