Das Fotonexus-Wiki befindet sich im Testbetrieb.


Bukowina

Aus Fotonexus.

Wechseln zu: Navigation, Suche
Oblast Czernowitz, die Bezirke Suceava und Botoşani (grün); Ukraine (gelb); Rumänien (rot)
Oblast Czernowitz, die Bezirke Suceava und Botoşani (grün); Ukraine (gelb); Rumänien (rot)
Das Wappen von Bukowina. Es ist aus dem moldauischen Wappen entstanden
Das Wappen von Bukowina. Es ist aus dem moldauischen Wappen entstanden

Die Bukowina („Buchenland“; rum.: Bucovina; ukr.: Буковина) ist eine historische Landschaft in Südosteuropa. Die nördliche Hälfte gehört zur Ukraine und ist Teil der Oblast Czernowitz. Die südliche Hälfte gehört zu Rumänien und ist Teil der Bezirke Suceava und Botoşani. Hier liegt auch der Archipel der Moldauklöster, der zu dem Weltkulturerbe der Unesco zählt. Die Bukowina, sowie das östlich davon liegende Bessarabien, sind ein Teil der historischen Region Moldau. Nordwestlich davon liegt Galizien, im Südwesten grenzt es an Siebenbürgen.

Inhaltsverzeichnis

Geographie

Die Landschaft grenzt im Südwesten an die Karpaten, den Übergang nach Siebenbürgen bildet der aus dem Dracula-Roman bekannte Borgo-Pass. In den Karpaten entspringen die Flüsse Siret und Moldova, nach letzterem sind Landschaft und Fürstentum Moldau benannt. Im Norden geht das Land in die Ebene über und reicht bis an den Dnestr. Auch der Pruth, der östliche Grenzfluss Rumäniens, fließt durch die Bukowina.

Bevölkerung

Historische Hauptstadt ist Czernowitz. Das Herzogtum Bukowina erstreckte sich im Jahr 1900 auf 10.041 km² und hatte 730.000 Einwohner. Die Bevölkerung war sehr stark gemischt, wobei neben Ukrainern und Rumänen der Anteil der Juden vor allem im Gebiet um Czernowitz sehr bedeutend war. Der Anteil der deutschen Siedler (Buchenland- oder Bukowinadeutsche) betrug 1910 ca. 21 %.

Der Anteil der Rumänen und Ukrainer in der Bukowina hat sich im Laufe der habsburgischen Herrschaft geändert, wie die Ergebnisse folgender Volkszählungen zeigen:

Jahr Rumänen Ukrainer Andere
1774 64.000 85,33% 8.000 10,66% 3.000 4,0%
1786 91.823 67,8% 31.671 23,4% 12.000 8,8%
1848 209.293 55,4% 108.907 28,8% 59.381 15,8%
1869 207.000 40,5% 186.000 36,4% 118.364 23,1%
1880 190.005 33,4% 239.960 42,2% 138.758 24,4%
1890 208.301 32,4% 268.367 41,8% 165.827 25,8%
1900 229.018 31,4% 297.798 40,8% 203.379 27,8%
1910 273.254 34,1% 305.101 38,4% 216.574 27,2%

Geschichte

Bild:Bukovina 1910.jpg
Die Bukowina 1910 - Österreichische Provinz

Im Mittelalter war das Herzogtum Bukowina Teil des Fürstentums Moldau. 1775 kam es nach dem Frieden von Küçük Kaynarca an Österreich, das sich so für seine „Vermittlerdienste“ zwischen dem Osmanischen Reich und Russland belohnen ließ. Ursprünglich wurde es als Teil Galiziens verwaltet und erst 1849 zum selbständigen Kronland.

Deutsche Siedler und deutsch- bzw. jiddischsprachige Juden, die schon bald nach der Machtübernahme Österreichs einwanderten, trugen zur wirtschaftlichen und kulturellen Entwicklung des Landes im 19. Jahrhundert bei. Sadagora wurde in dieser Zeit zu einem Zentrum des Chassidismus. Nach 1776 und im Laufe des gesamten 19. Jahrhunderts strömten viele Ukrainer aus Galizien ein. Dennoch blieben die Rumänen die größte Bevölkerungsgruppe der Bukowina bis sie erst 1880 von den Ukrainer anteilsmäßig überschritten wurden 5:4.

Im Ersten Weltkrieg wurde die Bukowina mehrfach von Russland besetzt. Am 28. November 1918 vereinigte sich die Bukowina mit Rumänien.

1939 schloss Deutschland mit der Sowjetunion vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs den Hitler-Stalin-Pakt. In einem geheimen Zusatzprotokoll wurden die territorialen Interessenbereiche der beiden Länder in Nord-, Ost- und Südeuropa festgelegt. In diesem Zusatzprotokoll war zwar nur die Rede von Bessarabien, aber die Sowjetunion besetzte am 28. Juni 1940 neben dem Territorium Bessarabiens auch den nördlichen Teil der Bukowina. Am 5. September 1940 wurde in Moskau zwischen einer deutschen Kommission und dem Beauftragten vom Außenkommissariat der UdSSR die „Vereinbarung über die Umsiedlung der deutschstämmigen Bevölkerung aus den Gebieten Bessarabiens und der nördlichen Bukowina in das deutsche Reich“ unterzeichnet. Für die Umsiedlung wurde die Zeit vom 15. September bis 15. November vereinbart. Die Bukowinadeutschen wurden in das Deutsche Reich oder in besetzte Gebiete in Polen umgesiedelt. Zehntausende Rumänen wurden umgebracht oder nach Zentralasien deportiert. Die Grenzziehung von 1940 folgte nicht gänzlich den ethnischen Siedlungsgebieten, so dass zahlreiche Rumänen und Ukrainer auf der jeweils anderen Seite verblieben. 1941 eroberten rumänische Truppen das sowjetisch besetzte Gebiet zurück. Viele Juden wurden in den 40er Jahren ermordet (siehe Transnistria) oder vertrieben. 1944 wurde die Bukowina durch den Moskauer Vertrag nach den Grenzen von 1940 wieder geteilt. Der nördliche Teil gehört seitdem zur Ukraine, der südliche Teil zu Rumänien.

