Plattenkamera

KategorienGeschichte

Plattenkameras: Anfänge des Kamerabaus

Um 1839 basierten alle Kameras auf den Bauplänen der Camera obscura, die ab etwa 1825 um eine Prismenlinse ergänzt worden war.
Schiebekastenkameras

Ein solches Modell konstruierte der Chemiker Franz Ritter von Kobell (* München 1803, † ebd. 1882) und der Physiker Carl August von Steinheil (* Rappoltsweiler [Elsaß] 1801, † München 1870) bereits 1839 aus verschiebbaren Pappröhren; ihre Variante war handlich (12,7x7,6 cm), verfügte über eine achromatische Linse und ein Bildformat von 3,8x5,1 cm mit runden Negativen.

Sie fotografierten verschiedene Gebäude in München, darunter die Glyptothek und die Türme der Frauenkirche. Diese ersten in Deutschland aufgenommenen Fotografien waren allerdings keine Daguerreotypien, sondern auf Chlorsilberpapier festgehaltene Negative. Um ein Positiv zu erhalten, nahm Steinheil sie mit seiner Kamera nochmals auf.

Noch im selben Jahr baute von Steinheil die erste (ebenfalls tubusförmige) Metallkamera, mit welcher Daguerreotypien im Bildformat von 8,5x11 mm für Schmuckstücke und Medaillons hergestellt wurden. Sie war die erste Kleinstbildkamera der Welt, von der in Deutschland mindestens zehn Exemplare produziert wurden.

Abbildung: Schema einer Daguerreotypie-Kamera.

Die ersten für den Verkauf bestimmten und damit die ersten serienmäßig hergestellten fotografischen Kameras wurden von dem Pariser Kamerafabrikanten Alphonse Giroux im Auftrag von Louis Jacques Mandé Daguerre nach den von ihm entwickelten Apparaten gebaut und ab September 1839 angeboten.

Die erste (hölzerne) Daguerreotypie-Kamera aus dem Jahr 1839 hatte im geschlossenen Zustand die Maße 26,7x31,1x36,8 cm. Giroux betrieb auch das erste Fotogeschäft der Welt, in dem er alles anbot, was fu die Daguerreotypie notwendig war.
Balgenkameras

Die erste mit Balgen ausgerüstete fotografische Kamera (für Daguerreotypien) (Balgenkamera) stellte der Franzose Armand Pierre de Séguier 1839 in Paris vor. Doch gab es diesen Kameratyp, der teils aus Holz, teils aus Metall gefertigt war, für den allgemeinen Gebrauch erst ab 1851.

Die Balgenkameras, die sich zusammenklappen ließen, waren im Vergleich zu den Schiebekastenkameras ein großer Fortschritt und blieben auch noch nach Einführung der Glasplatte als Träger des fotografischen Negativs aktuell.
Klapp- und Faltkameras

Bei diesem Kameratyp handelte es sich um Apparate mit ausklappbaren oder herausziehbaren Balgen; im geschlossenen Zustand hatten sie die Gestalt eines handgroßen Etuis.

Das erste Modell einer Klappkamera stellte die Eastman Kodak Company 1897 in London erstmals öffentlich vor. Es setzte sich unter der Bezeichnung Folding Pocket Kodak durch und kostete anfangs acht Dollar.

In der Folgezeit gaben fast alle Kamerahersteller Klappkameras heraus. Nach dem Zweiten Weltkrieg ließ das Interesse an diesem Kameratyp nach; ab den sechziger Jahren wurde er nicht mehr produziert.
Magazin- und Multiplikatorkameras

Alle Plattenkameras hatten den Nachteil, daß jeweils nur eine Platte eingeschoben und belichtet werden konnte. Um den lästigen Plattenwechsel zu vermeiden, wurden verschiedenen Möglichkeiten:
Magazinkameras: fotografische Kameras mit Mehrplattenmagazinen;
Multiplikatorkameras: fotografieren mehrerer Aufnahmen auf einer Platte.

Das vermutlich erste Patent auf eine Magazinkamera erhielt 1854 der Engländer Thomas E. Merrit.

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