Geschichte der Fotografie

Geschichte der Fotografie.

Chronologie

Chronologie zur Geschichte der Fotografie - Chronologische Darstellung von Meilensteinen aus der Geschichte der Fotografie

Anfänge bis 17. Jahrhundert
(Antike bis 1700) Camera obscura – Laterna magica – Entwicklung der physikalischen, optischen und chemischen Grundlagen – Bildreproduktionsverfahren.
18. Jahrhundert
(1700-1800) Gesellschaftliche Rahmenbedingungen –
19. Jahrhundert
(1800-1900) Camera lucida – Entwicklung früher fotografischer Verfahren: Heliographie, Daguerreotypie, Kalotypie u.a. – Offizielle »Erfindung« der Fotografie in Frankreich – Verbesserung der chemischen Verfahren: Kollodium-Nassplatte, Gelative-Trockenplatte u.a. – Mechanisierung, Industrialisierung und Entwicklung eines Massenmarktes: Eastman Company, Agfa u.a. – Verkleinerung der Fotoapparate – Rollfilm – Entstehung fotografischer Genres und Stile – Anfänge der Amateurfotografie.
1800-19 | 1820-39 | 1840-59 | 1860-79 | 1880-99.
20. Jahrhundert
(1900-2000) Entstehung der Fotoindustrie: Leitz/Leica, Ihagee, Rollei, Voigtländer, Nikon, Kwanon/Canon, Molta/Minolta u.a. – Kinematographie und Fernsehen – Entwicklung der Kleinbildkameras – 36-, 16- und 8 mm-Film – Miniaturisierung: Kleinstbildkameras, Instamatic, Pocket, Disc, APS – Belichtungsautomatik – Zoom-Objektive – Videotechnik – Autofokus – Anfänge der Digitalisierung.
1900-19 | 1920-39 | 1940-59 | 1960-79 | 1980-99.
21. Jahrhundert
(2000 ff.) Verbesserung des Autofokus – Durchsetzung der Digitalkameras – Digital Imaging – Computer – Elektronische Bildverarbeitung (EBV) und Elektronische Bildbearbeitung – Vernetzung – Medienverbund – Intermedialität – Hypermedia – Virtualität und Simulation.

Diese Zusammenstellung erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Die Chronik wird bei Bedarf ergänzt oder erweitert.

Siehe auch Quellennachweise.

Thematische Chronologien

Digitalkameras:
Chronologie der Digitalkameras (1981 ff.)

1981 | 1984 | 1986 | 1987 | 1988 | 1989 | 1990 | 1991 | 1992 | 1993 | 1994 | 1995 | 1996 | 1997 | 1998 | 1999 | 2000 | 2001 | 2002 | 2003 | 2004 | 2005 .

Anbieter von Kamerasystemen:
Geschichte von Canon - Chronologie.
Geschichte von Contax - Chronologie.
Geschichte von Exakta - Chronologie.
Geschichte von Hasselblad - Chronologie.
Geschichte von Kodak.
Geschichte von Leica - Chronologie.
Geschichte des M42-Systems.
Geschichte von Mamiya - Chronologie.
Geschichte von Minolta - Chronologie.
Geschichte von Nikon - Chronologie - Modellgeschichte.
Geschichte von Olympus.
Geschichte von Pentacon - Chronologie.
Geschichte von Pentax - Chronologie.
Geschichte von Ricoh.
Geschichte von Rollei - Chronologie.
Geschichte von Sigma.
Geschichte von Sinar.
Geschichte von Yashica.

Die Historiographien sind teilweise noch unvollständig und provisorisch. Die Angaben basieren i.d.R. auf Firmenangaben (Primärquellen) und sind noch nicht mit Tertiär- oder Sekundärquellen abgeglichen.

Teilweise ist die Modellgeschichte in der Rubrik Kameras eingearbeitet, z.B.:
Minolta AF SLR: Chronologie der Modelle (Kleinbildkameras).
Canon Digitalkameras: Chronologie der Modelle (Digitalkameras).
Leica Digitalkameras: Chronologie der Modelle (Digitalkameras).
Minolta Digitalkameras: Chronologie der Modelle (Digitalkameras).
Nikon Digitalkameras: Chronologie der Modelle (Digitalkameras).

Die o.g. Modellgeschichten sind m.W. vollständig (Stand: 13-Mar-2002)

Biographische Zugänge

Agons Fotobiographie.

Fotografischer Werdegang - Interessen, Projekte und Ausrüstung.

Literatur

Literatur zur Geschichte der Fotografie.

Beaumont Newhall: Geschichte der Photographie (1937/1982/1998)

cover of Beaumont Newhall: Geschichte der Photographie (1937/1982/1998)Geschichte der Photographie. Sonderausgabe

author: Beaumont Newhall
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binding: Taschenbuch
list price: EUR 24,80 EUR
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Die Geschichte der Photographie von Beaumont Newhall gilt als Standardwerk und ist bis heute unentbehrlich für alle, die sich dem Studium der Photographie widmen wollen.

Seinerzeit - 1937 - bildete es einen Meilenstein in der Fachliteratur. Denn Newhall präsentierte nicht nur die Geschichte des Fortschritts photographisch-technischer Verfahren, sondern stellte vor allem auch die ästhetische Entwicklung und die kulturelle Bedeutung des Mediums Photographie in den Mittelpunkt seines Interesses.

Die Geschichte ihres Beitrages zur bildenden Kunst ist Gegenstand dieses Buches, schrieb er in das Vorwort der fünften, erweiterten Ausgabe von 1982, in der er die Geschichte der Photographie von 1839 bis zur Gegenwart Anfang der achtziger Jahre fortführte. Anschaulich geschrieben, zeigte er die Emanzipation der Photographie vom Hilfsmittel der Kunst zu einer eigenständigen Kunstform.

Broschiert - 327 Seiten - Schirmer/Mosel
Erscheinungsdatum: April 1998
ISBN: 3888143195
Preis: EUR 24,80

Boris von Brauchitsch: Kleine Geschichte der Fotografie (2002)

cover of Boris von Brauchitsch: Kleine Geschichte der Fotografie (2002)Kleine Geschichte der Fotografie

author: Boris von Brauchitsch
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binding: Gebundene Ausgabe
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Die Kleine Geschichte der Fotografie schildert die Bedeutung und Funktion des ersten technischen Bildmediums für die Gesellschaft und deren Wahrnehmung von den Anfängen der Daguerreotypie bis zur digitalen Fotografie. In 29 chronologisch geordneten Kapiteln setzt sich der Kunsthistoriker Boris von Brauchitsch mit wesentlichen Themen der Fotografiegeschichte auseinander.

So beschreibt er den Streit um die Urheberschaft des fotografischen Abbildungsprozesses, die visuelle Besitzergreifung ferner Länder und Kulturen durch die Reisefotografie Mitte des 19. Jahrhunderts oder die immerwährende Diskussion über das künstlerische Wesen der Fotografie. Seine kenntnisreichen Ausführungen werden durch Auszüge aus Essays unter anderem von Walter Benjamin, Ernst Kallai oder Henri Cartier-Bresson ergänzt.

Die rund 130 aussagekräftigen Bildbeispiele bekannter Fotografen zeigen neben den Stadtansichten und Porträtaufnahmen früher Dokumentaristen wie Charles Nègre oder Nadar auch Bildexperimente von Man Ray oder Alexander Rodtschenko, sowie die seriell konzipierten Arbeiten zeitgenössischer Fotokünstler wie Bernd und Hilla Becher, Andreas Gursky oder Axel Hütte.

Der ansprechend gestaltete Band überzeugt durch die anschauliche und verständliche Darstellung von 163 Jahren Fotografiegeschichte und ist sowohl als Einstieg in das Thema als auch als Nachschlagewerk gleichermaßen geeignet.

Gisele Freund: Photographie und Gesellschaft (2002)

cover of Gisele Freund: Photographie und Gesellschaft (2002)Photographie und Gesellschaft.

author: Gisele Freund
rating:
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binding: Taschenbuch
list price: EUR 6,50 EUR
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Photographie und Gesellschaft von Gisele Freund.

