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4'33"

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4'33" ist ein Musikstück des Avantgarde-Komponisten John Cage.

In der Hinsicht, dass während des Stückes auf einer beliebigen Anzahl von Instrumenten kein einziger Ton gespielt wird, ist es das eigenartigste Musikwerk, das je geschaffen wurde – es hinterfragt nämlich die Definition der Musik an sich. Als noch zugespitzter könnte höchstens noch Cages weniger bekanntes 0'00" gelten, welches nicht einmal mehr in der Zeit, sondern nur noch im Programmheft stattfindet. Seine Aufführung ist nicht mehr wahrnehmbar.

Inhaltsverzeichnis

Komposition

Die gesamte Komposition in drei Sätzen, ohne Noten; alle Anweisungen beschränken sich auf Tacet:

I
TACET

II
TACET

III
TACET
</tr></table>

In einer Anmerkung fügt Cage noch hinzu, dass der Titel die Gesamtdauer der Aufführung in Minuten und Sekunden ist, und dass das Werk beliebig lange dauern kann: Sogar der Titel kann also variieren und geht in der bekannten Form lediglich auf die Uraufführung zurück (siehe dort). Außerdem kann das Stück von jeder Anzahl und Kombination von Instrumenten aufgeführt werden.

Entstehung

In den späten 1940er Jahren besuchte John Cage die echofreie Kammer der Universität Harvard. Eine echofreie Kammer ist so konstruiert, dass die Wände, die Decke und der Boden keinerlei Geräusche zurückwerfen; dazu sind solche Räume oft fast vollkommen schalldicht.

Cage betrat den Raum und erwartete, rein gar nichts zu hören - aber er schrieb später:

Ich hörte zwei Töne, einen hohen und einen tiefen. Als ich dies dem verantwortlichen Ingenieur beschrieb, erklärte er mir, dass der hohe Ton ständig vom Nervensystem erzeugt werde, während der tiefe von der Blutzirkulation stamme.

Ob diese Erklärung der Tatsache entspricht oder nicht, Cage begab sich an einen Ort, wo er kein Geräusch erwartete - und trotzdem solche hörte.

Bis ich sterbe, wird es Geräusche geben. Und diese werden meinen Tod überdauern. Man braucht keine Angst um die Zukunft der Musik zu haben.

Diese Erfahrung führte, zusammen mit vielen weiteren Erfahrungen , u.a. der Beschäftigung mit den Bildern Rauschenbergs, zu 4'33".

Uraufführung

In der Uraufführung am 29. August 1952 in Woodstock, N.Y. zeigte der Pianist David Tudor die 3 Sätze durch Schließen und Öffnen des Klavierdeckels an. Er erwürfelte vor der Aufführung als Dauern für die 3 Sätze 33", 2'40" und 1'20", was eine Gesamtlänge von 4'33" ergibt.

Probleme der Interpretation

Das Stück wirft einige Fragen auf, die die Definition von Musik und Interpretation insgesamt betreffen.

  • „Spielt“ der Interpret überhaupt, wenn er keine Töne erzeugt?
  • Ist die Stille das Stück – oder die Geräusche, die man sonst beim Musikhören ausblendet, also Klimaanlage, Publikumsgeräusche, draußen vorbeifahrende Autos etc?
  • Worin liegt die Kunst des Komponisten, wenn man sowieso nichts hört? (Klassisches Argument hierzu: „Das kann ja jeder!“).
  • Was ist der Unterschied zwischen den Sätzen und den Pausen dazwischen bzw. danach?
  • Wird hier nur mit einer Erwartungshaltung des Hörers gespielt, die dann nicht befriedigt wird, wird also die Aufführungs-Situation problematisiert, oder geht es um das Erlebnis des Nichts, der Stille oder der sonst nicht wahrgenommenen Nebengeräusche?

Radioaufführungen

Am 16. Januar 2004 wurde auf BBC Radio 3 das Stück zum ersten Mal im Rundfunk gesendet und gleichzeitig das erste Mal von einem Orchester gespielt. Techniker mussten die Notfallsysteme des Radios ausschalten, welche bei auftretenden Störungen („Stille“) automatisch Mitteilungen an die Zuhörer senden lassen. Das Publikum klatschte enthusiastisch.

Plagiat

Im Juli 2002 wurde der Komponist Mike Batt wegen Plagiarismus von John Cages Erben verklagt, nachdem Batt sein Stück „A One Minute Silence“ unter der Autorschaft „Batt/Cage“ herausgegeben hatte. Anfänglich sagte Batt, er werde sich gegen diese Vorwürfe wehren und erklärte, dass sein Stück „ein sehr viel besseres stilles Stück“ ist, und „ich war in der Lage, in einer Minute das zu erzählen, für was Cage vier Minuten und 33 Sekunden brauchte“. Batt hat im September 2002 mit den Erben von John Cage einen außergerichtlichen Vergleich abgeschlossen und zahlte eine ungenannte sechsstellige Entschädigung.

Weblinks

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