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Cap Arcona

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Bild:Disambig-dark.svg Dieser Artikel behandelt das Schiff Cap Arcona. Für die Steilküste im Norden der Insel Rügen, siehe Kap Arkona.
Cap Arcona
Bild:Cap Arcona 10.86422E 54.04183N.jpg

Lübecker Bucht drei Kilometer vor Neustadt (links oben): Versenkungsort der Cap Arcona[1]

Schiffsdaten
SchiffstypDampfschiff
SchiffsklassePassagierschiff
Kiellegung:1926
Stapellauf (Schiffstaufe): 14. Mai 1927
Indienststellung:29. Oktober 1927
Werft:Blohm + Voss
Baunummer:476
Passagierzahl:1315
Besatzung:475
Reederei: Hamburg-Südamerikanische Dampfschiffahrtsgesellschaft (HSDG)
Baukosten: ca. ?? Mio. Millionen RM
Technische Daten
Schiffsvermessung:27.561 BRT 15011 NRT
Wasserverdrängung:
Ladekapazität: 11500 tdw
Länge: 196,2 m (Lpp) 205,9 m (LüA)
Breite auf Spanten:25,8 m
Seitenhöhe: 12,8 m
Tiefgang: 8,7 m
Schiffsantrieb: 2 Getriebeturbinen
Anzahl der Propeller: 2, Ø ?? m
Wellenumdrehungen: ??? U/min
Leistung: 17500 kW (24.000 PS)
Anzahl der Kessel: 2 Dampfturbinen
Höchstgeschwindigkeit: 20 kn
Dienstgeschwindigkeit: 20 kn
Liniendienst: Hamburg-Buenos Aires in 15 Tagen (Etmal)
Brennstoffvorrat: max. ??? Tonnen Heizöl
Verbleib
versenkt, später abgewrackt

Die Cap Arcona war ein Luxusdampfer, der nach dem Kap Arkona auf der Insel Rügen benannt war, das Flaggschiff der Hamburg-Südamerika-Linie. Das Schiff wurde am 3. Mai 1945 kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs durch britische Flugzeuge versenkt, wobei die meisten der an Bord befindlichen ca. 4600 KZ-Häftlinge ums Leben kamen. Die Nazis hatten die KZ-Häftlinge auf das Schiff gebracht, um sie mit dem Schiff in der Ostsee zu versenken.

Inhaltsverzeichnis

Schiffsgeschichte

Schiffsgeschichte bis 1945

Die Cap Arcona lief am 14. Mai 1927 vom Stapel und galt als eines der schönsten Schiffe ihrer Zeit. Sie verließ am 19. November 1927 den Hamburger Hafen zu ihrer Jungfernfahrt nach Argentinien. Der Dampfer beförderte sowohl Luxusreisende als auch Auswanderer, vorwiegend nach Südamerika. Die Strecke Hamburg-Buenos Aires legte das Schiff in nur 15 Tagen zurück. Es wurde im Liniendienst zwischen Hamburg-Madeira-Rio de Janeiro und Buenos Aires eingesetzt. Vom November 1927 bis zum August 1939 wurden mehr als 200.000 Passagiere auf 91 durchgeführten Reisen transportiert. Ein berühmter Passagier war 1928 der Luftfahrt-Pionier Alberto Santos-Dumont. Am 25. August 1939 legte die Cap Arcona unter dem Kommando von Kommodore Richard Niejahr das letzte Mal von Südamerika kommend in Hamburg an. Am selben Tag erfuhr Niejahr durch einen verschlüsselten Funkspruch vom bevorstehenden Krieg.

Ab 1940 wurde die Cap Arcona von der deutschen Kriegsmarine verwendet und verblieb in der Ostsee. In dieser Zeit war sie auch Kulisse für eine Verfilmung des Titanic-Untergangs. Der Film entstand 1943, wurde aber nicht mehr in Deutschland gezeigt. Ab Ende 1944 wurde das Schiff zum Transport von Flüchtlingen aus Ostpreußen nach Westen eingesetzt, danach von der Kriegsmarine aufgegeben. Ab dem 14. April 1945 lag es wegen eines Maschinenschadens manövrierunfähig vor Neustadt.