Jede historische Epoche und ihre Gesellschaft hat ihre eigenen künsterischen Ausdrucksformen, die ständigen Veränderungen unterliegen.

Gisele Freund, langjährige Mitarbeiterin der großen Fotoillustrierten LIFE und Trägerin des Kulturpreises 1978 der Deutschen Gesellschaft für Fotografie, stellt in Wort und Bild wichtige Aspekte aus der Geschichte der Fotgrafie dar. Sie analysiert die Wechselbeziehung zwischen dieser Kunstform und unserer Gesellschaft anhand konkreter Beispiele und deckt die Scheinobjektivität dieses Mediums aus ihrer eigenen Erfahrung als Bildjournalistin auf.

Taschenbuch
Verlag: Rowohlt Tb. (September 2002)
ISBN-10: 3499172658

Rückblick(e)

Fotografie friert Zeit ein und konserviert den Moment, doch aufhalten kann sie die Fotografie nicht. Diese Rückblick(e) auf die Geschichte der Fotografie versuchen eine Bestandsaufnahme über wichtige Entwicklungen.

Siehe auch

1825 – 1900

Rückblick auf die Anfänge der Fotografie - 1825 – 1900.

Die Anfangsjahre der Fotografie sind – wie die Entstehungszeiten anderer Technologien auch – gekennzeichnet durch

  • eine Vielfalt an Methoden und Verfahren,
  • eine Fülle von Entdeckungen und Neuentwicklungen,
  • einen geringen Grad an Standardisierung,
  • erst aufkeimende Industrialisierung,
  • noch relativ geringe Bedeutung von Konzernen sowie
  • Einzelleistungen individualisierbarer Erfinder.

Die Entwicklung der Fotografie im 19. Jahrhundert erfolgt in den Schritten:

  • Entwicklung der fotografischen Verfahren;
  • Verbesserung und Rationalisierung der Verfahren;
  • Beschleunigung der Verfahren;
  • Verkleinerung der Apparaturen;
  • Standardisierung und Industrialisierung der Verfahren und Apparaturen;
  • Entwicklung eines Massenmarktes.

Ausgangssituation

Um 1800 sind eine Reihe von grundlegenden Erfindungen und Entdeckungen bekannt, welche die Entstehung fotografischer Verfahren ermöglichen:

  • Das Prinzip der Camera obscura, d.h. die Funktionsweise einer Lochkamera, ist seit der Antike bekannt und spätestens ab dem 14. Jahrhundert auch im mitteleuropäischen Raum dokumentiert und in Verwendung; die Projektion mittels einer Laterna magica ist seit etwa 1659 in Europa bekannt.
  • Eine Reihe von Bildreproduktionstechnologien sind verfügbar: Holzschnitt (spätestens ab 12. Jahrhundert), Kupferstich (vor 1500), Kontaktverfahren wie der Naturselbstdruck (vermutlich ab 15. Jahrhundert, spätestens jedoch ab 1700), Radierung (ab 16. Jahrhundert), Physionotrace (1786), Lithografie (seit 1796), Holzstich und Aquatinta (gegen Ende des 18. Jahrhunderts).
  • Optische und mechanische Grundlagen, z.B. die Linse (um 1550), der Ablenkspiegel (um 1685) und der Achromat (1729).
  • Lichtempfindliche Substanzen, so z.B. »phosphorus« (1674) und »scotophorus« (Silbernitrat, 1727).
  • Der Buchdruck mit beweglichen Lettern ist in Mitteleuropa seit 1440/65 verfügbar und leitet seitdem eine zunehmende Mechanisierung handwerklicher und künstlerischer Tätigkeiten ein (z.B. Auflösung der Skriptorien) und bereitet ein frühes marktwirtschaftliches Denken ein (nur geringfügig staatlich kontrolliertes System der Druckereien und des Buchhandels). Der Buchdruck etabliert auch das Papier gegenüber dem Pergament als vergleichsweise preiswertes Medium.
  • Die technische Intelligenz, verkörpert durch Künstler-Ingenieure wie Dürer und Da Vinci sowie diverse Handwerker und Geschäftsleute, hat Konstruktionsprinzipien wie die Zentralperspektive entwickelt und so die Technisierung des künstlerischen Arbeitens eingeleitet.
  • Gesellschaftlich entsteht ab etwa 1750 eine bürgerliche Mittelschicht, die wirtschaftlich weitgehend selbständig und intellektuell interessiert ist; es entstehen Universitäten und Salons, es entsteht ein europaweiter reger Gegankenaustausch unter Wissenschaftlern und Schriftstellern. Die Kolonien schaffen ein Interesse für das Exotische, das sich beispielsweise in zahlreichen Bildbänden mit Zeichnungen, Skizzen und Kupferstichen sowie der Entzifferung der Hierglyphen niederschlägt.
  • Die Wissenschaften haben sich mit Beginn der Neuzeit zwar zunehmend ausdifferenziert und spezialisiert, sind jedoch noch für Universalgelehrte in ihrer Gesamtheit überschaubar; dies ermöglicht interdisziplinäre Arbeiten und Entdeckungen von Idividuen.

Um 1800 kann man also ein Bild projizieren, skalieren und kurzzeitig speichern, jedoch noch nicht dauerhaft fixieren. Die Bildreproduktion erfordert noch das manuelle Geschick eines Spezialisten, wird jedoch bereits durch Naturselbstdruck und Physionotrace bereits partiell mechanisiert.

Durch den Buchdruck mit beweglichen Lettern ist klar, dass das mechanische Zerlegen von Schrift in diskrete Einheiten massive Rationalisierungsvorteile bewirkt; ein vollwertiges Äquivalent für die Bildreproduktion existiert jedoch nicht.

Die Forscher des frühen 19. Jahrhunderts beschäftigen sich jedoch noch nicht mit dem Rekombinieren diskreter Bildeinheiten, sondern versuchen zunächst, das Problem des Fixierens des latenten fotografischen Bildes zu lösen.

Das Zerlegen des Bildes in diskrete Einheiten und deren Rekombination wird erst rund ein Jahrhundert später thematisiert im Rahmen der Entwicklung der Bildtelegraphie, der Kinematographie, des Fersehens und noch einige Jahrzehnte später mit dem Beginn der Digitalisierung.

Frühe Experimente

Die ersten nachweisbaren Experimente zum Fixieren des fotografischen Bildes stammen aus den letzten Jahren des 18. Jahrhunderts: Claude Niepce und Joseph Nicéphore Niepce (um 1798) und Thomas Wedgwood (1799).

1813 entwickelt Joseph Nicéphore Niépce die Heliographie, ein Positiv-Verfahren; 1822 gelingt ihm erstmals das Anfertigen einer lichtbeständigen Kopie auf einer Glasplatte, 1824 auf einer beschichteten Zinkplatte. Das älteste erhaltene Bild dieser Art stammt aus dem Jahr 1826/27 und erforderte eine Belichtungszeit von acht Stunden.

Mit der 1825 entdeckten Prismenlinse wurde es möglich, das seitenverkehrte Bild der Camera obscura bereits in der Kamera umzukehren.

Erste praxistaugliche Verfahren

1829 schließt sich Niepce, wohl aus Geldmangel, mit Louis Jaques Mande Daguerre zusammen, um die Erfindung weiterzuentwickeln; Niepce stirbt vier Jahr später und Daguerre entdeckt 1837 die Kochsalzlösung zum Fixieren. Er verbessert das Verfahren noch bis 1839 weiter und stellt es schließlich der Öffentlichkeit als Daguerreotypie vor. Niepces und Daguerres Verfahren erfordern noch mehrstündige Belichtungszeiten und produzieren ein Unikat.

