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Bamberger Dom
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Der Bamberger Dom St. Peter und St. Georg gehört zu den deutschen Kaiserdomen und ist mit seinen vier Türmen das beherrschende Bauwerk des Weltkulturerbes Bamberger Altstadt. Im Inneren befinden sich der berühmte Bamberger Reiter, das Grab des einzigen heilig gesprochenen Kaiserpaars des Heiligen Römischen Reichs sowie das einzige offiziell anerkannte Papstgrab in Deutschland.
Inhaltsverzeichnis
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Geschichte
Chronologie
- 1004 Grundsteinlegung durch Kaiser Heinrich II.
- 1007 Bamberg wird Bistum
- 1012 Einweihung (deshalb im Jahr 2012 die 1000-Jahr-Feier des Doms)
- 1081 erstes Großfeuer
- 1087 provisorischer Wiederaufbau
- 1185 erneutes Großfeuer und Abriss
- 1237 erneute Domweihe (deshalb im Jahr 1989 die 750-Jahr-Feier des aktuellen Doms)
- 1611 Beginn der Barockisierung (weitergeführt nach dem Dreißigjährigem Krieg)
- 1829 Beginn der Purifizierung auf Initiative des bayerischen Königs Ludwig I.
Patrozinium
Das Patrozinium bzw. Patronat des Doms ist bewusst gewählt, um das das Verbindende von Ostkirche und Westkirche zu betonen:
- Der erste Papst, Petrus, der erste Patron der Kirche, steht für die römische Kirche. Simon Petrus war einer der zwölf Apostel, die Jesus von Nazaret zu Lebzeiten nachfolgten. Er ist erster Bekenner, aber auch Verleugner Christi sowie erster Zeuge des Auferstandenen, der Sprecher der Apostel und Leiter der Jerusalemer Urgemeinde.
- Der Ritter Georg ist der zweite Patron der Kirche und steht für die byzantinische Kirche. Georg war ein Märtyrer, der zu Beginn der Christenverfolgung unter Kaiser Diokletian gestorben sein soll. Im Lauf der Jahrhunderte wurde er vor allem in den Ostkirchen zum beliebtesten Heiligen des Christentums. Besondere Verbreitung hat die Drachentöter-Legende Georgs gefunden. 1969 wurde Georg von Papst Paul VI. offiziell aus dem katholischen Heiligenkalender entfernt. 1975 taucht der Name jedoch wieder im Römischen Generalkalender auf. Der Vorname Georg gehörte weiterhin zu den beliebten Vornamen in Europa.
- Die Gottesmutter Maria steht für das Übergreifende beider Kirchen. Das Fest Mariä Namen wird als katholischer Gedenktag am 12. September gefeiert. Papst Innozenz XI. führte es im Jahr 1683 zum Dank für den Sieg über die Türken vor Wien ein. Vorher feierte man den Namenstag der Gottesmutter am 8. September: Mariä Geburt. Dieses Fest ist sowohl im Osten als auch im Abendland verbreitet und blickt auf eine sehr lange Tradition mit vielen volkstümlichen Elementen zurück.
Zur Person der Domgründer
Der spätere Kaiser Heinrich II. wurde mit fünf Jahren in die Obhut des Bischofs von Freising gegeben und besuchte später die renommierte Domschule von Hildesheim. Die weitere Erziehung erhielt er durch den Bischof von Regensburg, den heiligen Wolfgang. Er hatte damit eine umfassende Ausbildung erhalten und konnte sich mit den meisten Geistlichen messen, war aber weitaus gebildeter als die meisten Herrscher seiner Zeit, die oft nicht einmal lesen und schreiben konnten.
Nach dem Tod seines Vaters im Jahr 995 wurde er als Heinrich IV. Herzog von Bayern. Als Kaiser Otto III. im Jahr 1002 auf einer Italienreise ohne Erben starb, ließ Heinrich den Leichenzug auf seinem Weg durch Bayern aufhalten und brachte die Reichsinsignien an sich. Dann ließ er sich, unbemerkt von seinen Gegnern, vom Mainzer Erzbischof Willigis zum König salben. Anschließend ließ er auch seine Gemahlin Kunigunde in Paderborn zur Königin krönen. Zwölf Jahre später, im Jahr 1014, wurden die beiden dann in Rom zu Kaisern gekrönt. Das heißt also, dass Heinrich den Bamberger Dom nicht als Kaiser sondern als König gründete.
Für Bamberg hatte Heinrich eine besondere Vorliebe und er übertrug auch die Babenburg seiner Frau als Witwensitz. Da er bald erkannte, dass seine Ehe wohl kinderlos bleiben würde, beschloss Heinrich, in Bamberg ein Bistum zu errichten, in das sein Besitz einfließen sollte und in dem Seelenmessen für ihn gelesen werden sollten. Um dieses neue Bistum gründen zu können, löste er Gebiete aus den Bistümern Würzburg und Eichstätt heraus, auch wenn dies kirchenrechtlich nicht zulässig war. Dem Würzburger Bischof versprach Heinrich im Ausgleich dafür, sein Bistum zum Erzbistum erheben zu lassen. Auch dies war kirchenrechtlich nicht zulässig, denn dies stand nur dem Papst zu. Den Widerstand der Frankfurter Synode von 1007 brach Heinrich letztlich, indem er die Bischöfe mit Demutsgesten moralisch unter Druck setzte.
Heinrich starb im Jahr 1024 in der Pfalz Grone bei Göttingen und wurde, wie er es gewünscht hatte, im Bamberger Dom beigesetzt. Im Jahr 1146 wurde er für die Christianisierung der Westslawen, vor allem aber für die Gründung des Bistums Bamberg von Papst Eugen III. heilig gesprochen. In der Heiligsprechungsbulle des Papstes heißt es:
- Jetzt aber haben wir vieles […] erfahren über seine Keuschheit, über die Gründung der Bamberger Kirche und vieler anderer, auch über die Wiederherstellung bischöflicher Sitze und die vielfältige Freigebigkeit seiner Spenden, über die Bekehrung König Stephans und ganz Ungarns, von ihm herbeigeführt durch Gottes Hilfe, über seinen glorreichen Tod und über mehrere Wunder nach seinem Tod, geschehen in Gegenwart seines Leibes. Darunter halten wir besonders bemerkenswert, dass er nach Empfang von Krone und Zepter des Reiches nicht kaiserlich, sondern geistlich lebte und dass er in rechtmäßiger Ehegemeinschaft, wie wohl nur wenige bis ans Lebensende unversehrte Keuschheit bewahrte. [1]
Kaiserin Kunigunde wurde erst im Jahr 1200 kanonisiert. Um dieses heilig gesprochene Kaiserpaar ranken sich viele Legenden. Vor allem ihre Kinderlosigkeit wurde als Beweis für eine keusche Ehe angesehen. Kunigunde war zu Lebzeiten eine wichtige Beraterin ihres Mannes und war nach seinem Tod sechs Wochen lang die alleinige Regentin des Heiligen Römischen Reichs. In dieser Funktion konnte sie die Wahl des Saliers Konrad II. durchsetzen. Anschließend zog sie sich in das hessische Benediktinerinnenkloster Kloster Kaufungen zurück und widmete sich der Krankenpflege.
Der erste Dom (Heinrichsdom)
Der Vorgängerbau des heutigen Bamberger Doms, der so genannte Heinrichsdom, wurde im Jahr 1004 von Kaiser Heinrich II. „dem Heiligen“, dem Gründer des Bistums Bamberg, in Auftrag gegeben. Der Bau wurde auf einer Anhöhe über den Fundamenten der Kapelle und des Friedhofs der ehemaligen Babenburg, die Heinrich von seinem Vater Heinrich dem Zänker geerbt hatte errichtet. Dieser Vorgängerbau hatte keine exakte Ost-West-Ausrichtung und da sich die künftigen Bauten immer an dem bereits Vorhandenen ausrichteten, hat sich die Ausrichtung von Nordost nach Südwest tausend Jahre lang erhalten.
Im Jahr 1007 wurde Bamberg Bistum, womit der Kirchenbau enorm aufgewertet wurde. Am 6. Mai 1012, den Geburtstag Heinrichs II., wurde der Dom in Gegenwart von 45 Bischöfen und anderer Würdenträger zu Ehren des Apostels Petrus, der Muttergottes Maria und des Heiligen Georg geweiht. Diese Patronate blieben bis heute erhalten. Bei der Domweihe waren - mit einer einzigen Ausnahme - alle Erzbischöfe des Heiligen Römischen Reichs anwesend. Dies unterstreicht die Bedeutung des Neubaus, denn bei keiner anderen Domweihe des Mittelalters waren so viele Bischöfe anwesend. Der Heinrichsdom stand in der Tradition der großen Kathedralen des 11. Jahrhunderts, war aber im Vergleich zum Mainzer Dom (116 Meter) und zum Speyerer Dom (134 Meter) mit einer Länge von lediglich 75 Metern eher bescheiden. Statt vier Türme hatte er nur zwei Türme, die den Ostchor flankierten. Von diesem Dom ist heute nur noch die unterirdische Grablege der Bischöfe erhalten.
