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2002 – 1992Rückblick auf die Fotografie vor zehn Jahren.
Im Bereich der Kleinbildkameras hatte sich der Autofokus seit Anfang der 90er Jahre fest etabliert; sieben Jahre nach der Vorstellung der ersten KB-SLR-Autofokuskamera -- der Minolta 7000 (1985) - setzte sich Autofokus auch bei professionellen und semiprofessionellen Kameras durch. Minolta bemühte sich gerade, die zweite AF-Generation (i-Serie) auslaufen zu lassen und die dritte Generation der hauseigenen AF-Linie einzuführen (xi-Serie). Spitzenmodell dieser Linie war die 1992 vorgestellte Dynax 9xi, die zwar technische Höchstleistungen wie eine kürzeste Verschlusszeit von 1/12.000s sowie eine kürzeste Blitzsynchronzeit von 1/300 s bot -- beides damals Weltrekorde -- sie verärgerte jedoch auch durch ein ein hochgradig "elektronisches" Bedienkonzept. Viele Fotografen konnten oder wollten sich mit der Tastensteuerung dieser Kamera nie anfreunden konnten; auch wir haben mit der Kamera so unsere Erfahrungen gemacht... Dennoch wird die Dynax 9xi als "Europas Kamera des Jahres '92/'93" ausgezeichnet. Als Reaktion auf die heftige Kritik der Benutzer entwickelte Minolta später Kameras wie die Dynax 600 si Classic und die Minolta Dynax 9 mit stärker analogen Bedienelementen. Weitere Minolta-Neuvorstellungen aus dem Jahr 1992 sind die Amateur-Kameras Dynax 5xi und Dynax 2xi. Bei Nikon gab es noch die F4, die F-601S, F-601 und die F-401X; Nikons Neuheit von der Fotokina war die F90, die neue Möglichkeiten beim Blitzen eröffnete; die neue 3D-Matrixmessung kombinierte, in Verbindungen mit den ebenfalls neu vorgestellten AF-D-Objektiven, die Informationen einer 8-Zonen-Matrixmessung mit Entfernungsinformationen vom Objektiv. Technologisch betrachtet war die F90 in vielen Aspekten ein unmittelbarer Vorläufer der 1996 vorgestellten F5. Ebenfalls auf der Fotokina präsentierte Nikon eine Spezialität aus der Nikonos-produktlinie: Die Nikonos RS war die erste Unterwasser-SLR. Als Kameras ohne Autofokus waren die F3 und die FM2 noch im Programm. Die wichtigste Fotokina-Neuheit von Canon war die EOS 5 mit Augensteuerung; die neuartige Blickfokussierung durch das Auge des Fotografen, das von IR-Sensoren abgetastet wurde, war umstritten und funktioniert nicht für jeden Benutzer. Die Augensteuerung wurde in späteren Modellen (EOS 1V, EOS 3) wieder abgeschafft. Die aktuelle Produktpalette von Canon umfasste daneben das professionelle Spitzenmodell EOS 1 sowie die EOS 10, EOS 100, EOS 1000N und EOS 1000FN. Leica stellte die R7 vor und war mit der R6.2, der M6 und der der R-E am Markt vertreten; letztere war eine limitierte Olympia Sonder-Edition mit der Prägung "Olympische Spiele '92". 1992 bildet auch einen wichtigen Einschnitt in der Firmengeschichte des Dresdner Traditionsherstellers Pentacon; nach der Liquidation der Pentacon Dresden GmbH (1990) und der Gründung der Jos. Schneider Feinwerktechnik GmbH & Co. KG (1991) wurde 1992 der Markenname "Praktica" durch die neu gegründete Firma weitergeführt. Pentacon stellte dann auch gleich eine neue Spiegelreflexkamera für das Bildformat 24 x 18 mm (72 Bilder pro Film) vor (vgl. Chronologie Pentacon). Im Segment der Sucherkameras stellte Pentax mit der Espio eine neue Generation besonders kompakter Zoom-Kompaktkameras vor. Tamron präsentierte ein besonders kompaktes Zoomobjektiv vor, des Revoluzoom 28-200 mm, welches ein Vorläufer der aktuellen Universalzooms ist. Im Bereich der eher exotischen Kameras versuchte Olympus -- mit begrenztem Erfolg -- die "All-In-One"-Kameras der IS-Serie zu vermarkten; das waren Autofokus-Spiegelreflexkameras