Seit 1834 arbeitet auch William Henry Fox Talbot an einem fotografischen Versuchen mit lichtempfindlichem Papier; er bezeichnet das Verfahren als »photogenische Zeichnung«. 1840 stellt er das erste Negativ-Verfahren vor, das er als Kalotypie (auch Talbotypie genannt) bezeichnet. Auch Talbots Verfahren benötigt noch lange Belichtungszeiten, sein Papiernegativ läßt sich jedoch beliebig oft reproduzieren.

Aus jenem fiktiven Erfindungsjahr der Fotografie – 1839 – sind diverse konkurrierende fotografische Verfahren bekannt; so hatte beispielsweise auch Hippolyte Bayard wohl ebenfalls ein Direkt-Positiv-Verfahren entwickelt, Friedrich Gerber behauptet, er könne bereits seit längerem Bilder der Camera obscura fixieren usw. Die Ausgangssituation der technischen Entdeckungen um 1839 hatte also anscheinend eine Art »technologischen Druck« erzeugt, der die Entwicklung praxistauglicher Verferfahren geradezu erzwingen musste.

Verbesserung der Verfahren

Nach 1839 arbeiten zahllose Forscher an der Verbesserung des fotografischen Verfahrens. Es werden weitere lichtempfindliche Silbersalze entdeckt, die Linsen für die Camera obscura werden verbessert, erste lichstarke Objektive werden gebaut und vor allem die Belichtungszeiten verkürzt.

Zu den Verbesserungen der Verfahren zählen die Verwendung von

  • albumisierten Glasplatten (Abel Niépce de St. Victor, 1847; Albumin-Verfahren),
  • albuminisiertem Papier (Louis Désiré Blanquard-Evrard, 1850)
  • Wachspapier (Gustave Le Gray, 1850) und der
  • Kollodium-Nassplatte (Frederick Scott Archer, 1851; wet plate process).

Die Belichtungszeiten konnten bereits beim Albuminverfahren auf 20 Minuten reduziert werden, was erstmals die Abbildung von lebenden Objekten (Visitenkartenporträts, insbesondere von Andre Adolphe Eugene Disdéri ab 1854) ermöglichte. Die Kollodium-Nassplatte verkürzte die Belichtungszeit weiter auf wenige Sekunden.

Diese Verfahren hatten jedoch selbstverständlich auch noch eine Reihe von Nachteilen:

  • Die Platten mussten vor Ort vorbereitet und sofort entwickelt werden; dies war sehr aufwändig und schränkte die Mobilität der Fotografie ein; aufgrund des nassen Kollodiumverfahrens musste ein Reisefotograf beispielsweise immer ein Dunkelkammerzelt mit sich führen.
  • Die Platten waren unterschiedlich empfindlich für die verschiedenen Anteile des Lichts (überweigend sensibilisiert für Blau), d.h. die Fotografien waren nur begrenzt abbildgetreu und nicht tonwertrichtig.
  • Die Arbeit mit großformatigen Fotoplatten verhindert Bildfolgen und Reihenaufnahmen.

Ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts werden auch diese Probleme sukzessive gelöst:

  • Entwicklung verschiedener Trockenplatten (dry plates), die mit Tannin, Albumin oder Gelatine beschichtet waren (ab 1856), insbesondere die Gelatine-Trockenplatte (Richard Learch Maddox, 1871); industrielle Fertigung ab 1879.
  • 1861 veröffentlichte J. C. Maxwell das erste Farbbild als Nachweis für die Theorie der additiven Farbmischung.
  • Erste Untersuchungen über ein farbfotografisches Verfahren veröffentlicht Louis Ducos du Hauron 1862; 1868 präsentiert er erste farbige Pigmentdrucke und patentierte verschiedene Farbverfahren;
  • Gabriel Lippmann veröffentlicht 1891 seine »Methode der Photographie in Farbe mittels Interferenzmethode«.
  • A. L. de Poitevin unternimmt erste Versuche mit farbigen Bildern auf Papier.
  • Orthochromatische Sensibilisierung des Negativmaterials (Hermann Wilhelm Vogel, 1873); hierbei wird das Aufnahmematerial neben Blau auch für die Grün- und Gelbanteile des Lichts sensibilisiert;
  • 1869 erfand Edward Muybridge einen der ersten Verschlüsse; die ermöglichte einige Jahre später die ersten Reihenaufnahmen von beweglichen Motiven (ders., umbenannt in Eadweard Muybrigde, 1877); Muybridge setzte dafür bis zu 30 Kameras ein.
  • Étienne-Jules Marey konstruiert 1883 das fotografische Gewehr, mit dem er eine ganze Serie von Belichtungen auf einer Platte festhalten konnte; der Chronofotograf mit fester Platte und rotierendem Schlitzverschluss konnte – abhängig von der Belichtungszeit – bis zu hundert Bilder pro Sekunde anfertigen.
  • Ottomar Anschütz konstruiert 1888 eine Kamera mit Schlitzverschluss für extrem kurze Belichtungszeiten.
  • Panchromatische Platten werden ab 1906 verfügbar; hier sind die Fotomaterialien für alle Farben des Lichtspektriums sensibilisert, was die Voraussetzung für eine tonwertrichtige Wiedergabe in Grauwerten und die Farbfotografie ist.

Durch die Trockenverfahren und die Verkleinerung der Kameras wird die Fotografie mobil; ausserdem wird eine industrielle Fertigung des fotografischen Aufnahmematerials möglich, da nun die Fotoplatten auch gelagert werden können.

Um die Jahrhundertwende zwischen 19. und 20. Jahrhundert sind die Voraussetzungen geschaffen für die panchromatische Tonwertwiedergabe und damit die Farbfotografie.

Spezielle Aufnahmevorrichtungen ermöglichen Reihenaufnahmen und Bildfolgen (Chronofotografie), entweder mit einer Vielzahl von Kameras oder durch mehrere Belichtungen auf einer Platte; dies schafft die ersten Voraussetzungen für die Kinematographie und spezielle wissenschaftliche Verwendungen der Fotografie.

Frühe fotografische Anwendungen

Die frühsten erhaltenen Fotografien von Niepce, Daguerre, Talbot und Bayard zeigen Stilleben, Strassen- und Alltagsszenen und Ansätze zur Landschaftsfotografie; diese dürften daher wohl auch als älteste fotografische Genres gelten. Lebende und sich bewegende Motive konnten in der Frühzeit der Fotografie aufgrund mehrstündiger Belichtungszeiten noch nicht aufgenommen werden.

Die wohl erste kommerzielle Anwendung der Fotografie sind Porträts, die Andre Adolphe Eugene Disdéri ab 1854 erstellte (Visitenkartenproträts, carte-de-visite); in der Folgezeit entstehen zahlreiche Porträtstudios, die besonders vom mittelständischen Bürgertum frequentiert werden. Es setzt eine Verdrängung des Gewerbes der Poträtmaler ein. Die Porträtfotografie hatte auch unabhängig von dem Sonderfall der Visitenkartenporträts eine große Bedeutung für die Fotografie der Frühzeit; das Hauptprogram der langen Belichtungszeiten wurde durch spezielle Fixier- und Haltevorrichtungen wie Saronnys Universal-Kopfhalter und ein Übermaß an Geduld beim Porträtierten gelöst. Zu den Pionieren zählen beispielsweise Franz Hanfstaengl, Nadar, Courbet und Etienne Carjat.

Ab etwa 1847 wurde auch der Akt und die erotische Fotografie entdeckt, welche insbesondere durch die Stereofotografie starke Verbreitung fanden.

Aus der Frühzeit der Fotografie sind auch einige wenige Reisereportagen und bildliche Kriegsberichterstattungen bekannt; so hielt der Engländer Roger Fenton seine Reiseeindrücke aus Kiew, St. Petersburg und Moskau 1852 in den ersten Reisefotografien fest. 1855 fertigte Fenton im Krim-Krieg auch die erste Kriegs-Bildreportage mit 360 Aufnahmen an. Die Fotografien dieser Zeit erschienen jedoch noch nicht in Zeitungen, da die dafür erforderlichen Reproduktionsverfahren noch nicht verfügbar waren. Frühe Reisereportagen fertige beispielsweise auch Maxime Du Camp 1850 auf einer Expedition nach Ägypten an.

