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Begleitschaden
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Der militärische Fachbegriff Begleitschäden (Synonym: Kollateralschaden; Anglizismus: collateral damage; aus dem Lateinischen: collateralis, seitlich, benachbart, nebenständig) bezeichnet in der räumlichen Umgebung eines Ziels entstehende Schäden durch eine militärische oder polizeiliche Aktion. Hierbei kann es sowohl zu Toten und Verletzten als auch zu Zerstörungen kommen, die – obwohl primär nicht beabsichtigt – einen Angriff begleiten. Beabsichtigte Schäden werden im Gegensatz zu Begleitschäden als militärisches Ziel bezeichnet.
Der Begriff Begleitschäden wird von der Propaganda benutzt, um vermeidbare Kriegsschäden als unumgänglich darzustellen.
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Rechtliche Einordnung
Nach Humanitärem Völkerrecht ist ein Begleitschaden ein Kriegsverbrechen, wenn
- er vorhersehbar war oder
- hätte verhindert werden können und nicht gering im Vergleich zum erwünschten Schaden am militärischen Ziel war.
Beides ist nachträglich meist schwierig zu beurteilen.
Folgen von Begleitschäden
Es ist Ziel der meisten modernen Streitkräfte, Begleitschäden möglichst ganz auszuschließen, weil sie dem eigenen Ansehen schaden, den geplanten Fortgang der eigenen Militäraktion behindern oder einer ins Auge gefassten späteren Politik im Wege stehen könnten.
Begleitschäden werden häufig durch die eigene politische Propaganda vertuscht oder als gering und unvermeidbar dargestellt, während die gegnerische Propaganda solche übermäßig herausstellt, übertreibt oder gar erfindet.
Schwerwiegende Begleitschäden führen zur Bildung eines Feindbildes, das einen Konflikt verlängern kann, dienen der gegnerischen Propaganda, und bringen die Bevölkerung im Zielgebiet weiter gegen den Gegner auf.
Die häufige Aussage, Begleitschäden an zivilen Einrichtungen seien gewollt, ist deshalb meistens nicht haltbar. Im Gegenteil können sie sogar eine kriegerische Aktion endgültig zum Scheitern verurteilen, wie z. B. während der UN-Intervention in Somalia; nach einigen Begleitschäden wurden UN-Soldaten, vor allem die der USA, nicht mehr als neutral, sondern als Gegner wahrgenommen und angegriffen.
In Kriegen seit dem Zweiten Weltkrieg hat sich auch immer wieder bewiesen, dass eine Terrorstrategie nicht zur Einschüchterung und Aufgabe des Gegners führt, sondern im Gegenteil den Gegner nochmals zusammenschweißt und aufbringt.
Begleitschäden in mehr oder weniger kritischer Form gibt es in fast jeder kriegerischen Auseinandersetzung. Beispiele, bei denen Begleitschäden einen Konflikt besonders verschärfen, sind unter anderem die Liquidierungsaktionen gegen palästinensische Aktivisten in Israel und Palästina, bei denen häufig viele Unbeteiligte ihr Leben verlieren.
Gebrauch des Begriffes
Die Anwendung des Begriffes wird allerdings problematisch, wenn anstelle der konkreten Bezeichnung von schwerwiegenden Folgen (Tote und/oder Verletzte, gravierende Schäden an zivilem Eigentum etc...) der Begriff "Kollateralschaden" oder "Begleitschaden" eingesetzt wird. Diese aus militärischem Fachvokabular stammenden Begriffe werden von politischen Führungen gezielt eingesetzt, um für die Öffentlichkeit eine Art der Zensur zu erreichen und um die Schäden (Tod von Zivilisten, die Zerstörung von deren Hab und Gut etc...) nicht beim Namen nennen zu müssen, in der Hoffnung, dass diese nicht als solche wahrgenommen werden.
Durch gezielte Wortwahl entsteht ein Euphemismus, bei dem man niemandem vorwerfen kann, Fehlinformationen verbreitet zu haben. Während des Kosovo-Kriegs wurde der Begriff vor allem durch den NATO-Pressesprecher Jamie Shea geprägt.
Im umgangssprachlichen Gebrauch wird der Begriff Kollateralschaden auch oft in Situationen verwendet, die zwar keine Toten oder Verletzen fordern, jedoch Unschuldige in irgendeiner Weise "stören": Wenn "Kollektiv-Maßnahmen" nötig werden, um mögliche Vergehen aufzudecken und/oder präventiv zu wirken; z. B. Alkoholkontrollen im Straßenverkehr, in welchen auch nicht straffällige Personen betroffen sind.
Unwort des Jahres
Da Medien vor allem in den 90er-Jahren im Zweiten Golfkrieg und bei den NATO-Interventionen während der Bürgerkriege in Ex-Jugoslawien Schäden an zivilen Einrichtungen und den unbeabsichtigten Beschuss von Flüchtlingskonvois, die für militärische Nachschublinien gehalten wurden, mit dem eingedeutschten Anglizismus "Kollateralschäden" euphemisierten, wurde das Wort "Kollateralschaden" zum Unwort des Jahres 1999 gewählt.
Siehe auch
- Agent Orange (im Vietnamkrieg 1967)
- Friendly Fire
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