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Camera obscura
Frühgeschichte der fotografischen Kamera Die Camera obscura (lat. camera, "Kammer" und obscurus, "dunkel"; also "dunkle Kammer") ist ein von innen geschwärzter Kasten, der mit einem kleinen Loch versehen ist. Das durch das kleine Loch einfallende Licht projiziert auf die Rückwand der Kamera das seitenverkehrte Bild der Außenwelt in Farbe und mit Bewegung (s.a. Lochkamera). Abbildung: Camera obscura, um 1825. (Pseudo-) Aristoteles beschrieb in der apokryphen Schrift Problemata physica zum ersten Mal die Umkehr des Bildes, wenn Licht durch ein Loch fällt und empfahl die Vorrichtung zur Beobachtung einer Sonnenfinsternis. Er beobachtete auch schon, dass, je kleiner das Loch ist, das Bild umso schärfer, aber auch lichtschwächer abgebildet wird. Das Prinzip der Lochkamera war auch im arabischen Kulturraum bekannt; hier beschrieb es als erster der arabische Physiker und Mathematiker Ibn al-Haitham (oder Abu Ali Alhazen; * Basra 965, † Kairo um 1040). Um 900 verwendeten arabische Gelehrte den Kamera-Vorläufer als astronomisches Gerät beispielsweise zur Beobachtung von Sonnen- und Mondfinsternissen; auch Albertus Magnus soll das Prinzip der Camera obscura gekannt haben. Vom Ende des 13. Jahrhundert an wurde die Camera obscura auch von Astronomen im Europäischen Raum zur Beobachtung von Sonnenflecken und Sonnenfinsternissen benutzt, um nicht mit bloßem Auge in das helle Licht der Sonne blicken zu müssen. Roger Bacon baute für Sonnenbeobachtungen die ersten Apparate in Form einer Camera obscura. Leonardo da Vinci untersuchte den Strahlengang und stellte fest, dass dieses Prinzip in der Natur der Funktionsweise des Auges entspreche; daraus leitete er ab, dass sich durch Linse und Iris die Schärfe und Lichtmenge regulieren ließe; Leonardos Entdeckungen aus den Jahren 1490 bis 1492 wurden jedoch erst 1797 bekannt, als seine Spiegelschrift erstmals entziffert wurde: »Wenn die Fassade eines Gebäudes, oder ein Platz, oder eine Landschaft von der Sonne beleuchtet wird und man bringt auf der gegenüberliegenden Seite in der Wand einer nicht von der Sonne getroffenen Wohnung ein kleines Löchlein an, so werden alle erleuchteten Gegenstände ihr Bild durch diese Öffnung senden und werden umgekehrt erscheinen«. Weitere Nutzungen in der frühen Neuzeit: Abbildung: Reiner Gemma-Frisius: Camera obscura, 1544. Die Sammellinse als Möglichkeit zur Verbesserung der Abbildung wurde 1568 durch den Venezianer Daniele Barbaro in seinem Werkt La pratica della perspettiva (158) beschrieben: »Auch muß das Linsenglas so weit abgedeckt werden, dass nur eine kleine Öffnung in der Mitte freibleibt, dann wird man eine lebhaftere Wirkung erhalten«. 1589 setzt der italienische Physiker Giovanni Battista Della Porta (* Neapel 1535, † ebd. 1615) diesen Konstruktionsvorschlag praktisch um (Magia naturalis, 1558); andere Quellen nennen allerdings Girolamo Cardano als Erfinder der Linse für die Camera obscura (De subtilitate, 1550). Della Porta empfahl die Camera obscura auch als Zeichenhilfe für Menschen, die schlecht malen könnten. Abbildung: Moderne Camera obscura mit integrierter mattierter Glasscheibe (Mattscheibe) auf der Kastenoberseite, die als Zeichenfläche diente; gezeichnet wurde auf transparentem Papier. Die bisher konstruierten Modelle der Camera obsura waren ortsgebunden, erst Athanasius Kircher beschrieb 1646 eine zwar noch zimmergroße, aber immerhin schon transportable Variante. Weitere Fortschritte in der Mobilität erzielte Johannes Zahn, der 1686 eine transportable Camera obscura konstruierte: Ein Spiegel, der im Winkel von 45 Grad zur Linse im Inneren der Kamera angebracht war, projizierte das Bild nach oben auf eine Mattscheibe und konnte so bequem abgezeichnet werden (Spiegelreflex-Konstruktion mit Ablenkspiegel). Bis ins 19. Jahrhundert nutzten Künstler die Camera obscura von Malern vor der Fotografie gern als Zeichenhilfe genutzt. Man konnte in ihr die Landschaft auf Papier abmalen und dabei alle Proportionen richtig wiedergeben. Bekannteste Beispiele sind Canaletto mit seinen berühmten Gemälden von Dresden und Warschau sowie Caspar David Friedrich und Jan Vermeer. Auch der Astronom Johannes Kepler nutzte eine Camera obscura. Francesco Algarotti (1764): »Die besten Maler Italiens haben sich zum großen Teil mit diesem Apparat versehen; anders wäre es auch gar nicht möglich gewesen, daß sie die Dinge so lebensecht darstellen«. Was für die Photo-graphie allerdings noch fehlte, war Abbildung: Camera obscura ("Encyclopédie, ou dictionnaire raisonné des sciences, des arts et des métiers", 1772) Michel Frizot (Hrsg.): Neue Geschichte der Fotografie Beaumont Newhall: Geschichte der Fotografie Willfried Baatz: Geschichte der Fotografie (Schnellkurs) Boris von Brauchitsch: Kleine Geschichte der Fotografie Haberkorn Heinz: "Anfänge der Fotografie. Entstehung eines neuen Mediums", Hamburg 1981 Jürgen Königs (Hrsg.): "Aspekte '89. Katalog zur Ausstellung. Lochkamera-Fotografie", Siegen 1989 Harald Mante: "Bildaufbau. Gestalten in der Fotografie", München 1981 Brill, Falk, Stork: "Ein Blick ins Licht. Einblicke in die Natur des Lichts und des Sehens in Farbe und Fotografie", New York 1986 Man Ray: "Photographien Paris 1920-1934", München 1980 Wikipedia: Artikel | Bearbeiten | Diskussion | Backlinks | Drucken. Lizenz: GNU Free Documentation License. Dieser Artikel wurde präzisiert, korrigiert und ergänzt. |
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