Die aktuelle Bildberichterstattung und Pressefotografie entwickelt sich ab 1880a, als die ersten Fotos als Illustrationen in Zeitungen erschienen: Stephen H. Horgan veröffentlicht im New Yorker »Daily Graphic« ein gerastertes Halbtonfoto. 1883 erscheint das erste Foto in einer deutschen Zeitungen: Georg Meisenbach veröffentlicht in der Leipziger »Illustrierten Zeitung« eine gerasterte Fotografie.

Eine weiterer früher Anwendungsbereich war die Chronofotografie, also Reihenaufnahmen und Bildfolgen, die gezielt die Grenzen des menschlichen Wahrnehmungsapparates sprengte. Als Pionier auf diesem Gebiet gilt Eadweard Muybrigde (eigtl. Edward Muybridge), der 1877 die ersten Reihenaufnahmen von beweglichen Motiven mit bis zu 30 Kameras anfertigte. Die Ergebnisse seiner Arbeiten veröffentlichte er in den 1887 erschienen Bildbänden »Animal Locomation« und »The Human Figure in Motion«, die annähernd 800 Lichtbilder enthält.

Verbesserungen dieses Verfahrens führte Étienne-Jules Marey ein, der 1883 das »fotografische Gewehr« konstruierte, mit dem er eine ganze Serie von Belichtungen auf einer Platte festhalten konnte; dies ermöglichte es, die Stadien eines Bewegungsablaufes innerhalb eines einzigen Bildes durch eine Art Mehrfachbelichtung darzustellen. Dieses Zerhacken eines Bewegungsablaufes in diskrete Phasen nimmt sehr konkret die späteren kinematographischen Bildzerlegungen vorweg.

Einen ähnlichen Ansatz verfolgte Ottomar Anschütz, der 1888 eine Kamera mit Schlitzverschluss für extrem kurze Belichtungszeiten konstruierte; ihm gelangen Momentaufnahmen fliegender Störche, laufender Pferde und anderer Tiere in Bewegung (Baatz 1997: 64).

Die Zeit der Amateurfotografie setzt 1888 mit der Entwicklung von Handkameras, insbesondere der Kodak Nr. 1, und der damit einhergehenden Vereinfachung des fotografischen Verfahrens ein. »Knipser« beginnen, mit der Kamera ihr Privatleben und ihr Umfeld zu dokumentieren. Diese Aufnahmen haben einen unschätzbaren soziologischen und historiographischen Wert.

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts beginn auch die Entwicklung der Dokumentarfotografie; so begann beispielsweise Edward S. Curtis 1896 sein zwanzigbändiges fotografisches Werk über die Indianerstämme Nordamerikas, bei dem bis 1930 40.000 Negative entstehen.

Industrialisierung

Die Industrialisierung der Fotografie setzt zumindest ein Minimum an Standardisierung voraus; diese Entwicklung beginnt 1888 mit der ersten Rollfilmkamera, der Kodak Nr. 1, von George Eastman. Der Apparat war klein, leicht und mit 25 Dollar auch vergleichsweise preiswert; fotografiert wird zunächst auf dem papierbasierten »Stripping Film« und später auf dem zelluloidbasierten »American Film« mit jeweils hundert runden Bildern. Die ersten Handkameras waren nicht nur handlicher und preiswerter als die zuvor eingesetzten klobigen Klapp-, Falt- und Balgenkameras, sondern setzten auch eine Verarbeitungskette voraus. Neben der Durchsetzung des Rollfilms am Markt ist der Entwicklungsdienst die wohl wichtigste Erfindung, die Eastman in die Fotografie einbrachte.

Getreu dem Motto »You press the button, we do the rest« musste der Fotograf bei diesem Konzept nichts weiter tun als Motive zu suchen, auf den Auslöser zu drücken und später dann die fertigen Papierbilder zu betrachten: Eastman bot einen Entwicklungsdienst für 10 Dollar, bei dem man die Kamera samt abgeknipsten Film einschickte; nach Verarbeitung im Labor erhielt man dann die entwickelten Papierabzüge mit Abzügen zurück, in die Kamera war dann bereits vom Labor ein neuer Film eingelegt worden. Die Papierbilder wurden nicht vergrössert, sondern entsprachen in ihren Abmessungen der Negativgröße.

Die Kodak Nr. 1 war keineswegs die erste Handkamera – 1881 wurde beispielsweise die sogenannte Detektivkamara von Thomas Bolas konstruiert und zum Patent angemeldet – sie war jedoch die erste, die begann, einen Massenmarkt zu erschließen.

Massenmarkt

Eastman beginnt mit der Kodak Nr. 1, der Fotografie einen Massenmarkt zu erschließen. Sein Entwicklungsdienst ist der erste Schritt, die Fotografie für jedermann zu erschließen. Die Meilensteine in diesem Prozess sind:

  • Mit der Erfindung des Stripping Film auf Papierbasis (1884) werden fotografische Platten ersetzbar.
  • Mit dem Ersetzen des Papiers durch Zelluloid als Trägermaterial (American Film, ab 1888 [?]) wird die Verarbeitung von Film vereinfacht.
  • Die Einkapselung des Rollfilms (1891) ermöglichte die Umgehung des Entwicklungsdienstes durch die Möglichkeit der Tageslichtwechselung.
  • Ab 1900 stellt die deutsche Actien-Gesellschaft für Anilin-Fabrikation (später BASF) Rollfilme für die Tageslichtwechslung in industrieller Produktion her.
  • Verbesserungen der Schärfe und Verringerung der Körnigkeit der fotografischen Emulsionen ermöglichen die Verkleinerung des Filmformates.
  • Thomas Alva Edison führt 1891 [?] die Perforation von 35-mm-Film, der fortan als Kinofilm und Kleinbild-Film (135er) in der Fotografie genutzt wird.

Siehe auch

  • Chronologie der Fotografie.

2002 – 1992

Rückblick auf die Fotografie vor zehn Jahren.

  • Minolta Dynax xi-Serie: Dynax 9xi,
  • Canon EOS 5,
  • Kodak Photo CD,
  • Erste digitale Exoten.

Im Bereich der Kleinbildkameras hatte sich der Autofokus seit Anfang der 90er Jahre fest etabliert; sieben Jahre nach der Vorstellung der ersten KB-SLR-Autofokuskamera -- der Minolta 7000 (1985) - setzte sich Autofokus auch bei professionellen und semiprofessionellen Kameras durch.

Minolta bemühte sich gerade, die zweite AF-Generation (i-Serie) auslaufen zu lassen und die dritte Generation der hauseigenen AF-Linie einzuführen (xi-Serie).

Spitzenmodell dieser Linie war die 1992 vorgestellte Dynax 9xi, die zwar technische Höchstleistungen wie eine kürzeste Verschlusszeit von 1/12.000s sowie eine kürzeste Blitzsynchronzeit von 1/300 s bot -- beides damals Weltrekorde -- sie verärgerte jedoch auch durch ein ein hochgradig "elektronisches" Bedienkonzept. Viele Fotografen konnten oder wollten sich mit der Tastensteuerung dieser Kamera nie anfreunden konnten; auch wir haben mit der Kamera so unsere Erfahrungen gemacht... Dennoch wird die Dynax 9xi als "Europas Kamera des Jahres '92/'93" ausgezeichnet.

Als Reaktion auf die heftige Kritik der Benutzer entwickelte Minolta später Kameras wie die Dynax 600 si Classic und die Minolta Dynax 9 mit stärker analogen Bedienelementen.

Weitere Minolta-Neuvorstellungen aus dem Jahr 1992 sind die Amateur-Kameras Dynax 5xi und Dynax 2xi.