mit fest eingebautem Zoomobjektiv, z.B. 35-135 mm oder 35 bis 180 mm, die konzeptionell an die Yashica Samurai aus den 80er Jahren angelehnt war. Zubehöranbieter wie Cullmann produzierten interessante Stative wie das Cullmann Magic 1, mit dem wir gute Erfahrungen gemacht haben. Digitalfotografie war noch kein Thema, das hätte die damalige digitale Verarbeitungskette wohl auch noch nicht hergegeben. Es gibt zwar durchaus digitale Produktlinien wie die bereits 1982 vorgestellte Sony Mavica-Serie oder die bereits 1988 vorgestellte QV-1000C, in nennenswertem Umfang erschienen Digitalkameras für den Amateur- und Prosumer-Bereich jedoch erst etwa fünf Jahre später am Markt. Die wenigen Geräte aus dieser Zeit waren entweder unverhältnismässig teuer (z.B. die Canon Still Video RC-560 aus der ION-Serie für über DM 5.000, das war etwas mehr als der Preis für eine hochwertige Mittelformatkamera wie die Rollei Rolleiflex 6008 und etwas weniger als ein komplettes Hasselblad 500 Classic-Set bestehend aus Objektiv, Magazin und Blitzgerät), lächerlich schlecht (z.B. Fotoman plus mit einer Auflösung von 496 x 360 Pixeln und 256 Graustufen) -- oder beides. Canon stellte die ION-Serie 1992 mit der ION RC-570 ein; im Digitalbereich folgte ab 1995 die EOS-DCS-Serie (in Zusammenarbeit mit Kodak) sowie ab 1996 die PowerShot-Serie. Mit den professionellen Digitalkameras dieser Zeit konnte man entweder ein einziges Bild im internen Speicher aufzeichnen - oder mit Festplattenerweiterung maximal 50 Bilder (z.B. Kodak DCS 200). Anspruchsvollere elektronische Bildbearbeitung war eine Herausforderung für die aktuellen Computer dieser Zeit: Als High-End galten Rechner mit Intel 486-CPUs und Taktfrequenzen im Bereich von etwa 33 MHz; Festplatten boten Kapazitäten zwischen ca. 100 und 500 MB. Mager war auch der Speicherausbau, der i.d.R. zwischen 4 und 8 MB lag. CD-Brenner zur Archivierung digitaler Daten gab es noch nicht, Kodak vermarktete jedoch aktiv und mit recht gutem Erfolg die 1992 vorgestellte Kodak Photo CD, eine Gemeinschaftsentwicklung mit Philips, die auch als "elektronisches Fotoalbum" apostrophiert wurde. Anlässlich der Fotokina zeigte Minolta ein neues Still-Video-System, das grosse Bildmengen auf einem kostengünstigen Datenträger speicherte. Die Kamera, MS-C 1100, basierte auf einer Dynax SPxi mit fest eingebautem Still-Video-Rückteil. An diese Kamera wurde über ein Kabel der spezielle DAT-Recorder MS-R 1100 angeschlossen, der bis zu 2.000 Aufnahmen auf einer Bandkassette speichern konnte. Dieses System ist ausgesprochen exotisch und heute kaum noch bekannt, allerdings ist es Minolta bis heute nicht gelungen, eine stringentes Konzept für die digitale Produktlinie auf die Beine zu stellen. 1992 trat Carl J. Koch als Marketingleiter in das Familienunternehmen Sinar ein und beteiligte sich massgeblich an der Entwicklung der Digitalkamera "Sinarcam", ebenso wie an der jüngeren Entwicklung des Digitalrückteils "Sinarback". Analog fotografierte man in Farbe auf Materialien von Agfa (z.B. XRG 100, 200, 400, Optima 125, 200, Ultra 50, CT 100i, CT 200, Agfachrome 50 RS Plus, 100 RS Plus, 200 RS, 1000 RS (!)), Fuji (z.B. Super HG 100, 200, 400, RD 100, RH 400, RVP 50 Velvia, RDP 100) oder Kodak (Gold II 100, 200, 400, Kodachrome 25 PU, 64 PU, 200 PU, Ektachrome EC 100 HC, ED 200, EL 400 HC) und vielleicht auch Konica. Schwarzweiss-Negativfilme gab es von Fuji (z.B. Neopan 400 und 1600), Ilford (z.B. Pan F, FP4 Plus, HP 5 Plus, XP-2, Delta 100 und 400), Kodak (z.B. T-Max 100, 400, 3200) und Agfa (z.B. Agfapan 25, 100, 400). Siehe auch
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