Der Dom Heinrichs war eine dreischiffige Säulenbasilika mit Querhaus und Hauptchor. Alle Decken waren flach und aus Holz. An der Ostseite standen zwei niedrige Türme. Den Abschluss bildete eine halbkreisförmige Apsis.
Eine Vorstellung, wie der Heinrichsdom ausgesehen haben mag, vermittelt die 100 Jahre später geweihte Jakobskirche etwas oberhalb vom Domberg. Auch sie war eine dreischiffige Säulenbasilika und wurde in der Zeit der Gotik und des Barock nur wenig verändert.
Der Dom im späten 11. / frühen 12. Jahrhundert
Zu Ostern 1080 trafen sich die Parteigänger von Kaiser Heinrich IV. zu einer Synode im Bamberger Dom. Als in der Osternacht des folgenden Jahres Dach und Türme abbrannten, sahen die Anhänger von Papst Gregor VII. darin wegen deren Haltung im Investiturstreit eine Strafe Gottes. (Heinrich IV. war der Kaiser, der später den Gang nach Canossa antreten musste.)
Von den oberirdischen Teilen des Heinrichsdoms ist heute kaum etwas erhalten. Im Jahr 1081 brannte der Dom, wobei die kostbare Ausstattung zerstört wurde. Die Schäden an der Bausubstanz dürften sich aber in Grenzen gehalten haben. Wie auch die archäologischen Grabungen im Inneren des Doms gezeigt haben, entstand nach dem Brand 1081 kein kompletter Neubau. Lediglich die beschädigten Teile des Dombaus wurden soweit in Stand gesetzt, dass bereits im Jahre 1087 unter Bischof Rupert eine Synode in Bamberg abgehalten werden konnte. Wesentliche Arbeiten zur Wiederherstellung der beim Brand zerstörten Ausstattung wurden sogar erst unter seinem Nachfolger, dem Bischof Otto durchgeführt. Otto war in Baufragen bewandert, denn er hatte bereits den Umbau des Speyerer Doms geleitet. Nun erhielt der Dom einen neuen Fußboden, die vom Feuer beschädigten Säulen wurden mit Stuck verziert. Außerdem ließ Otto den Ostchor höher legen und die Dächer mit dem teuren Kupfer eindecken, um die Feuergefahr zu verringern. Darüber hinaus wurden die Turmkreuze und die Turmspitzen vergoldet.
Wie hat man sich diesen zweiten Dom vorstellen? Von der liturgischen Nutzung ist kaum etwas überliefert. Die wenigen Berichte entsprechen aber den üblichen Gottesdienstordnungen des späten Mittelalters.
Der mittelalterliche Dom war ein Ort verschiedener Nutzungsbereiche und diente ausschließlich dem Domkapitel und den Domvikaren. Die Domgeistlichkeit nutzte den Ostchor für die mehrmals täglich stattfindenden Stundengebete sowie für Gottesdienste. Die Chorbereiche waren exklusive Raumteile, die durch drei bis vier Meter hohe Lettner abgetrennt waren und die Geistlichen vor Störungen schützten. Prozessionen innerhalb des Doms waren ebenfalls Teil der Domliturgie. Gelegentlich führten die Umzüge vom Dom durch den Kreuzgang in die Sepultur, oder vom Dom zur Stephanskirche, der Jakobskirche, der Gangolfskirche und zum Benediktinerkloster Sankt Michael.
Der zweite Dom (Eckbertdom)
Nach einem erneuten Großfeuer im Jahr 1185 wurde der Bau abgerissen und erst 1215 mit einer Neuerrichtung auf Veranlassung von Bischof Eckbert von Andechs-Meranien, dem Bruder der Heiligen Hedwig von Andechs, begonnen. Dieser dritte, größere Dom wurde am 6. Mai 1237, dem Geburtstag Kaiser Heinrichs II., feierlich geweiht.
Beim Neubau sollte die Heiligkeit des Ortes gewahrt werden. Deshalb war er auch am gleichen Platz vorgesehen. Um weiterhin Gottesdienste feiern zu können, wurden Abbruch und Neubau so aufeinander abgestimmt, dass stets Raum für feierliche Gottesdienste in der Kathedrale vorhanden war. Um 1215 wurde mit dem Abbruch im Osten begonnen und das dabei anfallende Abbruchmaterial wieder eingebaut. Seit dem Bauabschluss des 13. Jahrhunderts wurde an der Architektur des Doms nichts Wesentliches mehr verändert. Anders verlief die Entwicklung im Inneren.
Kaiser Heinrich war schon im Jahr 1146 heiliggesprochen worden. Nun setzte sich Bischof Timo dafür ein, dass auch Kaiserin Kunigunde kanonisiert wurde. Diese Heiligsprechung fand am 29. März 1200 statt und war deshalb bemerkenswert, weil im Mittelalter nur ganz wenige Frauen heiliggesprochen wurden, die keine Märtyrerinnen waren. Vermutlich wollte Timo dieses feierliche Ereignis schon im neuen Dom stattfinden lassen und wahrscheinlich war zu diesem Zeitpunkt die Ostapsis schon so weit fertiggestellt, dass ein Altar zu Ehren Kunigundes aufgestellt werden konnte. Daran erinnert heute noch ein kleines Rundfenster am Georgenchor, hinter dem sich vermutlich die Reliquienbüste Kunigundes befand.
Der Bamberger Königsmord des Jahres 1208 stoppte die Bauarbeiten am Dom für einige Jahre. Philipp von Schwaben wurde am 21. Juni 1208, kurz vor seiner Kaiserwahl, in der Alten Hofhaltung vom bayerischen Pfalzgrafen Otto VIII. von Wittelsbach ermordet. In den Annalen von Marbach für das Jahr 1208 heißt es:
- „...als der vorgenannte Pfalzgraf, wie er denn schon längst die böse That in seinem Herzen beschlossen hatte, herbeikam, Einlaß begehrte und erhielt. Hier zog er das Schwert, indem er sich stellte als spiele er gleich einem Possenreißer, verwundete aber bei sich ergebender Gelegenheit den König in der Gegend des Halses und ergriff sogleich die Flucht. Und in Folge dieser Verwundung verlor derselbe das Leben... „
Bischof Ekbert floh zu König Andreas II., seinem Schwager, nach Ungarn, weil er für vogelfrei erklärte wurde. Dessen diplomatischen Einsatz verdankte er seine rasche Rehabilitation und so konnte er bereits 1212 in sein Bistum zurückkehren.
Als Jahre später die Arbeiten am Dom wieder aufgenommen wurden, entschied sich das Domkapitel für einen Wechsel in der Architektur. Dieser Stilwandel hängt vermutlich mit dem damaligen Bamberger Bischof Ekbert von Andechs-Meranien und dessen internationalen Beziehungen zusammen. Dessen Schwester Agnes (Agnes von Meran) lebte mit dem französischen König Philippe II. zusammen. Dies mag erklären, weshalb um das Jahr 1220 in Bamberg eine Bauhütte tätig wurde, die mit der aktuellen französischen Kunstentwicklung vertraut war.
Die Erfurter Jahrbücher melden zum Jahr 1237:
- „Hoc anno pridie Nonas Maii in Babenberc dedicatum est monasterium ab his episcopis: Erbipolense, Eystatense, Nuwenburgense, Merseburgense; domino papa ibidem magnam faciente indulgentiam.“
- (Übersetzung: „In diesem Jahre am Tag vor den Nonen des Mai wurde das Münster in Bamberg geweiht von (folgenden) Bischöfen: dem Würzburger, dem Eichstätter, dem Naumburger, dem Merseburger. Der Herr Papst hatte hierfür einen großen Ablass gewährt.“ [2]
Auffällig ist, welchen Bedeutungsverlust der Dom bei dieser Weihe erlitten hatte. Waren 1012, bei der ersten Domweihe 45 Patriarchen, Erzbischöfe und Bischöfe zu Gast, so erwähnt die Quelle jetzt nur vier Konsekratoren.
Barockisierung
Nach dem Ende des Dreißigjährigen Krieges erfolgte die Barockisierung des Doms unter Fürstbischof Melchior Otto Voit von Salzburg.
Die Erneuerung der katholischen Kirche, die vom Konzil von Trient ausging, drückte sich künstlerisch im Barockstil aus. Das Bamberger Domkapitel war allerdings zuerst zögerlich in der Umsetzung der neuen Kunstströmung, doch im Jahr 1678 waren fast alle 30 Altäre barockisiert.
Entgegen der geläufigen Ansicht war der Dom im Mittelalter vollständig farbig ausgemalt. Doch Verschmutzung durch Kerzenruß und Staub, sowie abblätternde Farbe machten immer wieder neue Anstriche notwendig. Deshalb ist von der ursprünglichen Bemalung bis auf wenige Reste nichts mehr erhalten. Auch die wandelnden ästhetischen Vorstellungen trugen zu einer ständigen Umgestaltung bei. An schwer zugänglichen Stellen wurden Reste von bis zu zwölf übereinander liegenden Anstrichen festgestellt.