Bei Nikon gab es noch die F4, die F-601S, F-601 und die F-401X; Nikons Neuheit von der Fotokina war die F90, die neue Möglichkeiten beim Blitzen eröffnete; die neue 3D-Matrixmessung kombinierte, in Verbindungen mit den ebenfalls neu vorgestellten AF-D-Objektiven, die Informationen einer 8-Zonen-Matrixmessung mit Entfernungsinformationen vom Objektiv. Technologisch betrachtet war die F90 in vielen Aspekten ein unmittelbarer Vorläufer der 1996 vorgestellten F5.

Ebenfalls auf der Fotokina präsentierte Nikon eine Spezialität aus der Nikonos-produktlinie: Die Nikonos RS war die erste Unterwasser-SLR. Als Kameras ohne Autofokus waren die F3 und die FM2 noch im Programm.

Die wichtigste Fotokina-Neuheit von Canon war die EOS 5 mit Augensteuerung; die neuartige Blickfokussierung durch das Auge des Fotografen, das von IR-Sensoren abgetastet wurde, war umstritten und funktioniert nicht für jeden Benutzer. Die Augensteuerung wurde in späteren Modellen (EOS 1V, EOS 3) wieder abgeschafft. Die aktuelle Produktpalette von Canon umfasste daneben das professionelle Spitzenmodell EOS 1 sowie die EOS 10, EOS 100, EOS 1000N und EOS 1000FN.

Leica stellte die R7 vor und war mit der R6.2, der M6 und der der R-E am Markt vertreten; letztere war eine limitierte Olympia Sonder-Edition mit der Prägung "Olympische Spiele '92".

1992 bildet auch einen wichtigen Einschnitt in der Firmengeschichte des Dresdner Traditionsherstellers Pentacon; nach der Liquidation der Pentacon Dresden GmbH (1990) und der Gründung der Jos. Schneider Feinwerktechnik GmbH & Co. KG (1991) wurde 1992 der Markenname "Praktica" durch die neu gegründete Firma weitergeführt. Pentacon stellte dann auch gleich eine neue Spiegelreflexkamera für das Bildformat 24 x 18 mm (72 Bilder pro Film) vor (vgl. Chronologie Pentacon).

Im Segment der Sucherkameras stellte Pentax mit der Espio eine neue Generation besonders kompakter Zoom-Kompaktkameras vor.

Tamron präsentierte ein besonders kompaktes Zoomobjektiv vor, des Revoluzoom 28-200 mm, welches ein Vorläufer der aktuellen Universalzooms ist.

Im Bereich der eher exotischen Kameras versuchte Olympus -- mit begrenztem Erfolg -- die "All-In-One"-Kameras der IS-Serie zu vermarkten; das waren Autofokus-Spiegelreflexkameras mit fest eingebautem Zoomobjektiv, z.B. 35-135 mm oder 35 bis 180 mm, die konzeptionell an die Yashica Samurai aus den 80er Jahren angelehnt war.

Zubehöranbieter wie Cullmann produzierten interessante Stative wie das Cullmann Magic 1, mit dem wir gute Erfahrungen gemacht haben.

Digitalfotografie war noch kein Thema, das hätte die damalige digitale Verarbeitungskette wohl auch noch nicht hergegeben. Es gibt zwar durchaus digitale Produktlinien wie die bereits 1982 vorgestellte Sony Mavica-Serie oder die bereits 1988 vorgestellte QV-1000C, in nennenswertem Umfang erschienen Digitalkameras für den Amateur- und Prosumer-Bereich jedoch erst etwa fünf Jahre später am Markt.

Die wenigen Geräte aus dieser Zeit waren entweder unverhältnismässig teuer (z.B. die Canon Still Video RC-560 aus der ION-Serie für über DM 5.000, das war etwas mehr als der Preis für eine hochwertige Mittelformatkamera wie die Rollei Rolleiflex 6008 und etwas weniger als ein komplettes Hasselblad 500 Classic-Set bestehend aus Objektiv, Magazin und Blitzgerät), lächerlich schlecht (z.B. Fotoman plus mit einer Auflösung von 496 x 360 Pixeln und 256 Graustufen) -- oder beides. Canon stellte die ION-Serie 1992 mit der ION RC-570 ein; im Digitalbereich folgte ab 1995 die EOS-DCS-Serie (in Zusammenarbeit mit Kodak) sowie ab 1996 die PowerShot-Serie.

Mit den professionellen Digitalkameras dieser Zeit konnte man entweder ein einziges Bild im internen Speicher aufzeichnen - oder mit Festplattenerweiterung maximal 50 Bilder (z.B. Kodak DCS 200).

Anspruchsvollere elektronische Bildbearbeitung war eine Herausforderung für die aktuellen Computer dieser Zeit: Als High-End galten Rechner mit Intel 486-CPUs und Taktfrequenzen im Bereich von etwa 33 MHz; Festplatten boten Kapazitäten zwischen ca. 100 und 500 MB. Mager war auch der Speicherausbau, der i.d.R. zwischen 4 und 8 MB lag. CD-Brenner zur Archivierung digitaler Daten gab es noch nicht, Kodak vermarktete jedoch aktiv und mit recht gutem Erfolg die 1992 vorgestellte Kodak Photo CD, eine Gemeinschaftsentwicklung mit Philips, die auch als "elektronisches Fotoalbum" apostrophiert wurde.

Anlässlich der Fotokina zeigte Minolta ein neues Still-Video-System, das grosse Bildmengen auf einem kostengünstigen Datenträger speicherte. Die Kamera, MS-C 1100, basierte auf einer Dynax SPxi mit fest eingebautem Still-Video-Rückteil. An diese Kamera wurde über ein Kabel der spezielle DAT-Recorder MS-R 1100 angeschlossen, der bis zu 2.000 Aufnahmen auf einer Bandkassette speichern konnte. Dieses System ist ausgesprochen exotisch und heute kaum noch bekannt, allerdings ist es Minolta bis heute nicht gelungen, eine stringentes Konzept für die digitale Produktlinie auf die Beine zu stellen.

1992 trat Carl J. Koch als Marketingleiter in das Familienunternehmen Sinar ein und beteiligte sich massgeblich an der Entwicklung der Digitalkamera "Sinarcam", ebenso wie an der jüngeren Entwicklung des Digitalrückteils "Sinarback".

Analog fotografierte man in Farbe auf Materialien von Agfa (z.B. XRG 100, 200, 400, Optima 125, 200, Ultra 50, CT 100i, CT 200, Agfachrome 50 RS Plus, 100 RS Plus, 200 RS, 1000 RS (!)), Fuji (z.B. Super HG 100, 200, 400, RD 100, RH 400, RVP 50 Velvia, RDP 100) oder Kodak (Gold II 100, 200, 400, Kodachrome 25 PU, 64 PU, 200 PU, Ektachrome EC 100 HC, ED 200, EL 400 HC) und vielleicht auch Konica.

Schwarzweiss-Negativfilme gab es von Fuji (z.B. Neopan 400 und 1600), Ilford (z.B. Pan F, FP4 Plus, HP 5 Plus, XP-2, Delta 100 und 400), Kodak (z.B. T-Max 100, 400, 3200) und Agfa (z.B. Agfapan 25, 100, 400).

Siehe auch

  • Chronologie 1975-1999 (Chronologie)

2002 – 1997

Rückblick auf fünf Jahre Consumer-Digitalfotografie.

  • Canon PowerShot 600 (ab 1996),
  • Nikon E-100 (Coolpix 100, ab 1997).

Digitale Kameras im engeren Sinne gibt es etwa seit Mitte der 80er Jahre; zu den frühen Anbietern aus dieser Zeit zählten Canon, Casio, Minolta, Nikon, Fujifilm und Konica; welche Produkte damals anageboten wurden, kann im Detail in unserer Chronologie der Digitalkameras nachgelesen werden. Drei Merkmale waren jedoch all diesen Digitalkameras gemein:

  • Sie waren extrem teuer,
  • sie hatten eine geringe Auflösung, die weit von der Qualität von Kleinbildfilm entfernt war und
  • sie wurden nur in geringen Stückzahlen produziert und verkauft.