Versenkung 1945

Am 26. April 1945 wurde die Cap Arcona mit Häftlingen aus dem KZ Neuengamme und den Überlebenden des Todesmarsches aus dem KZ Fürstengrube und anderen schlesischen Lagern beladen und zusammen mit zwei kleineren Schiffen, der Thielbek und der Athen, in die Lübecker Bucht gebracht. Die Absicht, Spuren der KZ-Verbrechen durch eine Versenkung der Schiffe mit den KZ-Überlebenden in der Ostsee zu vernichten, war offensichtlich, denn neben der Cap Arcona war auch die Deutschland IV manövrierunfähig.

Während die ersten Häftlinge auf der Cap Arcona ankamen, deinstallierte die SS alle Fluchtmöglichkeiten und blockierte die Rettungsboote. Das deutet zusammen mit den weiteren Maßnahmen darauf hin, dass geplant war, die Cap Arcona durch Sprengung zu versenken: Die automatischen Schotten wurden zerstört und das Schiff mit einer geringen Treibstoffmenge betankt, die als Brandbeschleuniger ausreicht.

Am Abend des 28. April 1945 wurden etwa 4600 KZ-Häftlinge an Bord gebracht und unter Deck eingeschlossen. Sie wurden von etwa 500 Mann bewacht. Für die Häftlinge gab es weder Trinkwasser noch Verpflegung. Täglich starben 15 – 30 Menschen, deren Leichen an Deck gestapelt wurden.

Am 3. Mai 1945 trieben die Cap Arcona und die Deutschland IV in der Lübecker Bucht zwischen Neustadt (Holstein) und Scharbeutz. Die Thielbek lag in Neustadt im Marinehafen, die Athen brachte Häftlinge auf die Cap Arcona. Da die Schiffe nicht als Flüchtlingsschiffe gekennzeichnet waren, wurden sie von alliierten Fliegern für Truppentransporter gehalten und in Brand geschossen.

Die Cap Arcona wurde in vier Angriffswellen von Flugzeugen der Royal Air Force versenkt. Der erste Angriff erfolgte vom 184. Geschwader, das in Hustedt (seit 1973 nördlicher Stadtteil von Celle) stationiert war, der zweite vom 198. Geschwader in Plantlünne, geführt von Oberst Johnny T. Baldwin, der dritte vom 263. Geschwader in Ahlhorn, geführt von Hauptmann Trevor Scott Rumbold und der vierte vom 194. Geschwader, ebenfalls in Ahlhorn, geführt von Hauptmann K. J. Harding.

Die Schiffe sanken alle, bis auf die Cap Arcona, die zwar kenterte, aber aufgrund der geringen Wassertiefe nicht versank. Rund 7000 bis 8000 KZ-Insassen auf der Cap Arcona und der Thielbek verbrannten oder ertranken, nur ein Teil von ihnen gelangte an den Strand, wo noch einmal ca. 400 von der SS, von örtlichen Wehrmachtsangehörigen, Hitlerjungen und in Einzelfällen sogar von Ortsansässigen getötet wurden. Nur ca. 500 Menschen konnten sich retten. Augenzeugen berichteten, dass die brennenden Schiffe bis nach Timmendorfer Strand gesehen werden konnten. Der überlebende Häftling Johann Meyer aus Höxter gab 1950 vor dem brandenburgischen Landgericht einen Augenzeugenbericht über das Ende des Konzentrationslagers Neuengamme ab, in dem er auch exakte Details über den Untergang der Cap Arcona und der Thielbeck darstellte. Da die Wassertemperatur an dem Tag nur 8 °C betrug, konnten die Häftlinge nicht an den Strand schwimmen. Nur ein Schiff, die Störtebecker, fuhr hinaus, um Häftlinge zu retten.