Am rechten Kapitell der nördlichen Blendarkade im Ostchor wurde der Schichtaufbau der Farben analysiert. Dabei wurden folgende Schichten festgestellt:
- Stein
- weiß (Grundierung)
- grün
- Neufassung weiß (Grundierung)
- Ocker
- Neufassung weiß (Grundierung)
- leuchtender Ocker
Am 10. Mai 1611 beschloss das Domkapitel, dass „die Steine abgerieben und erneuert, aber nit geweisst“ werden sollen. Eine einschneidende Entscheidung war das Entfernen der farbigen Glasfenster. Wörtlich heißt es in dem bischöflichen Schreiben, dass „die obern Fenster an stadt deß gefärbten und geschmelzten mit hellem Glas verneuert werden“ sollen. [3]
Letzter Rest der Barockaustattung ist der vergoldete Kreuzaltar des flämischen Künstlers Justus Glesker im Westchor. Diese Kreuzigungsgruppe mit Christus am Kreuz, Maria, Johannes und Maria Magdalena stand ursprünglich beim Kaisergrab. Im Jahr 1837 wurde sie im Rahmen der Barockisierung verkauft und 1917 aus Privatbesitz für den Dom zurückerworben.
Purifizierung (Stilbereinigung)
In den 1830er Jahren wollte der bayerische König Ludwig I. den Dom wieder in seinen ursprünglichen romanischen Stil zurückversetzen lassen und ordnete diverse purifizierende Rekonstruktionen an, an denen der bedeutende Architekt Friedrich Gärtner maßgeblich mitwirkte. Diese Maßnahmen, die zum Erhalt des Domes beitrugen, entsprachen dem romantischen Geist der Zeit, der sich für das so genannte „reine“ Mittelalter ohne Zusätze aus nachfolgenden Stilepochen begeisterte. Sie trugen aber auch zu einer „Verarmung“ des Bauwerks bei, da seine Historizität auf ein idealisiertes Mittelalter reduziert wurde. Das Entfernen der Farbe führte zu einem Herauspräparieren der Architektur und zu einem frostigen Raumeindruck. Domdekan Friedrich Brenner beschrieb im Jahr 1837 den purifizierten Dom als „gar zu kalt, frostig, einförmig und der Pracht des katholischen Gottesdienstes zu wenig entsprechend“.
Ludwig I. schrieb im Jahr 1826 an den Bamberger Erzbischof Joseph Maria Freiherr von Fraunberg einen Brief, in dem es unter Anderem heißt:
- „Es ist mir schon früher bey dem Besuche der erzbischöflichen Metropolitan-Kirche zu Bamberg unangenehm aufgefallen, dass dieses herrliche, große Denkmal des teutschen Baustyles einige Verunstaltungen und Renovationen erhalten hat, welche dem Kunstsinne widerstreben. Um dieses zu verbessern, und dem ungestörten Anblick dieses erhabenen Tempels in dem Geiste des reinen Styles wieder herzustellen, ist es Mein Wunsch, dass der große verunstaltende Altar hinwegkomme; dann der weisse Anstrich der Kirche bis auf die Spur abgerieben werde, so dass der Stein in seiner natürlichen Farbe erscheine, des gleichen dass die Oelfarbe, mit welcher die Bildsäulen übertüncht wurden, abgemeisselt werde, wenn selbe auf keine andere Art wegzunehmen wäre...“ [4]
König Ludwig war der Ansicht, dass die damals als byzantinische bezeichnete romanische Baukunst, aber auch die gotische Architektur eine deutsche Kunstentwicklung gewesen sei und deshalb besonders geeignet sei, die nationale Identität zu fördern. Deshalb sollte auf Wunsch des Königs der Bamberger Dom, den man für den Originalbau Kaiser Heinrichs II. hielt, als Nationaldenkmal in den mittelalterlichen Zustand „zurückrestauriert“ werden. Auch wenn es den Gelehrten bereits bekannt war, dass die griechische Architektur weitgehend farbig bemalt war, gehörte Vielfarbigkeit in der Architektur trotzdem nicht zur akzeptierten Ästhetik.
Die Renovierungsarbeiten begannen am 30. Mai 1829. Dabei wurden Wände, Gewölbe, Kapitelle, Skulpturen abgewaschen und schadhafte Stellen ergänzt. Sie endete am 25. August 1837, dem Geburtstag König Ludwigs I. mit einer feierlichen Einweihung, bei der aber nicht einmal ein Mitglied der königlichen Familie teilnahm, denn der König hatte offensichtlich das Interesse am Bamberger Dom verloren und widmete sich jetzt der Umgestaltung des Speyrer Doms.
Die Meinungen über das Ergebnis der Restaurierung waren geteilt. Selbstverständlich waren die einfachen Gläubigen mit dem Ergebnis nicht zufrieden, aber auch die gebildete Öffentlichkeit stand der Restaurierung zurückhaltend gegenüber. Interessant ist eine Aufzeichnung von Sulpiz Boisserée, einem Freund Johann Wolfgang Goethes, der am 17. Oktober 1839 in seinem Tagebuch notierte:
- „Klagen über die Restauration des Doms. Roheiten bei Entfernung der Grabmäler der Fürst-Bischöfe und Domherren etc. Vandalismus gegen den Perücken-Stil und Ignoranz in Betreff auf Cultus und kirchliche Altertümer.“ [5]
Mit Perücken-Stil meint Boisserée den Barock-Stil wegen der Allongeperücken, die in jener Zeit üblich waren.
Nach dem Zweiten Vaticanum
Die Wiederbelebung der Konzelebration (gemeinsame Leitung einer kirchlichen Liturgie durch mehrere Priester) nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil machte die Vielzahl von Altären, an denen jeder Priester allein zelbrierte, überflüssig. Eine Kirche sollte jetzt wieder nur einen Altar haben. Diese Forderung verringerte die Anzahl der Altäre im Dom drastisch.
Eine weitere Neuerung des Konzils war die Ablösung des Hochaltars, der vom Hauptschiff der Kirche aus stirnseitig in der Apsis lag. Beim neuen Volksaltar leitet der Priester mit dem Gesicht zur Gemeinde die Eucharistiefeier. Der Hauptaltar des Doms befindet sich jetzt im Westchor vor dem Bischofssitz, der Kathedra.
Architektur und Ausstattung
- Länge über Alles: 99 m (Ostchor: 30 m, Mittelschiff: 37 m; Westchor: 28 m)
- Breite über Alles: 28,50 m
- Höhe über Alles: 25,50 m
- Höhe der Osttürme: 76 m
- Höhe der Westtürme: 74 m
Türme und Portale
Osttürme
Der Vorgängerbau des heutigen Doms hatte nur zwei gedrungene Türme. Die jetzigen vier Türme sind im Osten noch in romanischer Architektur, während die beiden westlichen Türme deutliche Zeichen gotischer Baukunst zeigen. Im Jahr 1766 wurden Turmhelme neugestaltet und bekamen ihr heutiges Aussehen. Auch erhielten die beiden Osttürme durch Aufstockung um ein Geschoss annähernd die gleiche Höhe wie die Westtürme. Gleichzeitig wurde der Dachreiter auf dem Mittelschiff entfernt, wodurch sich das äußere Bild des Doms veränderte.
Über den beiden Portalen sind in den Türmen kleine romanische Rundfenster zu sehen, die zu den beiden ehemaligen Turmkapellen gehören, die den Heiligen Kilian und Nikolaus geweiht waren. Sie waren offensichtlich bis zur Barockisierung des Doms in Gebrauch, wurden dann jedoch profaniert. Dennoch sind die Altarsteine mit eingelassenen Reliquien erhalten. Sie stammen vermutlich aus dem 13. Jahrhundert und sind die ältesten erhaltenen Altäre des Dom. Beide Kapellen öffnen sich über Rundbogenöffnungen zu den Seitenschiffen des Doms.
Glocken
In den beiden östlichen Türmen befindet sich das zehn Glocken umfassende Geläut des Doms. Im Nordostturm, dem so genannten Heinrichsturm, hängen die beiden sagenumwobenen Kaiserglocken, die als besonders wertvolle Klangkörper gelten:
- Die 3 600 kg schwere, 1,59 Meter breite und 1,40 Meter hohe Kunigundenglocke (Nordostturm, nach 1185; Schlagton: ~cis') hat noch die altertümliche Bienenkorb ähnliche romanische Form. Nach dem Brand des Vorgängerbaus im Jahre 1185 muss die Glocke gegossen worden sein.
- Die 5 200 kg schwere, 1,80 Meter breite und 1,50 Meter hohe Heinrichsglocke (Nordostturm, August 1311; Schlagton: cis') besitzt bereits die noch heute übliche „gotische“ Glockenform. Sie soll zu den klangschönsten Glocken des Mittelalters gehören. Den Guss ein solch kolossalen Glocke allein technisch zu bewältigen war zu damaliger Zeit eine höchsten Respekt abfordernde Leistung.