Das änderte sich vor ziemlich genau fünf Jahren, in der Zeit um 1996/97:

  • Es wurden Kameras in Preisregionen angeboten, die Privatanwender bezahlen konnten;
  • die Digitaltechnik war mittlerweile so weit entwickelt, dass in kompakten Gehäusen CCD-Sensoren mit einer Auflösung von etwa 500.000 Pixeln sowie die dazugehörige Steuerelektronik und Datenspeicher in kompakten Gehäusen untergebracht werden konnten;
  • die Auflösung dieser Kameras reichte für kleinformatige Ausdrucke oder Ausbelichtungen bis etwa 9 x 13 cm (vgl. Leistungsklasse unter 1 Megapixel).

Konsumenten begannen, diese Produkte zu kaufen, die Foto-Fachpresse begann sich mit Digitalfotografie auseinanderzusetzen und die Marktanteile der Digitalkameras begannen zu wachsen - das Marktsegment der Consumer-Digitalkameras war entstanden.

Seit etwa 1996/97 beschäftigen sich auch Computerzeitschriften mit Digitalfotografie, so beispielsweise die c't, PC Professionell und CHIP Special mit jährlich erscheinenden Sonderheften zum Thema "Digitale Fotografie & Bildbearbeitung". Einige Beispiele:

c't

Die ersten c't-Artikel zur Digitalfotografie stammen aus dem Jahr 1996.

http://www.kefk.net/Fotografie/Geschichte/Rückblick(e)/1997-2002/Abbildungen/14_small.jpg http://www.kefk.net/Fotografie/Geschichte/Rückblick(e)/1997-2002/Abbildungen/11_small.jpg http://www.kefk.net/Fotografie/Geschichte/Rückblick(e)/1997-2002/Abbildungen/19_small.jpg

Ausgabe 14/1998 Ausgabe 11/2000 Ausgabe 19/2001

PC Professionell

Die PC Professionell widmete Digitalkameras erstmals 1997 einen grösseren Bericht.

http://www.kefk.net/Fotografie/Geschichte/Rückblick(e)/1997-2002/Abbildungen/05_small.jpg http://www.kefk.net/Fotografie/Geschichte/Rückblick(e)/1997-2002/Abbildungen/05-p158_small.jpg http://www.kefk.net/Fotografie/Geschichte/Rückblick(e)/1997-2002/Abbildungen/08_small.jpg

Ausgabe 05/1997 Ausgabe 08/2000

http://www.kefk.net/Fotografie/Geschichte/Rückblick(e)/1997-2002/Abbildungen/03_small.jpg http://www.kefk.net/Fotografie/Geschichte/Rückblick(e)/1997-2002/Abbildungen/08_small.jpg http://www.kefk.net/Fotografie/Geschichte/Rückblick(e)/1997-2002/Abbildungen/01_small.jpg

Ausgabe 03/2001 Ausgabe 08/2001 Ausgabe 01/2002

Ein Beispiel für Digitalkameras aus den Jahren 1996/97 ist die erste Kamera aus Canons PowerShot-Serie, die PowerShot 600, die beispielsweise im fotoMAGAZIN, Ausgabe 1/96, vorgestellt wurde.

http://www.kefk.net/Fotografie/Geschichte/Rückblick(e)/1997-2002/Abbildungen/1996_power600_l.jpg

Neben der PowerShot-Serie entstanden 1996/97 auch weitere Produktlinien, die bis heute fortgeführt werden; beispielsweise führte Nikon 1997 mit der E-100 die E-Serie ein, die auch als Coolpix-Serie bekannt ist.

Nach fünf Jahren Consumer-Digitalfotografie zeichnen sind einige Entwicklungen ab:

  • Digitalkameras mit Wechselobjektiven und Gehäuse in SLR-Bauform werden zahlreicher und preiswerter - und damit langsam auch für den Consumer-Bereich interessant. In den Leserbrief-Rubriken der Fotozeitschriften und einschlägigen Internet-Foren wird die Forderung der Fotografen nach SLR-Digitalkameras mit Wechselobjektiven sehr deutlich artikuliert. Aktuelle Beispiele für die ersten digitalen SLR-Kameras im Preissegment von unter EUR 5.000 sind die Nikon D100 und die Canon EOS D60.
  • Bei kompakten Digitalkameras scheint die Auflösung im Bereich von vier bis fünf Megapixeln zu stagnieren. Anscheinend hat die Industrie beschlossen, dass die 4 Megapixel-Leistungsklasse und vielleicht auch noch die 5 Megapixel-Leistungsklasse für die Zielgruppe der Knipser und Amateure ausreicht, Kompaktkameras mit höheren Auflösungen scheinen bis auf weiteres nicht entwicklet zu werden. In diesen Leistungsklassen reicht die Auflösung der Kamera für Abzüge in hoher Qualität bis etwa zum Format 20 x 30. Diese Entscheidung ist grundsätzlich auch sinnvoll, da hier die mechanische und optische Qualität der Kamera die Bedeutung der Auflösung überwiegt. Auch bei Kleinbild-Kompaktkameras sind i.d.R. keine ansprechenden Vergrösserungen über das Format 20 x 30 cm hinaus möglich, von einigen Ausnahmen mit hochwertiger Optik einmal abgesehen (z.B. die Yashica T5 mit Carl Zeiss T* Tessar und die Luxuskamera Minolta TC-1).
  • Neben digitalen Kompaktkameras entwickelt sich ein noch sehr heterogenes Low-end-Segment, bestehend ultrakompakten Pen-Cams (z.B. vom Anbieter Aiptek), Webcams, Kameramodulen für PDAs, Smartphones mit integrierten Kameras und Technik-Gadgets wie die Wristwatch-Kameras (WQV-Serie) von Casio. Ob sich diese digitalen Sonderformen jedoch am Markt durchsetzen erscheint zumindest fraglich.
  • Bei der Entwicklung der Benutzer-Interfaces und der Ausstattung haben sich erste de-facto "Standards" herausgebildet; so gibt es beispielsweise keine Digitalkameras mehr ohne Farbdisplay, bei höherwertigen Modellen ist das Display zusätzlich ausklappbar oder das Gehäuse beweglich. Ein Blitz ist in nahezu alle Kameras integriert und es gibt mehr Modelle, die über einen Standard-Blitzschuh verfügen. Die Designs der Kameragehäuse nähern sich dem konventionellen Formenvorrat stärker an; die Formenvielfalt an exotischen Gehäuseformen geht, von einigen signifikaten Ausnahmen abgesehen (Dimage X, Modelle von Ricoh), zurück.

Ganz offen scheint die Entwicklung von Ausstattungsstandards im Bereich der SLR-Digitalkameras zu sein. Die meisten bisherigen Modelle basieren auf KB-SLR-Gehäusen des Midrange- oder Profi-Segments, denen meist ein digitales Rückteil aufgepfropft wird. Als optionales Zubehör zu den KB-SLR-Kameras Minolta 9000 und Minolta 7000 hat das übrigens Minolta bereits ca. 1988 (!) mit den Still Video Backs angeboten. Bei den aktuellen digitalen SLR-Modellen werden die sich durch digitale statt optischer Verarbeitung ergebenden Möglichkeiten jedenfalls noch kaum genutzt.

Siehe auch

  • Chronologie 1975-1999 (Chronologie),
  • Chronologie 2000 ff. (Chronologie)

2005 – 1985

Rückblick auf die Fotografie vor zwanzig Jahren - 2005 – 1985.

  • Minolta AF-Serie: Minolta 7000, Minolta 9000,
  • Einführung von AF-SLR-Kameras.

Das Jahr 1985 bildet einen massiven Einschitt in die Kamerageschichte: Minolta präsentierte eine voll funktionierende Autofokuskamera mit Wechselobjektiven. Weder Nikon noch Canon konnten eigene AF-Systeme vorweisen, obwohl die meisten Hersteller mit der automatischen Fokussierung bereits seit Jahren herumexperimentierten, Canon zuletzt mit der erfolglosen T80.

