Negativ

Geschichte der Negativ-Verfahren

Bei Negativ-Verfahren verändert sich das Material umgekehrt dem Helligkeitsgrad und der Farbe des Lichtes: Dunkles wird hell, Helles wird dunkel. Um ein für den Menschen originalgetreues Bild zu erhalten, muss der Prozess dann noch einmal umgekehrt werden (Negativ-Positiv-Verfahren).
Frühgeschichte der Negativ-Verfahren

Den frühen Positiv-Verfahren wie der Daguerreotypie fehlte noch ein entscheidendes Merkmal der modernen Fotografie: die Vervielfältigungsmöglichkeit der fotografischen Aufnahmen. Daguerreotypien blieben stets Unikate. Dieses Defizit behoben die Negativ-Verfahren.
Kalotypie (Calotypie, Talbotypie)

1835 entwickelte William Henry Fox Talbot (* Melbury House [Dorset] 1800, † Lacock Abbey bei Chippenham [Wiltshire] 1877), ein englischer Privatgelehrter, die Grundlagen des Negativ-Positiv-Verfahrens, das er als Kalotypie oder auch »Pencil of Nature« bezeichnet. Dabei handelt es sich um eine positive Salzpapierkopie vom Papiernegativ, mit der man beliebig viele Kopien herstellen kann.

Siehe Kalotypie.
Steinheil-Verfahren

Carl August von Steinheil (* Rappoltsweiler [Elsaß] 1801, † München 1870), Professor der Mathematik und Physik an der Universität München, konstruierte 1839 eine tubusförmige Kamera aus verschiebbaren Pappröhren, mit der er zusammen mit seinem Kollegen Franz Ritter von Kobell (* München 1803, † ebd. 1882), Professor für Mineralogie, Gebäude in München (u.a. die Glyptothek, die Türme der Frauenkirche) fotografierte.

Diese ersten in Deutschland aufgenommenen Photographien waren keine Daguerreotypien, sondern auf Chlorsilberpapier festgehaltene Negative. Um ein Positiv zu erhalten, nahm Steinheil sie mit seiner Kamera nochmals auf. Die runden Fotos hatten einen Durchmesser von vier Zentimetern.

Siehe Steinheil-Verfahren.
Albumin-Verfahren

Niepce de Saint-Victor, ein Neffe Niépces, verwendete 1848 erstmals eine Glasplatte, die mit Hühnereiweiß (Albumin), Pottasche (Jodkalium [?]) und einer Schicht Silbernitrat imprägniert war; diese Mischung ermöglichte ihm Belichtungszeiten von 20 Minuten und begründete den neuen Wirtschaftszweig der Visitenkartenfotografie.

Blanquard-Evrard verbesserte um 1850 das Albumin-Verfahren und ersetzte die Glasplatte durch Papier; dieses Kopiermaterial war das erste industriell gefertigte Kopierpapier und wurde bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts verwendet.

Siehe Albumin-Verfahren.
Nasses Kollodiumverfahren (Kollodium-Nassplatte)

1847 gelang es Christian Friedrich Schönbein, Chemieprofessor in Basel, »Baumwolle in den explosiven Zustand zu versetzen«; diese Schießbaumwolle bildet die Grundlage für Kollodium (vgl. Wolfgang Baier, Leipzig 1980: 157); Kollodium wird in der Fotografie als zähflüssige Lösung von Kollodiumwolle in einem Alkohol-Äther-Gemisch verwendet.

1850/51 veröffentlichten Frederick Scott Archer (1813-1857), ein britischer Bildhauer, und Gustave Le Gray eine Beschreibung des nassen Kollodiumverfahrens, durch das die Belichtungszeit auf wenige Sekunden verkürzt werden konnte (zwischen 0,5 und 30 Sekunden); allerdings mussten die Platten nass entwickelt werden. Auch dieses Verfahren verwendet eine Glasplatte statt Papier als Träger des photographischen Negativs. Noch bis etwa 1880 blieb die Kollodium-Nassplatte das wichtigste fotografische Verfahren, denn es vereinigte in sich die Vorteile der Daguerreotypie mit denen der Talbotypie.

Siehe Kollodium-Nassplatte.
Direktpositiv-Verfahren

Die Direktpositiv-Verfahren der Kollodiumperiode bilden eine Brücke zwischen Daguerreotypie und Papierbild.

Siehe Direktpositiv-Verfahren.
Trockenes Gelatineverfahren (Gelatine-Trockenplatte)

Trockenplatten bieten den Vorteil, dass der Fotograf nicht mehr Chemikalien und umständliche Geräte mit sich führen muß; zudem muss die Trockenplatte unmittelbar nach der Aufnahme entwickelt werden.

Richard Learch Maddox (1816-1902) veröffentlicht 1871 seine Erfindung der Gelatinetrockenplatte; dabei überzog er die Platte mit einer Bromsilbergelatine, die in trockenem Zustand belichtet werden konnte; er ersetzte also das Kollodium durch Gelatine.

Die Trockenplatten ermöglichten Belichtungszeiten von 1/25 Sekunde, sie waren jedoch bis etwa 1875 überempfindlich für blaues und unterempfindlich für grünes und rotes Licht, die Fotografien waren also noch nicht abbildgetreu. Dieses Problem wurde allmählich durch Zugabe von Anilinfarben ausgeglichen.

Siehe Gelatine-Trockenplatte.
Panchromatische Platten

Panchromatische Platten und Filme, also fotografische Materialien, die auf alle Farben gleichermassen reagieren, wurden 1906 am Markt eingeführt.

Farbfotografie

Speicher: Platte, Film
Visitenkartenporträts (Carte de visite)

Abbildung: »Portrait einer Ballerina«, André Adolphe-Eugène Disdéri, ca. 1860