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Boris Mikhailov (Fotograf)
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Boris Mikhailov (* 1938 in Charkow) ist ein ukrainischer Fotograf. Er lebt und arbeitet in Berlin.
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Leben und Werk
Boris Mikhailov wuchs in der ehemaligen Sowjetunion auf, er lebte und arbeitete über Jahrzehnte in seiner Heimatstadt Charkov (bzw. Charkiw, englisch auch Kharkov). Er schloss eine Ingenieurausbildung ab und wandte sich von 1966 an als Autodidakt der Fotografie zu. Mikhailov gilt heute als der bedeutendste Fotograf, der schon in den Zeiten der Sowjetunion aktiv war. Mikhailov arbeitet konzeptuell und sozialdokumentarisch.
Ende der 1960er Jahre trat Boris Mikhailov erstmalig mit Fotografien an die Öffentlichkeit. Nachdem der KGB auf von ihm gemachte Aktaufnahmen seiner Frau stieß, verlor er seinen Arbeitsplatz als Ingenieur in Charkow und konzentrierte sich auf die Fotografie. Er schuf eine Reihen von Fotoserien, in denen er den städtischen Alltag seiner unmittelberen Umgebung auf sehr persönliche Weise dokumentiert. Eines seiner bekanntesten Werke der damaligen Zeit (1968 – 1975) ist die Rote Serie. In diesen Farbfotografien bildet Mikhailov Menschen, Personengruppen und städtische Szenen ab, die sich durch die betonte Verwendung von Rot auszeichnen. Der Farbe, die in der UdSSR für die Oktoberrevolution, die Partei und die sozialistische Gesellschaftsordnung stand. In dieser Serie entdecken viele Betrachter subversive bzw. kritische Elemente gegenüber den gesellschaftlichen Bedingungen in der damaligen Sowjetunion.
Serien wie „Klebrigkeit“ von 1982 wiederum sind durch erläuternde Notizen gekennzeichnet, in anderen Serien verwendet er tagebuchartige Notizen, die den Bildreihen eine Anmutung von systematischen Alltagsbeobachtungen verleihen. Gleichfalls ungewöhnlich ist, dass Mikhailov verschiedentlich Fotografien grob koloriert, Form und Farbe nicht in jedem Falle deckungsgleich sind bzw. mit den verwendeten Farben Bilddetails besonders betont werden.
Als herausragend in der Kunst der Gegenwart können Mikhailovs Krankengeschichten (Werktitel: „Case History“) bewertet werden. Er wendet sich in diesem Werk den menschlichen Folgen des Zusammenbruchs der Sowjetunion zu. Mikhailov fotografierte für diesen Zweck systematisch Charkower Obdachlose, deren Vertrauen er gewann. Diese rund 500 Fotografien zeigen in erschütternder Weise die Situation von Menschen, die angesichts des Zusammenbruchs der Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung nicht mehr auf soziale Sicherungssysteme zurückgreifen können. Die sehr direkte und oft als entblößend empfundene Herangehensweise Mikhailovs kann als direkte Kritik an den „schönen Fassaden“ der nach-sowjetischen kapitalistischen Konsumwelt verstanden werden. Dieses Werk gehört unbedingt zu den besten Werken der Sozialdokumentarischen Fotografie.
2004 stellte Boris Mikhailov in einer Berliner Ausstellung eine erste Serie aus Berlin vor. Auch hier zeigt er Menschen am Rande der Gesellschaft, alkolholisierte Jugendliche, Arme und Ausgegrenzte.
Werke (Auswahl)
- 1968-1975 Rote Serie
- 1982 Klebrigkeit
- 1997-1999 Case History
Veröffentlichungen (Bildbände/Auswahl)
- 1995 Boris Michaijlov, Stuttgart
- 1998 Unfinished Dissertation, Zürich
- 2000 Michajlov: The Hasselblad Award 2000
- 2003 Eine Retrospktive, Zürich
- 2004 Look at me I look at water, Göttingen
Ausstellungen (Auswahl)
- 2006: Bereznitsky Gallery, Berlin Moments/ Monuments
- 2006: Shugoarts, Tokio, Japan, Yesterday´s Sandwich
- 2005: Centre de la Photographie, Geneve, Frankreich, Look at me, I look at water
- 2004: Institute of Contemporary Art, Boston MA, USA
- 2001: Haus der Kulturen der Welt, Berlin, Case History and Heiner Müller Project
- 2000: Saatchi Gallery, London, UK
Auszeichnungen (Auswahl)
- 1997 Albert Renger-Patzsch Buchpreis
- 1996 Award of Coutts Contemporary Art Foundation, Switzerland
- 2000 Auszeichnung der Hasselblad-Stiftung, Schweden
- 2001 Citibank Fotografie-Preis
- 2001 Foto-Buchpreis der Krazna-Krausz-Stiftung, London (Kraszna-Krausz Book Award)
Zitate (Auswahl)
„Der Kampf gegen den gleichförmigen gesellschaftlichen Geschmack, die Aufhebung der Tabus und die Suche nach der Wahrheit erfordern neue Aussageformen.“ (aus: Boris Michajlov, 1995, Stuttgart)
Weblinks
- Bereznitsky Gallery
- http://www.fotomuseum.ch/Boris_MIKHAILOV.164.0.html?&L=1
- http://www.minoritenkulturgraz.at/2002_4/Bilderzeitung/Mikhailov1.htm
- http://www.shugoarts.com/en/mikhailov.html
- http://deutsche-boerse.com/dbag/dispatch/de/kir/gdb_navigation/about_us/30_Art_Collection/40_artists/46_mikhailov?horizontal=page
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Mikhailov, Boris |
| ALTERNATIVNAMEN | Michajlow, Bory |
| KURZBESCHREIBUNG | ukrainischer Fotograf |
| GEBURTSDATUM | 1938 |
| GEBURTSORT | Charkiw |
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