Zusammen erklingen sie vor hohen Festtagen. Vor der Elektrifizierung des Geläutes im Jahre 1937, benötigte man zum Läuten beider 10 Personen.
Zu diesen beiden Kaiserglocken gibt es eine Legende der zufolge Kaiserin Kunigunde einst mit Kaiser Heinrich bei der heutigen Kunigundenruh im Hauptsmoorwald unterwegs war. Von weitem konnten sie noch die Glocken des Doms hören. Sie stritten sich so sehr, wessen Glocke schöner klänge, dass Kunigunde ihren Ring vom Finger zog, ihn fünf Kilometer weit auf die Glocke schleuderte, und dabei ein rundes Stück von der Glocke heraus brach. Seither klingt die Kunigundenglocke etwas melancholisch:
- „Am Abend vor einem Festtag unternahmen Heinrich und Kunigunde einen Spaziergang etwas außerhalb der Bamberger Stadtmauern. Nach einiger Zeit ließen sie sich auf einer Lichtung nieder, die von da an Kunigundenruh hieß. Als sie dort saßen und ruhten, begannen die Glocken des Doms zu läuten, um den Festtag anzukündigen. Zwei von diesen Glocken waren von Heinrich und seiner Gemahlin gestiftet worden. Sogleich begannen die beiden zu streiten, welche Glocke schöner klinge. Als der Kaiser schon schwieg und resigniert aufgegeben hatte, um die Auseinandersetzung zu beenden, schleuderte Kunigunde, die sich schon so in den Streit hineingesteigert hatte, dass sie die Friedensbemühungen ihres Mannes ignorierte, wutentbrannt ihren Ring zum Dom hin, um Heinrich zu zeigen, dass ihre Glocke die Bessere war, wobei sie rief: „Wenn dieser Ring hier meine Glocke trifft, so ist bewiesen, dass sie die wohler klingende ist!“ Ihr Ring, den sie von der Wut beflügelt mit immenser Kraft geworfen hatte, schlug tatsächlich in ihre Glocke ein und durchbrach das Erz, so dass sie nun ein Loch hatte, das so groß wie der Ring war. Der Klang der getroffenen Glocke aber blieb unverändert rein und schön. Heinrich schwieg und seufzte, denn er hatte wie immer das Nachsehen.“ [6]
Die übrigen acht Glocken hängen alle im Südostturm:
- Die Apostelglocke (1886 von Andreas Hamm; Schlagton: h°; 2700 kg) entstand durch einen Neuguss der Schlaf- oder Georgenglocke aus dem Jahr 1459, die ebenfalls sprang. Diese Glocke ist heute die tontiefste Glocke des Geläuts und erklingt dreimal täglich zum Angelusgebet.
- Die Marienglocke (1735 von Johann Ignatius Höhn; Schlagton: dis'; 1.500 kg) entstand durch Umgießen der 1336 gegossenen Marien- oder Halbstundenglocke, die im Jahr 1735 sprang. Dank energischen Einsatztes des damaligen Bischofs wurde die heutige Marienglocke von der Säkularisation verschont. Der farbige Teiltonaufbau verleiht ihr ein unverwechselbares Timbre.
- Die Georgsglocke, (Schlagton: fis'; 780 kg), die Petersglocke (Schlagton: gis'; 556 kg), die Ottoglocke (Schlagton: h'; 310 kg) und die Michaelsglocke (Schlagton: dis²; 170 kg) wurden 1972 von der Glockengießerei Perner in Passau gegossen, um die Verluste aus der Säkularisation auszugleichen. Damals, 1807, wurden die Dreiviertelglocke, die Vigilglocke und die Katecheseglocke verkauft. Die historische Laudesglocke wurde schon im Jahr 1545 vom Domkapitel nach Zapfendorf verkauft, wo sie heute noch läutet. Sie erweist sich als ein nahezu formgleiches Gegenstück zur Armeseelenglocke (siehe unten) des Domes. Daher sind sie beide ohne Zweifel aus der gleichen Werkstatt hervorgegangen und bilden eines der ältesten erhaltenen Glockenpaare Süddeutschlands.
- Die Kapitelsglocke oder Armeseelenglocke (um 1200; Schlagton: fis²; 500 kg) stammt noch aus der Zeit vor der Säkularisation. Den Namen Kapitelsglocke („Campana Capituli“) hat sie daher, weil sie die Sitzungen des Domkapitels einläutete. Sie ist einer der schwersten Glockenkonstruktionen die aus dem Mittelalter bekannt sind und wiegt etwa fünfmal soviel wie eine normal bemessene Glocke gleicher Tonhöhe. Durch diese schwere Konstruktion gewinnt sie einen fülligen, silberhellen Klang von unnachahmlichem Reiz. Mit der Heinichsglocke ist die Armeseelenglocke die wohl klangschönste Stimme im Domgeläut.
- Die Messglocke (um 1300, Schlagton: gis²; 200 kg) hing ursprünglich in dem ehemaligen Dachreiter des Mittelschiffs. Sie ist die kleinste Glocke des gesamten Geläuts.
Um die mittelalterlichen Glocken zu schonen, erklingt ihr volles Geläute nur an hohen Festtagen. Regelmäßig ist der Klang der Heinrichsglocke am Freitag nachmittag (15.00 Uhr) zur Erinnerung an den Kreuzestod Jesu zu hören; die Kunigundenglocke läutet am Donnerstag als Gedenken an Christus auf dem Ölberg.
Domuhr
Turmuhren waren die ersten mechanische Uhren. Sie dienten der Zeiteinteilung für die Gebetszeiten sowie der Einteilung des Arbeitstages. Die Domuhr am Nordostturm war bis zum Jahr 1954 der maßgebliche Chronometer der Stadt Bamberg. Die Uhrzeit wurde seit dem 16. Jahrhundert durch die Domglocken hörbar verkündet. Die erste mechanische Uhr aus dem Jahr 1529 musste bereits 1562 ersetzt werden. Die zweite Uhr hielt dagegen bis zum Jahr 1927 und befindet sich seit 1929 in der Sammlung historischer Uhren des Deutschen Museums in München. Die jetzige Uhr stammt aus dem Jahr 1937 und wurde in Buer bei Osnabrück angefertigt.
Westtürme
Die Westtürme sind nahezu Kopien der Türme der Kathedrale Notre-Dame im nordfranzösischen Laon. Das gilt für den achteckigen Grundaufbau, dem an vier Seiten fünfeckige Säulenerker vorgestellt sind. Mit den Laoner Domtürmen wurden auch die aus den offenen Ecktabernakeln blickenden Kühe und Esel übernommen. Diese sind eine Anerkennung der Lasttiere, die das Steinmaterial transportieren mussten. In Bamberg heißen diese Figuren, wohl weil man sie von unten nicht so genau erkennen kann, „Domkühe“, wobei es sich in Bamberg wohl nicht um Rinder, sondern um Maulesel handelt. Diese Maulesel zogen Steine mittels Flaschenzügen nach oben, liefen im Dachstuhl in Laufrädern und schleppten Mörtelbottiche auf die Türme. Nachts wurden sie links vom Fürstenportal in den so genannten „Eselsstall“ eingesperrt. Die Originale der Skulpturen werden heute im Diözesanmuseum gezeigt.
Die Untergeschosse der Westtürme sind noch in kompakter Aufmauerung mit leicht spitzbogigen kleinen Fenstern in romanischer Form aufgeführt. Das dritte Geschoss hat bei beiden Türmen abweichende Formen. Die folgenden drei Geschosse sind wiederum gleich gestaltet, doch von den Osttürmen abweichend: Die Turmgeschosse sind in hohen Spitzbögen, die Ecken des Mauerwerkes in tabernakelartigen Anbauten mit vier schlanken Säulen geöffnet. Diese beiden Westtürme sind dadurch frühe Beispiele der gotischen Baukunst in Deutschland.
Die Türme des lassen den Stilwechsel während der über dreißigjährigen Bauzeit nachvollziehen. Der Bau begann im Osten, wo heute die romanischen Rundbögen vorherrschen, während sich im Westen die Spitzbögen der Gotik durchgesetzt haben. In Angleichung zum westlichen Turmpaar wurden auch die Osttürme um zwei Obergeschosse erhöht.
Adamspforte
Die Adamspforte beziehungsweise Rote Türe war der Hauptzugang in den Dom. Sie wurde im Alltag zusammen mit der so genannten Gittertür am anderen Ende des Doms genutzt. Die Adamspforte ist das älteste Portal und wurde erst nach der Fertigstellung der benachbarten Gnadenpforte auch ausgeschmückt. Es handelt sich vermutlich um die letzten Werke der in Reims geschulten Bildhauerwerkstatt.