Die Geschichte der Bukowina hat Gemeinsamkeiten mit der Geschichte von Galizien, Fürstentum Moldau und Bessarabiens.

Kulturblüte und Untergang

Aus geographischen und historischen Gründen entstand in der Bukowina eine multikulturelle, deutschsprachige Literatur. Czernowitz wurde ein Zentrum intensiven Handels- und Kulturaustausches zwischen den benachbarten Ländern. Der Mittelpunkt bildete die 1875 in Czernowitz gegründete Franz-Josephs-Universität. Der berühmteste Autor der Bukowina des späten neunzehnten Jahrhunderts war Karl Emil Franzos (1848–1904), der erste Herausgeber der Gesammelten Werke Georg Büchners (1813–1837). Nach dem Ersten Weltkrieg, als die Bukowina Teil des rumänischen Königreiches wurde, sollte die deutschsprachige Kultur eine zweite, letzte Blüte unter Alfred Margul-Sperber (1898–1967), Rose Ausländer (1901–1988), Alfred Kittner (1906–1991) sowie Paul Celan (1920–1970) erleben, um nur einige wenige, klingende Namen von Lyrikern aus der Bukowina deutsch-jüdischen Ursprungs zu nennen. Auch Ninon Hesse, geb. Ausländer, die dritte Ehefrau Hermann Hesses wurde 1895 in Czernowitz geboren. Der wachsende Nationalismus setzte dem Prozess dieser jüdischen Akkulturation jedoch ein jähes Ende. Während des Zweiten Weltkriegs wurden die meisten in Vernichtungslager deportiert. Heute spricht man aus diesem Grund von der Versunkenen Literaturlandschaft der Bukowina.


Städte

Städte in der Nordbukowina (Ukraine)

Städte in der Südbukowina (Rumänien)

Siehe auch

Weiterführende Literatur

  • CORDON, C. u. H. KUSDAT (Hg.) (2002): An der Zeiten Ränder. Czernowitz und die Bukowina, Geschichte/Literatur/Verfolgung/Exil, Wien.
  • HAUSLEITNER, M. (2001): Die Rumänisierung der Bukowina. Die Durchsetzung des nationalstaatlichen Anspruchs Großrumäniens 1918-1944, München.
  • MITTELMANN, H. (1907/08 - 2001): Illustrierter Führer durch die Bukowina, Czernowitz, neu hg. von Helmut Kusdat, Wien. ISBN 3854760485
  • RYCHLO, P. (Hg.) (2004): Europa Erlesen. Czernowitz, Klagenfurt.
  • SCHARR, K. (2003): ‚Czernowitz hat Konjunktur’. Die Gegenwart der Bukowina in Literatur und Medien seit 1991. In: Österreich in Geschichte und Literatur mit Geographie 47/5, 292-310.
  • SCHARR, K. (Hg.) (2004): Die Karpaten. Balthasar Hacquet und das „vergessene“ Gebirge in Europa, Innsbruck u.a.
  • SCHARR, K. (2006): Historische Region Bukowina. Entstehen und Persistenz einer Kulturlandschaft. In: KAHL, T., M. METZELTZIN U. M. R. *UNGUREANU (Hg.), Rumänien. Raum und Bevölkerung - Geschichte und Geschichtsbilder - Kultur - Gesellschaft und Politik heute - Wirtschaft - Recht - Historische Regionen. Münster, Wien, New York. 873-891.
  • SCHEER, E. u. G. SCHMIDT (2006): Die Ukraine entdecken. Zwischen den Karpaten und dem Schwarzen Meer (=Trescher Reihe Reisen), Berlin.
  • TURCZYNSKI, E. (1993): Geschichte der Bukowina in der Neuzeit. Zur Sozial- und Kulturgeschichte einer mitteleuropäisch geprägten Landschaft (=Studien der Forschungsstelle Ostmitteleuropa an der Universität Dortmund 14), Wiesbaden.

Dokumentarfilme

Weblinks

[[Hilfe:Cache|Fehler beim Thumbnail-Erstellen]]: convert: unable to open image `/var/www/fotonexus/w/images/c/ca/Wikipedia_lexikon3e.jpg': No such file or directory.
Dieses Dokument entstammt in seiner ersten oder einer späteren Version der deutschsprachigen Wikipedia. Es ist dort zu finden unter dem Stichwort Bukowina, die Liste der bisherigen Autoren befindet sich in der Versionsliste; die Originalfassung kann dort auch bearbeitet werden. Alle Texte der Wikipedia und ihre Derivate stehen unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation.
Persönliche Werkzeuge