Die Wirkung dieses Ereignisses auf die Fotoindustrie ist nicht unähnlich dem Sputnik-Schock und stellt einen der wichtigsten Meilensteine in der Kamerageschichte des 20. Jahrhunderts dar und ist durchaus vergleichbar mit der Erfindung der Kleinbildfotografie durch Oskar Barnack (1913).

Zwischen 2001 und 2002 etablierten sich Digitalkameras als Massenware im Consumer-Markt. Trotz vergleichsweise exorbitant hoher Preise für kompakte Knipskameras hatten sich die digitalen Einsteigermodelle mit brachialer Gewalt durchgesetzt und verkauften sich besser als ihre analogen Gegenstücke.

Die Aufrüstung der Pixelzahl setzte sich kontinuierlich fort, bis die Entwicklung Ende 2002 ins Stocken geriet: Bei den Mittelklasse-Kameras hatte sich ein Standard von vier bis 5 Megapixel etabliert und die Bedeutung der Kameraoptik für die Bildqualität nahm zu, was viele der Newcomer aus dem Elektronik-Segment vor Probleme stellte; ausserdem reicht diese Auflösung für tadellose Ausdrucke und Ausbelichtungen bis zu einem Format von etwa 20x30 cm, mehr verlangen die meisten Hobbyfotografen ohnehin nicht. Auch die Verarbeitungkette stoppte hier das Pixelwachstum: Tintenstrahldrucker im Format A4 waren preiswert und in guter Qualität erhältlich, grössere Formate erforderten die eher exotischen A3-Drucker; die gab es zwar auch für etwas mehr Geld, Fotopapier im Format A3 zu beschaffen war jedoch nahezu unmöglich.

Eine Entwicklungslinie brachte Digitalkameras mit immer grösseren Zoombereichen auf den Markt; dies setzte dem optischen Sucher dieser recht einfach konstruierten Kompaktkameras ein Ende. Die Alternative sollten elektronische Sucher sein, die den Bildausschnitt dem Zoomfaktor präzise anpassen konnten; allerdings waren diese Displays im Sonnenlicht meist nicht erkennbar und nicht für das manuelle fokussieren geeignet; ambitionierte Fotografen mussten sich mit immer wilderen Bastellösungen behelfen, da digitale Spiegelreflexkameras noch nicht bezahlbar waren bzw. von einigen Herstelleren erst gar nicht angeboten wurden.

Ende 2002 kamen dann im Profi-Segment die ersten digitalen SLR-Kameras mit "Vollformat"-Sensor auf den Markt, d.h. die Grösse des Sensors entsprach etwa der Fläche eines Kleinbild-Negativs; der berüchtigte Verlängerungsfaktor entfiel bei diesen Modellen und die entsprechenden Nikon- und Canon-Wechselobjektive konnten ohne Einschränkungen genutzt werden.

Siehe auch

  • Chronologie 1975-1999 (Chronologie)
  • Chronologie 2000 ff. (Chronologie)
  • Chronologie der Digitalkameras (Chronologie)

Technologie

Geschichte der fotografischen Technologie.

Als Fotografie bezeichnet man technische Verfahren, die durch Lichteinwirkung Bilder auf einer lichtempfindlichen Oberfläche erzeugen.

Im klassischen Fall wird dabei das von Objekten reflektierte Licht auf eine lichtempfindliche Schicht gebracht, welches auf dieser Schicht eine Reaktion auslöst; das Objekt kann jedoch auch selbst Licht aussenden. Die lichtempfindliche Schicht ist in der chemischen Fotografie i.d.R. ein Silbersalz, in der elektronischen Fotografie i.d.R. ein CMOS oder CCD-Sensor; die Reaktion der Schicht (Belichtung) ist entweder chemisch oder elektronisch.

Alle fotografischen Verfahren führen eine Bildwandlung durch, d.h. sie verändern das Motiv nach definierten Regeln; konventionelle Fotografie reduziert beispielsweise die Räumlichkeit und wandelt ein dreidimensionales Bild in ein zweidimensionales um, ein Fisheye-Objektiv verzerrt die perspektivische Abbildung gegenüber den menschlichen Sehgewohnheiten usw.

Grundelemente der fotografischen Technologie

Verfahren:

Kamera:

Speicher:

Rezeption:

Farbigkeit:

Typ:

Grenzen der Fotografie

An den Grenzen der fotografischen Technologie finden sich beispielsweise

Kamera

Frühgeschichte der fotografischen Kamera

Die Kamera (lat. camera, "die Kammer") bildet den Kern der fotografischen Apparatur; im einfachsten Falle besteht sie nur aus einer dunklen Kammer mit einem Loch; das ist das Prinzip der Camera obscura und der Lochkamera. Auf alle anderen Komponenten kann diese einfachste Form verzichten.

Die frühste Form einer Kamera ist die Camera obscura; dieses Gerät ist nicht photo-graphisch, da sie kein Bild schreibt: Sie verfügt noch nicht über einen Speicher für das Bild.

Die wichtigsten Komponenten einer Kamera sind neben dem Gehäuse selbst das Objektiv mit der Blende und einer bestimmten Brennweite sowie der Verschluss. Im oder am Gehäuse befindet sich der Speicher für das Bild; dabei können grundsätzlich drei Formen unterschieden werden, der Plattenspeicher, der Filmspeicher sowie der Elektronische Speicher; letzterer kann nur diskrete Daten aufzeichnen, setzt also eine Zerlegung des Bildes voraus.
Plattenkameras: Anfänge des Kamerabaus

Um 1839 basierten alle Kameras auf den Bauplänen der Camera obscura, die ab etwa 1825 um eine Prismenlinse ergänzt worden war.

Siehe Plattenkameras: Anfänge des Kamerabaus - Übersicht zu Schiebekastenkameras, Balgenkameras sowie Klapp- und Schiebekameras.
Weitere frühe Bauformen

1840 wurde die Voigtländer-Kamera vorgestellt; im selben Jahr konstruierte Alexander S. Walcott eine Hohlspiegelkamera.

Weitere Meilensteine des frühen Kamerabaus:
ab 1840: Schiebekastenkameras
ab 1841: Ganzmetallkameras (z.B. von P. W. F. Voigtländer)
ab 1850: Magazinkameras (z.B. von Marcus Sparling) und Balgenkameras (z.B. Voigtländer Reisekamera Typ A)
ab 1851: Stereokameras (z.B. von Jules Dubosq)
ab 1853: Klappkameras (z.B. von Thomas Ottewil)
ab 1959: Topografische Kameras (z.B. von Aimé Lausedat)
ab 1961: Einäugige Spiegelreflexkameras (z.B. von Thomas Sutton)
ab 1873: Kameras für Farbfotografie (z.B. von L. Ducos du Hauron)
ab 1880: Detektivkameras (z.B. »Detective« von Thomas Bolas) und Handkameras (z.B. »Simplex Kamera« von Dr. Krügener)
ab 1881: Zweiäugige Spiegelreflexkameras (z.B. »Academy« von Marion & Co.)
ab 1882: Miniaturkameras (z.B. »Chambre automatique« von Adolphe Bertsch oder »Kombi« von Alfred Kemper)
ab 1885: Geheimkameras (z.B. »Stirns« von R. D. Gray oder »Ben Akiba« von E. Kronke und A. Lehmann) und Spreizenkameras (z.B. »Eclipse« von J. Shew oder »Ango« von C. P. Goerz) sowie Klappkameras in Serienproduktion (z.B. »The Instantograph« von
Lancaster & Son)
ab 1887: Buchkameras (z.B. von George Lowdon oder »Vega« von Vega SA)
ab 1888: Rollfilm-Kameras (»Kodak No. 1« von Eastman)
ab 1890: Panoramakameras (»No. 1 Panorama Kodak« von Eastman) und Opernglaskameras (z.B. »Photo-Jumelle« von Jules Carpentier)
ab 1895: Standartenkameras (z.B. von George Houghton)
ab 1897: Rollfilm-Klappkameras (»Folding Pocket Kodak« von Eastman) und kombinierte Rollfilm- und Plattenkameras (»No. 4 Cartridge Kodak« von Eastman)
ab 1900: Volks- und Schnappschusskameras (»Brownie« von Eastman) und Briefmarkenkameras (ICA) sowie Reporterkameras (z.B. »Tropenkamera« von Ernemann)
ab 1903: Westentaschenkameras (z.B. »Block notes« von Gaumont & Cie)
Handkameras: Industrialisierung des Kamerabaus

Mit der Einführung der Gelatine-Trockenplatten (1871) wurden die Belichtungszeiten kürzer, so daß nun leichtere und handlichere Plattenkameras hergestellt wurden, mit denen man aus der Hand, d.h. ohne Stativ, fotografieren konnte.