Dieses abgestufte Rundbogenportal ohne Bogenfeld wird durch zwei das ganze Portal umlaufende Zickzackfriese verziert. Wahrscheinlich noch während der Bauzeit wurden zwischen die Zickzackbänder sechs Sandsteinfiguren gestellt, die vermutlich für den Innenraum des Doms vorgesehen waren. Bis 1937 standen hier sechs Figuren, die sich heute im Lapidarium des Diözesanmuseums befinden:
Linke Seite
- Stephanus (Der heilige Stephanus im Gewand eines Diakons war der erste christliche Märtyrer. Die Steine in seinen Händen sind ein Hinweis auf seinen Märtyrertod durch Steinigung. Er steht neben der Kaiserin Kunigunde, die ihm die Stephanskirche in Bamberg stiftete. Zugleich steht er als erster Märtyrer dem ersten Menschenpaar gegenüber. Sein Gedenktag, der 26. Dezember, war zugleich Geburtstag des damals regierenden Kaisers Friedrich II.)
- Kunigunde (Kunigunde wird wohl als eine neue Maria gesehen. Kunigunde in ungegürtetem Gewand ist möglicher Weise als Hinweis auf ihre Jungfräulichkeit zu verstehen. Sie hält eine Modell der von ihr gestifteten Bamberger Stephanskirche in ihren Händen.)
- Heinrich (der Bistumsgründer)
Rechte Seite
- Petrus (Der erste Papst ist gleichzeitig auch einer der Kirchenpatrone des Doms. Petrus hält meistens einen Schlüssel, hier aber hält er ein Kreuz in seinen Händen.)
- Eva (Eva entspricht der heiligen Kunigunde auf der gegenüber liegenden Seite. Die Figuren der Stammeltern Adam und Eva sind übrigens die ersten lebensgroßen Aktskulpturen seit der Antike.)
- Adam (der erste Mensch. Nach dieser Figur wurde das Portal Adamspforte genannt.)
Der Weg durch die Adamspforte war möglicherweise Teil der Bußpraxis, bei der am Gründonnerstag die Menschen symbolisch aus dem Paradies vertrieben wurden und nach dem Anhören von Bußpredigten und öffentlicher Buße in weißen Gewändern durch die benachbarte Gnadenpforte wieder in den Dom gelangten.
De Adamspforte war in der Vergangenheit das von der Öffentlichkeit benutzte Portal. Der Sinn des Skulpturenprogramms ist nicht geklärt. Es stellt sich die Frage, was Petrus, den ersten Papst, mit dem ersten Menschenpaar, Adam und Eva, dem heiligen Kaiserpaar Heinrich und Kunigunde als Stifter des Bamberger Bistums sowie, Stephanus, dem ersten christlichen Märtyrer verbindet. Die Geste Kunigundes und der Blick des Petrus weisen auf Heinrich II., der damit als wichtige Person gewürdigt wird. In der Stauferzeit wurde die Gegenüberstellung von Herrscher und erstem Menschenpaar häufig verwandt, um die weltliche Macht als Mittel zum Erhalt der Heilsordnung nach dem Sündenfall zu begründen.
Gnadenpforte (Marienpforte)
Die Gnaden- oder Marienpforte im südwestlichen Turm nutzte man ursprünglich nur an besonderen Festtagen für Prozessionen oder bei besonders feierlichen Anlässen - zum Beispiel wenn ein neu gewählter Bischof in den Dom einzog.
Das Bogenfeld der Gnadenpforte zeigt den Ritter Georg, den Apostel Petrus, die Muttergottes Maria sowie das heilige Kaiserpaar Heinrich und Kunigunde. In der Mitte des Tympanon thront Maria mit dem Jesuskind. Nach hierarchischer Rangordnung und in Abstufung der Größe folgen dann die anderen Figuren:
Linke Seite
- Heinrich II. (Bistumsgründer)
- Kunigunde (Bistumsgründerin)
Rechte Seite
- Petrus (Patron des Doms)
- Georg (Patron des Doms)
- Ganz außen befinden sich die Bauherren des Domes, Bischof Ekbert und Dompropst Poppo von Andechs.
- Bei dem Kreuzfahrer zu Füßen Marias dürfte es sich um Herzog Otto VII., eines Grafen von Andechs handeln, der möglicherweise das Portal gestiftet hat.
Bei der Gnadenpforte befanden sich geschmiedete Löwenköpfe, die als die ältesten mittelalterlichen Längeneinheiten betrachtet werden. Diese Bamberger Elle hatte eine Länge von 67 Zentimetern, der Fuß eine Länge von 26,8 Zentimetern. Angeblich war letzteres das Fußmaß der heiligen Kunigunde, welche demzufolge fast die Schuhgröße 44 gehabt hätte, was für eine Frau etwas unwahrscheinlich ist.
Die Bamberger Elle und der Bamberger Fuß (galten überall im Fürstbistum Bamberg und sind die ältesten mittelalterlichen Maßeinheiten Europas. Ein Beispiel für die Bamberger Elle findet sich heute noch auf dem Marktplatz des Städtchens Zeil am Main.
Vor Gnaden- und Adamspforte stehen die verwitterten Sandsteinskulpturen von Löwen. Zwischen diesen beiden Löwen - auf dem Domkranz - wurde Gericht abgehalten. Die Löwen haben ihren Spitznamen „Domkröten“ von dem so genannten Gredgericht (von dem lateinischen Wort gradus für Stufe). Die Bezeichnung Domgreden (= Domstufen) wurde auf die beiden Löwen übertragen und wandelte sich durch Volksetymologie zu Domkröten. Der Sage nach wurden die beiden Kröten vom neidischen Teufel gesandt, um den Dombau zu verhindern. Nachts unterwühlten sie, was am Tag gebaut wurde, brachten den Dom aber nicht zum Einsturz. Als der Lindwurm, der ihnen dabei helfen sollte, gebannt wurde, erstarrten auch die beiden Kröten.:
- „Der Dombau zu Bamberg war einem griechischen Meister aufgetragen. Zu diesem kam ein Jüngling mit der Bitte, er wolle ihn zum Gehilfen nehmen, da man doch zu zweien gewißlich weiter komme, als wenn einer das riesenhafte Werk zu fördern habe. Der Dombaumeister willigte in den Vorschlag und übertrug dem Gehilfen den Bau des Peterthores, während er selbst das Georgenthor übernahm. So arbeiteten die zwei rastlos an dem Werke, ein jeder bemüht es dem andern in Schnelligkeit und Tüchtigkeit des Baues zuvorzuthun. Bald bemerkte man aber, daß der Bau des Georgenthores viel rascher von Statten ging. Das verdroß den Jüngling sehr, und als er sich nicht mehr zu helfen wußte, verschrieb er seine Seele dem Teufel, auf daß ihm dieser Rath schaffen sollte. Von Stund' an änderte sich die Sache. Das Petersthor stieg rascher in die Höhe, während an dem Georgenthor kein Fortschritt bemerklich war; was man des Tages schaffte, fiel zu Nachts wieder ein; denn zwei ungeheure Thiere, halb Kröten, halb Löwen, umschlichen das Werk und unterwühlten die Arbeit des Dombaumeisters. Wie nun der Teufel gedachte, sein Versprechen gelöst und den Ehrgeiz des Jünglings befriedigt zu haben, lud er diesen eines Tages ein, mit ihm auf die Höhe des Petersthores zu steigen und sich das Bauwerk von oben herab anzusehen. Der Jüngling folgte; als er nun oben stand, ergriff ihn der Teufel und schleuderte ihn jählings von der Höhe hinab.“ [7]
Unter dem Adamsportal befindet sich ein unbehauener Stein, auf dem Ehebrecherinnen Kirchenbuße tun mussten, indem sie sich in Trauerkleidern mit brennender Kerze in der Hand und einem Strohkranz auf dem Kopf von den Kirchgängern mit faulen Äpfeln bewerfen lassen mussten.
Fürstenportal
Das Fürstenportal wird nur bei großen Prozessionen geöffnet oder wenn ein verstorbener Bischof in den Dom getragen wird.
Das Fürstenportal, das direkt auf den Domplatz führt, zeigt eine Darstellung des Jüngsten Gerichts mit Christus in der Mitte als Weltenrichter. Zur rechten Seite Christi (vom Betrachter aus links) sind die Erlösten dargestellt, zu seiner Linken die Verdammten. Maria und Johannes der Täufer umfassen kniend die Füße Christi. Zwischen ihnen steigen zwei Tote aus den Gräbern.
Linke Seite
- Zur Rechten Christi kommen drei Engel mit den Leidenswerkzeugen, ein weiterer führt einen König herbei. Ganz am Rand stehen drei lachende und betende Menschen. Letztere sind ein gern verwendetes Motiv auf Postkarten und anderen Darstellungen.
Rechte Seite
- Zur Linken Christi schleppt ein nackter Teufel an einer Kette die Verdammten ab. Beachtlich an der Darstellung ist die Tatsache, dass zu den Verdammten Bischöfe und Könige gehören. Die Menschen des Jüngsten Gerichts krümmen sich vor Verzweiflung und schreien ihren Schmerz heraus.