Die Versenkung gehört mit denen der Wilhelm Gustloff und der Goya (ebenfalls 1945 in der Ostsee) zu den drei verlustreichsten Schiffsuntergängen der Weltgeschichte. Zu den Überlebenden der Tragödie gehörten unter anderem Erwin Geschonneck, der später zu den erfolgreichsten Schauspielern in der DDR zählen sollte, und Ernst Goldenbaum, ein späterer DDR-Bauernfunktionär und -politiker.

Bild:Neustad Holstein Cap Arcona.jpg
Cap-Arcona-Denkmal auf dem Ehrenfriedhof in Neustadt/Holstein

Folgen nach 1945

Die ausgebrannten Wracks der Cap Arcona und der Deutschland lagen nach dem Krieg noch Jahre in der Lübecker Bucht. Erst ab 1950 begannen Taucher mit der Zerlegung der Schiffskörper, die Stahlteile wurden anschließend verschrottet. Da die Cap Arcona gekentert war, waren die meisten Toten noch im Schiffsinneren. Dies machte die Entsorgung der Schiffe sehr schwierig. Nur die Thielbek wurde geborgen und wieder instandgesetzt.

Ein Anstieg des Aalbestandes ab 1945 wird in direkte Verbindung mit dem Untergang der Schiffe gesetzt. Fischer zogen einige Jahre lang ungewöhnlich viele und dicke Aale aus der Ostsee, die aber keinen Absatz fanden.[2]

Bis in die späten 1960er Jahre wurden von Strandurlaubern noch Knochenteile der Opfer im Sand gefunden. Viele Leichen wurden über die Ostsee bis an die Strände der Insel Poel (Wismarer Bucht in Mecklenburg-Vorpommern) getrieben. Hier wurden die Toten auf dem nahen Inselfriedhof Kirchdorf begraben. Heute befindet sich nahe dem Strand eine kleine Gedenkstätte, die etwas über den Untergang der Schiffe informiert. Auf dem Waldfriedhof in der Gemeinde Timmendorfer Strand sind rund 800 Häftlinge beerdigt worden, und es gibt eine christliche Gedenkstätte für die Opfer. Eine weitere Gedenkstätte befindet beim schleswig-holsteinischen Haffkrug.

Bis heute wurde die Verantwortlichkeit deutscher und britischer Beteiligter an der Tragödie bei Neustadt nicht gerichtlich aufgearbeitet. Funker des Roten Kreuzes sollen noch versucht haben, vor einem Angriff zu warnen und die Engländer über den wahren Zustand des Schiffes benachrichtigt haben.

Filme

1981/82 produzierte das DDR-Fernsehen den Film Der Mann von der Cap Arcona, der die Geschichte Erwin Geschonnecks beim Untergang der Kap Arcona thematisierte.

1995 koproduzierte der Norddeutsche Rundfunk (NDR) einen dokumentarischen Film über die Geschehnisse des 3. Mai 1945 unter dem Titel „Der Fall Cap Arcona“ (Absolut Medien).

Einzelnachweise

  1. Die Cap-Arcona-Katastrophe
  2. Bogdan Suchowiak: Die Tragödie der Häftlinge von Neuengamme, Reinbek 1985, ISBN 3-49915-537-0

Weiterführende Informationen

Wikipedia

Literatur

  • Wilhelm Lange: Cap Arcona, Struves Buchdruckerei u. Verlag, 1988 Eutin, ISBN 3-92345-708-1
  • Günther Schwarberg: Angriffsziel „Cap Arcona“, Steidl Verlag, 1998 Göttingen, ISBN 3-88243-590-9
  • Claus Rothe: Deutsche Ozean-Passagierschiffe 1919–1985, VEB Verlag für Verkehrswesen Berlin 1987 transpress

Internet

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