Auf der Seite der Seligen stand ursprünglich die Statue der Ecclesia, während auf der Seite der Verdammten die Statue der Synagoge stand. Die Skulpturen von Synagoge und Ecclesia zeigen das mittelalterliche Verhältnis von Christentum und Judentum. Während die Synagoge mit verbundenen Augen, entgleitenden Gesetzestafeln und gebrochenem Stab dargestellt ist, zeigt sich die Ecclesia (lateinisch: Kirche) erhaben und trug neben einem Kreuz ursprünglich auch einen Kelch.
Zu der Darstellung der Synagoge gibt es die Sage, dass ein unschuldig zum Tod verurteiltes Mädchen auf dem Gang zur Hinrichtung gebetet habe, der Himmel möge sie von der Schande befreien. In diesem Augenblick fielen Ziegel vom Dach des Doms und erschlugen sie:
- „Der Wärter am Jakobsthore zu Bamberg hatte eine Tochter von großer Schönheit. Da fanden sich lüsterne Herren, das Mägdlein zu verführen; sie widerstand aber allen Einflüsterungen und bewahrte ihre Unschuld. Das verdroß den Satan, und er brachte es dahin, daß die reine bei ihrem Vater sündigen Wandels angeklagt wurde. Der Vater glaubte den falschen Aussagen und ließ sein eignes Kind zum Tode verurteilen. Als sie nun hinausgeführt wurde und auf dem letzten Gange an der Fürstenthüre des Domes die auferlegte Buße verrichten sollte, warf sie sich auf die Kniee und rief zur heiligen Jungfrau: sie wolle gern in den Tod gehen, nur möge die Schmach der Hinrichtung von ihr genommen werden. Und siehe, als sie das Wort gesprochen, fällt ein Ziegel vom Dach mit großer Gewalt und schlägt die flehende todt. Alles Volk erkannte die Unschuld der Tochter, und zum Angedenken wurden zwei Bildsäulen: der heiligen Jungfrau und des Mägdleins - dieses fünf Ziegel in der Hand - an der Fürstenthüre des Domes aufgestellt.“ [8]
Die Originalfiguren von Synagoge und Ecclesia befinden sich seit den 1930er-Jahren im Inneren des Domes, wo sie vor Witterungseinflüssen geschützt sind. Es ist aber auch zu vermuten, dass die Nationalsozialisten nicht unglücklich darüber waren, dass dieser Verweis auf das Judentum von der Außenseite des Doms entfernt wurde.
Einen weiteren Bezug zum Judentum zeigt die Darstellung der Apostel, die auf den Schultern der alttestamentlichen Propheten stehen und der so genannte Augenausstecher, der von oben herab einen Juden blendet.
Veitspforte
Die Veitspforte ist der am wenigsten ausgeschmückte Eingang zum Dom. Dieser Zugang liegt in der Nordwand des Querschiffes. Die Portalwand ist dreifach gegliedert, die Säulen sind mit Kelch- und Knospenkapitellen geschmückt, im Bogenfeld ist ein Vierpass eingebaut.
Die Veitspforte folgt der frühgotischen zisterziensischen Bauweise des Klosters Ebrach, dreißig Kilometer westlich von Bamberg. Das 1127 gegründete Kloster Ebrach war die erste rechtsrheinische Niederlassung des Ordens und brachte die französische Gotik nach Deutschland. Mitglieder des Ordens wurden so oft an die verschiedenen Baustellen gerufen, dass der Papst den Orden an seine eigentlichen Aufgaben erinnern musste und das Ausleihen von Mönchen als Baumeister untersagte.
Die Veitspforte ist benannt nach der Sankt-Veits-Pfarrei für die weltlichen Bewohner der Domburg. Die Sankt-Veits-Pfarrei besaß ihren liturgischen Mittelpunkt am Sankt-Veits-Altar im nördlichen Domquerschiff, das die Pfarrangehörigen durch die Veitspforte betraten. Der heilige Vitus war der Patron jenes Altars, der für die Laienbediensteten des Domstifts bestimmt war. Heute dient die Veitspforte als ein Nebeneingang des Domes, der nur während der Gottesdienstzeiten geöffnet wird.
Räume und Kapellen
Ostchor (Georgenchor)
Der hochgelegene Chor wird seitlich durch hohe Mauern (Schranken) begrenzt und hat eine Fußbodenfläche mit unterschiedlichen Ebenen. Der Dombaumeister musste ständig seine Pläne ändern, weil ständig das Konzept geändert wurde. Funktionslosen Säulen zeugen von diesem Hin- und Her zwischen Flachdecke und Gewölbe. Bei einer hölzernen Flachdecke war die Feuergefahr erheblich größer als bei einem steinernen Gewölbe. Ein Gewölbe war erheblich teurer. Letztlich entschied man sich doch für das Gewölbe, wohl im Hinblick auf die verheerenden Brände im Dom.
An der Außenseite des Ostchors ist eine kleine kreisrunde Öffnung zu sehen, das so genannte Sonnenloch, das nicht als Fenster diente, sondern in einen Schrank führte, in dem der Schädel der heiligen Kunigunde aufbewahrt wurde. Aus dieser Öffnung ergoss sich die Heilskraft der Kopfreliquie über die Stadt. Achim Hubel äußerte sich dazu folgendermaßen:
- „Alleine das Bewußtsein von der Existenz der Reliquie hinter der Öffnung muß die Menschen fasziniert haben und macht verständlich, warum der Ostchor auch als 'St. Kunigundens Werk' bezeichnet wurde.“ [9]
Eine ältere Erklärung weist darauf hin, dass am Namenstag des heiligen Apostels Petrus, dem 29. Juni die Sonne für kurze Zeit auf seinen Hauptaltar im Westchor des Doms scheinen soll.
Krypta
In der Hallenkrypta unter dem Ostchor befinden sich die Gräber des Bischofs Gunther von Bamberg und des Königs Konrad III. Außerdem steht hier ein Brunnen, der noch heute für Taufen verwendet wird. Allerdings muss zu diesem Zweck das kalte Wasser angewärmt werden. Der alte Brunnenschacht war wahrscheinlich schon vor dem Dombau vorhanden und wurde dann in die Krypta integriert.
Die Krypta unter dem Georgenchor ist der älteste Teil des neuen Dombaus. Hier wurde der Dombau begonnen. Sie wurde als dreischiffige Hallenunterkirche angelegt und hat eine Länge von 27 Metern. Bei Ausgrabungen im Jahr 1969 vor dem Hochchor stieß man auf einen schachtartigen Raum. Dieser war ein Teil der ehemaligen Ostkrypta, die nach dem ersten Dombrand durch Bischof Otto I. erweitert und nach Errichtung der jetzigen Ostkrypta mit Bauschutt verfüllt worden war.
In der Ostkrypta steht seit 1845 das Hochgrab des deutschen Königs Konrad III.. Konrad starb 1152 in Bamberg auf dem Weg nach Rom, ohne die Kaiserkrone erlangt zu haben und wurde dort gegen seinem Wunsch, nicht im staufischen Hauskloster Lorch, sondern im Bamberger Dom beigesetzt. Ursprünglich befand sich sein Grab nahe am Grab des Kaisers Heinrich. Als aber das Kaisergrab Tilman Riemenschneiders aufgestellt wurde, mussten die alten Grablegen in der Nähe des Kaiserpaares aufgelassen werden. Auf Wunsch des bayerischen Königs Ludwig I. wurde Konrad III. deshalb feierlich in die Krypta umgebettet.
Apsisgemälde
Seit der Purifizierung im 19. Jahrhundert befand sich der Hauptaltar im Ostchor. Da dieser um Einiges höher liegt als das Mittelschiff, konnten die Gläubigen der Messe kaum folgen. Um das liturgische Zentrum des Doms wenigstens optisch zu betonen, wurde eine Ausgestaltung der Apsiswölbung mittels eines Mosaiks nach dem Vorbild von Ravenna erörtert.
Der Ostchor ist im romantischen Stil gebaut, das Fresko in der Halbkuppel über der Apsis stammt jedoch von Karl Kaspar aus dem Jahr 1928 und zeigt den Weltenrichter Christus in der Mandorla. Nach der Fertigstellung war das Echo geteilt: Während die Befürworter in dem Gemälde ein großartiges Kunstwerk sahen, sah sich die Gegenseite in ihrer Meinung bestätigt, dass die gestellte Aufgabe ohnehin nicht zu lösen gewesen sei. Auf dem Bild sind folgende Motive dargestellt:
- Mitte: Christus mit segnend ausgebreiteten Armen, über ihn die Hand Gottes herab, zwei Hirsche, die aus einer Quelle trinken als Symbole für die Gott suchende menschliche Seele („So wie der Hirsch dürstet nach Wasser, so schreit meine Seele zu Dir, o Gott!“ Psalm 41, 2)
- Links und rechts: Symbole der vier Evangelisten (Engel für Matthäus, Löwe für Markus, Stier für Lukas und Adler für Johannes), ganz außen Schutzpatrone des Doms (Petrus mit Schlüssel und Modell des Doms, Georg in Rüstung mit Speer und Schild)
Die lateinische Umschrift am unteren Bildrand lautet:
- „EGO SVM A ET Ω PRINCIPIVM ET FINIS QVI EST ET QVI ERAT ET QVI VENTVRVS EST OMNIPOTENS“
- (Übersetzung: „Ich bin das Alpha und das Omega, Anfang und Ende, der ist und der war, und der kommen wird, der Allmächtige.“)
Das Chorgestühl im Ostchor wurde im Zusammenhang mit der Neugestaltung des Doms erneuert, doch wurden dabei die um die Mitte des 14. Jahrhunderts geschaffenen Schnitzwerke wieder eingebaut.
Ostchorschranke
An der Ostchorschranke befinden sich plastische Darstellungen der Apostel auf der Südseite und auf der Nordseite der Propheten. Je zwei von ihnen werden in der Diskussion um die Glaubenswahrheiten gezeigt. Aufschlussreich wäre es, wenn die Namen auf den Spruchbändern noch lesbar wären. So ist nur der Prophet Jonas an seinem Kahlkopf zu erkennen.
Die zwölf Apostel an der Südseite sind die stilistisch ältere Arbeit. Sie stehen für den Neuen Bund zwischen Gott und den Menschen und halten in ihren Händen Spruchbänder, auf denen vermutlich jeweils ein Artikel des apostolischen Glaubensbekenntnisses geschrieben stand. Nach dem Kirchenlehrer Augustinus soll jeder Apostel am Pfingsttag, vom Heiligen Geist inspiriert, einen Satz formuliert haben. Bei der Apostelreihe steht auch die Reliefplatte mit dem Erzengel Michael, der einen Drachen tötet, was als Hinweis auf das Jüngste Gericht zu verstehen ist.
Die künstlerische Ausgestaltung der Apostelreihe ist noch etwas unbeholfen. So wirken die Arme und Beine angesetzt und erscheinen die Füße eigenartig auseinander gestellt. Die Köpfe sehen einheitlich aus. Sie zeigen keine individuellen Züge und Mimik. Zum Teil verlaufen die Gewandfalten von unten nach oben. Ursprünglich waren die Apostelreliefs farbig gefasst. Die östlichen Reliefplatten zeigen deutlich sichtbare Farbreste. Die Säulchen schimmerten in Gold, die Arkadenbögen waren mit verschlungenen Ornamenten bemalt und die Gewänder farbig. Der Restaurator Friedrich Karl Rupprecht entdeckte bei der Purifizierung des Doms unter zahlreichen späteren Anstrichen eine polychrome Fassung und dachte sogar an die Wiederherstellung. Die Gesichter, Hände und Füße der Apostel waren inkarnatfarbig, die Haare und Bärte grau. Der Reliefgrund war blau.
Die zwölf Propheten an der Nordseite sind stilistisch weiter entwickelt. Sie stehen für den Alten Bund. Auf ihren Spruchbändern waren vermutlich Sätze aus den Weissagungen zu lesen, die auf das Neue Testament hindeuten. Die Körper lösen sich zunehmend vom Reliefgrund ab und entwickeln sich schon zu fast vollplastischen Skulpturen. Untersuchungen ergaben, dass die Prophetenreliefs nicht farbig bemalt waren. Nur Gewänder, Gewandsäume und Attribute der Propheten zeigen Spuren von Versilberung und Vergoldung. Die Freude am Variieren kunsthandwerklicher Techniken zeigen Bohrungen an Schuhriemen oder Perlenbesatz an Gewandsäumen.
Neben den Propheten befinden sich noch weitere Figuren: Der so genannte lachende Engel reichte ursprünglich dem heiligen Dionysius, der seinen abgeschlagenen Kopf zu seinem Grab getragen haben soll, die Krone des Martyriums. Papst Clemens II. starb an einem 9. Oktober, dem Gedenktag des heiligen Dionysius. Dies ist vermutlich der Grund für seine Verehrung im Bamberger Dom.
- Die mittlere weibliche Gestalt gilt als Maria.
- Die linke, eine Greisin, wird als Sibylle (eine Prophetin, die unaufgefordert die Zukunft weissagt), die Heilige Anna (Großmutter Jesu) oder Elisabeth (die Mutter Johannes des Täufers) gesehen.
- Die rechte Figur ist der so genannte lachende Engel.
Die Figur der Maria und die Figur der Elisabeth, die auch Seherin genannt wird, sollen eine Heimsuchungsgruppe gewesen sein. Auch wenn die Zusammengehörigkeit dieser beiden Figuren in Frage gestellt wird, weisen jüngere Forschungsergebnisse zur Bemalung darauf hin, dass Maria und Elisabeth abweichend von allen übrigen Domskulpturen gefasst waren. Möglicherweise waren beide Skulpturen für eine Aufstellung an zwei benachbarten Pfeilern vorgesehen. Dies wäre auch eine Erklärung für die Körperdrehung Elisabeths. Im Augenblick ihrer Begegnung mit der schwangeren Maria erkennt die schwangere Elisabeth wie eine Seherin das Geheimnis der Menschwerdung Gottes wie es im Lukasevangelium (1, 39-46) geschrieben steht:
- „Maria aber machte sich in diesen Tagen auf und wanderte eilends nach dem Bergland in eine Stadt Judas und trat in das Haus des Zacharias und begrüßte Elisabeth. Und es begab sich, als Elisabeth den Gruß der Maria hörte, da hüpfte das Kind in ihrem Leibe, und Elisabeth wurde mit dem Heiligen Geist erfüllt und brach mit lauter Stimme in die Worte aus: Gesegnet bist du unter den Frauen und gesegnet ist die Frucht deines Leibes.“
Georg Dehio stellte im 19. Jahrhundert fest, dass die Heimsuchungsgruppe vom Hauptportal der Kathedrale von Reims Vorbild für Bamberg war. Die Reimser Skulptur ihrerseits war direkt von der antiken Skulptur abhängig, denn Reims war im 13. Jahrhundert ein Zentrum der Antikenrezeption. Dort hatten die Bildhauer auch Gelegenheit, antike Bildwerke zu studieren.
Westchor (Peterschor)
Der dem heiligen Petrus geweihte Westchor ist seit der Umgestaltung der Bereich des Bischofs und des Domkapitels und Standort des Hauptaltars. Hier befinden sich auch das Papstgrab und der Bischofssitz, die Kathedra.
Schlussstein
Über dem Westchor fällt der aus der Achse gerückte Schlussstein des Gewölbes auf. Auch wenn dies lediglich bautechnisch bedingt war, hat es immer wieder zu Erklärungsversuchen angeregt. So heißt es, dass dadurch die Bauleute darauf hinweisen wollten, wie Christus am Kreuze sein Haupt neigte und starb. Einer anderen Überlieferung zufolge sollte dadurch zum Ausdruck gebracht werden, dass das Bauwerk vor Gott als unvollkommenes Menschenwerk erscheint.
Hinter der gotischen Bauweise steht religiöse Symbolik. Derzufolge stehen die Säulen und Pfeiler für die Apostel und Propheten, die den Glauben tragen, während Jesus der Schlussstein ist, der eine Mauer mit der anderen verbindet.
Chorgestühl
Das Chorgestühl ist das sichtbare Zeichen für das Wirken des Domkapitels. Hier hat jedes Mitglied seinen Chorplatz, der Symbol für das Amt des Kapitulars in der Gemeinschaft des Kollegiums ist. Das westliche Chorgestühl wurde um 1380 gestaltet. Das Chorgestühl ist aus Eichenholz geschnitzt und umfasst 66 Einzelsitze. Man vermutet, dass das Chorgestühl nach dem Vorbild des Prager Veitsdoms gestaltet wurde. Kaiser Karl IV. berief den Architekten Peter Parler nach Prag. Der Bamberger Bischof Lamprecht von Brunn wiederum war Berater Kaiser Karls IV. und später Kanzler dessen Sohns König Wenzel der Faule. Dies stützt die Annahme, dass das Chorgestühl im Westchor ähnlich dem von Parler entworfenen, 1541 verbrannten Chorgestühl des Veitsdoms gestaltet wurde.
Die reich verzierten Abschlusswangen zeigen im Norden einen Propheten und die Verkündigung des Herrn an Maria. An der gegenüber liegenden Abschlusswange sind ein Prophet und Maria mit Kind dargestellt. Eine Löwin, die ihre tot geborenen Jungen durch Anhauchen zum Leben erweckt, steht als Verkörperung der Auferstehung.
Die Buchablage zeigt Personifikationen der Kardinaltugenden, die auch auf dem Papstgrab dargestellt sind:
- Ein lesender Bischof symbolisiert die Klugheit (lateinisch: prudentia / sapientia).
- Samson, der dem Löwen das Maul aufreißt steht für Stärke (lateinisch: fortitudo).
- Die Mäßigkeit (lateinisch: temperantia) reitet auf einem Kamel.
- Die Gerechtigkeit (lateinisch: iustitia) wird mit einer Krone, nicht wie sonst üblich mit einer Waage, dargestellt.
Papstgrab
Im Bamberger Dom befindet sich außer dem Kaisergrab auch das Grab des Papstes Clemens II., das einzige Grab eines Papstes nördlich der Alpen. Clemens, vordem Bischof Suitger von Bamberg, wurde auf der Synode von Sutri zum Papst bestimmt, blieb aber weiterhin Bischof von Bamberg, seiner „süßesten Braut“. Nach seinem rätselhaften Tod wurde sein Leichnam nach Bamberg überführt und befindet sich heute - kaum sichtbar und nicht öffentlich zugänglich - hinter dem Bischofsstuhl, der Kathedra.
Der Sarkophag aus italienischem Marmor ist mit Reliefs geschmückt, die man für Werke des 20. Jahrhunderts halten könnte, sie stammen jedoch aus der Mitte des 13. Jahrhunderts. Die Reliefs zeigen folgende Motive:
- Östliche Schmalseite: Papst Clemens II. auf dem Sterbebett mit dem Erzengel Michael, der die Seelen geleitet
- Westliche Schmalseite: Johannes der Täufer, der auf den kommenden Christus hinweist
- Westliche Längsseite: Kardinaltugenden:
- Iustitia: Waage als Symbol für die Gerechtigkeit
- Fortitudo: Löwe für die Stärke
- Prudentia: Drache für Weisheit
- Temperantia: Mischung von Wein und Wasser für die Mäßigung
- Nördliche Längsseite: Paradiesströme. Der Überlieferung nach gab es den Strom, „der von Eden ausging“ und sich dann im Garten Eden in vier „Hauptflüsse“ - Pischon/Chawila, Gichon/Kusch, Hiddekel (Tigris) östlich von Aschur und Perat (Euphrat) - teilte.) In Genesis 2,10-14 heißt es:
„„Ein Strom kommt aus Eden, den Garten zu bewässern und von dort aus teilt er sich zu vier Hauptströmen. Des ersten Name ist Pischon, der das ganze Land Chawila umringt, wo das Gold ist. Das Gold dieses Landes ist gut. Dort findet man das Bedolach-Erz und den Schoham-Stein. Der Name des zweiten Stroms ist Gichon, der das ganze Land Kusch umringt. Der Name des dritten Stroms ist Chidekel, der auf der Morgenseite von Aschur fließt und der vierte Strom ist Perat.““
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Die Deckplatte des Grabes stammt aus dem 17. Jahrhundert. Sechs Basistrommeln weisen darauf hin, dass über dem Grab ein Baldachin angebracht war, zu dem die Papstplastik an den nördlichen Chorschrankenpfeilern gehörte.
Der zweite Papst, der den Bamberger Dom besuchte, war Leo IX. - ebenfalls ein Papst aus Deutschland -, der im Jahr 1052 den Gräbern von Heinrich und Kunigunde sowie dem Sarkophag seines Vorgängers Klemens II. seine Reverenz erwies. Bei der Erhebung des Bamberger Domes zur Basilica minor betonte Papst Pius XI., „daß der Dom zu Bamberg vor allen anderen Kathedralen Deutschlands dadurch sich auszeichnet, daß in ihm das Grabmal Unseres Vorgängers Clemens II. sich befindet“.
Im Archiv des Erzbistums Bamberg gibt es eine Aufzeichnung aus dem Jahre 1824 über eine Öffnung des Papstgrabes im Jahr1731:
- „Anno 1731 den 22 Octobris ist das Grab Pabst Clementis II, weil solches zu repariren höchst nöthig, in Gegenwart Capitulfarsl v. Horneck, Subcustodis, Obleyers und 4 Kirchnern von den Werkleuten geöffnet worden. Vorn auf dem Haupte waren viele lichtgelbe Haare, die Pontifikal Paramenten blau, seine Länge 6 Schuh 3 Zoll, M,v Reider 1824.“ [10]
Im Zweiten Weltkrieg wurde das Papstgrab am 3. Juni 1942 erneut geöffnet und mit anderen Kunstwerken an einem sicheren Ort geborgen. Bei der Rückführung im Jahr 1947 wurden nur noch die Gebeine des Papstes im Dom beigesetzt. Die Textilien sowie Grabbeigaben wurden restauriert und sind seitdem im Diözesanmuseum ausgestellt.
Kathedra
Die Kathedra, der Bischofsstuhl, steht seit dem Jahr 1969 vor dem Papstgrab. Sie ist Zeichen für den Verkündigungsauftrag des Bischofs, auf ihr darf nur der rechtmäßig bestellte und geweihte Bischof Platz nehmen. Die Kathedra des Bamberger Doms ist ein neuromanisches Kunstwerk das Erzbischof Joseph von Schork anlässlich seines goldenen Priesterjubiläums im Jahr 1904 vom Metropolitankapitel als Geschenk erhielt. Sie besteht aus einem hölzerne, mit vergoldetem Kupferblech und geprägtem Leder überzogenen Stuhl, der mit Halbedelsteinen verziert ist.
Auf dem Mittelfeld der Innenseite befinden sich folgende Motive:
- Amtswappen des Erzbischofs Joseph von Schork
- Hauptpatrone des Doms, Petrus und Georg
Die Elfenbeinreliefs am Ansatz der Rückenlehne zeigen:
- Erzengel Michael, heilige Kunigunde,
- heiliger Joseph (Namenspatron des Erzbischofs),
- heiliger Kilian (Würzburger Bistumspatron, Heimatdiözese Schorks)
Die Vierpässe an den Seitenlehnen zeigen:
- Fischzug Petri
- Kampf des heiligen Georg mit dem Drachen
Auf der Rückseite befinden sich in Leder geprägt die Personifikationen der vier Kardinaltugend und die lateinische Widmung:
- „THRONO ILLIVS PAX VSQVE IN AETERNVM A DOMINO R[everendissi]MO AC ExC[ellendissim]MO D[omi]NO D[orfino] D[octori] IOSEPHO DE SCHORK ECCLESIAE BAMBERGENSI ARCHIPRAESVLI DIE NATALI SEPTVAGIES RECVRRENTE D[ono] D[edit] D[edicavitque] CAPITVLVM METROPOLITANVM DIE VII. DECEMBRIS MDCCCIC“
- (Übersetzung: „Seinem Thron Frieden auf ewig vom Herrn, dem hochwürdigsten und hochverehrten Herrn, Herrn Doktor Joseph von Schork, dem Erzbischof der Bamberger Kirche, zur 70. Wiederkehr seines Geburtstags, und hat diesen Sitz zum Geschenk gemacht und zugeeignet das Metropolitankapitel am 7. Dezember 1899“
Volksaltar
Schon der erste Bamberger Dom hatte acht Altäre. Während der Purifizierung wurden sieben neuromanische Altäre aufgestellt, von denen einige noch erhalten sind. Seit der liturgischen Neuordnung nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil dienen diese Nebenaltäre nur noch teilweise der Eucharistie. Bis zum Jahr 1969 war der Georgsaltar im Ostchor der Hauptaltar. Er ist der einzige Altar, der von der neuromanischen Ausstattung unverändert erhalten geblieben ist.
Aus den Beschlüssen des Zweiten Vatikanischen Konzils ergab sich, dass die Messe nur noch an einem einzigen Altar, dem so genannten Volksaltar, gefeiert werden solle. Der Altar sollte die Mitte sein, die im Blick aller Gottesdienstbesucher sein sollte. Aus diesem Grund wurde in den 1970er Jahren die Altar-Insel vor dem Westchor geschaffen.
Der Volksaltar besteht aus einem Sandsteinsockel, an dem zehn Bronzetafeln angebracht sind:
- Südseite: Geburt und Taufe Christi
- Ostseite: Christus am Ölberg, Kreuzigung und Auferstehung
- Nordseite: Emmaus-Erzählung und die Wiederkunft Christi am Jüngsten Tag
- Westseite: Amtswappen des Erzbischofs Josef Schneider mit dem Wahlspruch „IN SPE FORTITVDO NOSTRA“ (In der Hoffnung liegt unsere Stärke)
Das Wappen des Erzbischofs wird flankiert von der Losung des eucharistischen Weltkongresses 1960 in München „PRO MVNDI VITA“ (Für das Leben der Welt) und der Devise des im Jahr 1966 in Bamberg abgehaltenen 81. Deutschen Katholikentags „IN VERBO TVO“ (Auf dein Wort hin). Dieser Altar ist das wichtigste Kunstwerk der Gegenwart im Dom.
Mittelschiff
Das Mittelschiff ist die eigentliche „Kirche“ des Doms. Von der Gesamtlänge nimmt das Mittelschiff etwa ein Drittel ein und war der verbindende Baukörper zwischen den beiden Chören. Besondere Bedeutung bekam das Mittelschiff, als die nebeneinander liegenden Hochgräber der beiden heiliggesprochen Bistumsgründer Heinrich und Kunigunde Mittelpunkt der Frömmigkeit wurden. Dies blieb auch so, als im Zuge der Barockisierung das Kaisergrab an die Rampe des Ostchores versetzt wurde. Dennoch blieb der Raum über die Jahrhunderte unverändert.