Siehe Handkameras: Industrialisierung des Kamerabaus - Übersicht zu Detektivkamera (1881) und Kodak Nr. 1 (1888).

Weitere Meilensteine des industriellen Kamerabaus:
ab 1913: Kleinbildkameras für 35 mm-Film (Prototyp der Ur-Leica; Serienfertigung ab 1925)
ab 1929: Zweiäugige Rollfilm-Spiegelreflexkameras (»Rolleiflex« von Franke & Heidecke)
ab 1933: Spiegelreflexkameras für 35 mm-Film (z.B. »Kine-Exakta« von Ihagee)
ab 1934: Federwerk-Kameras (»Robot« von Berning)
ab 1936: Kleinstbildkameras für 8x11 mm-Film (»Minox«)
ab 1948: Sofortbild- bzw. Schnellentwicklungskameras (»Polaroid Land Camera 95« von Polaroid Corp.)
ab 1956: Wechselmagazkameras (z.B. »Adox 300« von Adox)
ab 1960: Motorkameras (»Iloca Electric« von Iloca Camerawerke)
ab 1977: Autofokus-Kompaktkameras (Konica C35AF von Konishiroku)
ab 1985: Autofokus-Kleinbildspiegelreflexkameras (»Minolta 7000«)
ab 1981: Digitalkameras (»Mavica« von Sony).
Erste Kleinbildkameras

In der langen Entwicklungszeit der fotografischen Kamera wurden aus den mehrere Kilogramm schweren, unförmigen Fotokästen der fotografischen Frühzeit immer kleinere, leichtere und komfortablere Kameras.

Siehe Entstehung der Kleinbildkameras: Übersicht zu den ersten Kleinbildkameras - Leica (1913/1925).
Frühe Spezialkameras

Siehe Frühgeschichte der fotografischen Spezialkameras: Übersicht zu frühen Entwicklungen in der Chronofotografie, Stereofotografie und Mikrofotografie.

Weitere Meilensteine des Spezialkamerabaus:
ab 1851: Stereokameras (z.B. von Jules Dubosq)
ab 1959: Topografische Kameras (z.B. von Aimé Lausedat)
ab 1880: Detektivkameras (z.B. »Detective« von Thomas Bolas) und Handkameras (z.B. »Simplex Kamera« von Dr. Krügener)
ab 1882: Miniaturkameras (z.B. »Chambre automatique« von Adolphe Bertsch oder »Kombi« von Alfred Kemper)
ab 1885: Geheimkameras (z.B. »Stirns« von R. D. Gray oder »Ben Akiba« von E. Kronke und A. Lehmann)
ab 1887: Buchkameras (z.B. von George Lowdon oder »Vega« von Vega SA)
ab 1890: Panoramakameras (»No. 1 Panorama Kodak« von Eastman) und Opernglaskameras (z.B. »Photo-Jumelle« von Jules Carpentier)
Weitere Entwicklungen

Nach 1960 hielt die Elektronik auch in der Photographie Einzug. Die photographische Kamera entwickelte sich zu einer vollautomatischen Kamera, da durch elektronische Ausstattungen die wesentlichen Kamerafunktionen (Belichtungszeit, Blendenöffnung, Scharfeinstellung u.a.) automatisiert wurden.

Die kompakten Kasten- oder Boxkameras hatten zur Popularisierung der Amateurphotographie beigetragen. Aber nicht jedem Amateur gelang es reibungslos, den Rollfilm in die Boxkamera einzulegen und nach Belichtung wieder herauszunehmen, ohne daß es zum Lichteinfall kam. Diesem Umstand trug die Eastman Kodak Company durch Entwicklung eines neuen Filmladesystems Rechnung: 1963 ersetzte sie den Rollfilm durch die Kodapak-Kassette und lieferte für sie eine Serie von "Instamatic"Kameras. Die Instamatic wurde innerhalb von fünfzehn Jahren zur erfolgreichsten Kamera der Photogeschichte.
Solarkamera

Abbildung: Solarkamera »Jupiter«, Nashville, Tennessee, Gelatine -Silberdruck ca. 1866.

Camera obscura

Frühgeschichte der fotografischen Kamera

Die Camera obscura (lat. camera, "Kammer" und obscurus, "dunkel"; also "dunkle Kammer") ist ein von innen geschwärzter Kasten, der mit einem kleinen Loch versehen ist. Das durch das kleine Loch einfallende Licht projiziert auf die Rückwand der Kamera das seitenverkehrte Bild der Außenwelt in Farbe und mit Bewegung (s.a. Lochkamera).

Abbildung: Camera obscura, um 1825.
Geschichte und Entwicklung

(Pseudo-) Aristoteles beschrieb in der apokryphen Schrift Problemata physica zum ersten Mal die Umkehr des Bildes, wenn Licht durch ein Loch fällt und empfahl die Vorrichtung zur Beobachtung einer Sonnenfinsternis. Er beobachtete auch schon, dass, je kleiner das Loch ist, das Bild umso schärfer, aber auch lichtschwächer abgebildet wird.

Das Prinzip der Lochkamera war auch im arabischen Kulturraum bekannt; hier beschrieb es als erster der arabische Physiker und Mathematiker Ibn al-Haitham (oder Abu Ali Alhazen; * Basra 965, † Kairo um 1040). Um 900 verwendeten arabische Gelehrte den Kamera-Vorläufer als astronomisches Gerät beispielsweise zur Beobachtung von Sonnen- und Mondfinsternissen; auch Albertus Magnus soll das Prinzip der Camera obscura gekannt haben.

Vom Ende des 13. Jahrhundert an wurde die Camera obscura auch von Astronomen im Europäischen Raum zur Beobachtung von Sonnenflecken und Sonnenfinsternissen benutzt, um nicht mit bloßem Auge in das helle Licht der Sonne blicken zu müssen. Roger Bacon baute für Sonnenbeobachtungen die ersten Apparate in Form einer Camera obscura.

Leonardo da Vinci untersuchte den Strahlengang und stellte fest, dass dieses Prinzip in der Natur der Funktionsweise des Auges entspreche; daraus leitete er ab, dass sich durch Linse und Iris die Schärfe und Lichtmenge regulieren ließe; Leonardos Entdeckungen aus den Jahren 1490 bis 1492 wurden jedoch erst 1797 bekannt, als seine Spiegelschrift erstmals entziffert wurde:

»Wenn die Fassade eines Gebäudes, oder ein Platz, oder eine Landschaft von der Sonne beleuchtet wird und man bringt auf der gegenüberliegenden Seite in der Wand einer nicht von der Sonne getroffenen Wohnung ein kleines Löchlein an, so werden alle erleuchteten Gegenstände ihr Bild durch diese Öffnung senden und werden umgekehrt erscheinen«.

Weitere Nutzungen in der frühen Neuzeit:
Der italienische Mathematiker und Astronom Toscanelli brachte 1475 einen bronzenen Ring mit einer kleinen Öffnung in einem Fenster der Kathedrale in Florenz an. An sonnigen Tagen wird ein Bild der Sonne auf den Boden der Kathedrale geworfen. Eine Mittagsmarke am Boden gibt die Möglichkeit zur Zeitbestimmung. Dieser Ring kann heute noch besichtigt werden ( Quelle).
Eine ähnliche Vorrichtung wurde 1580 von päpstlichen Astronomen genutzt, um Papst Gregor XIII. zu beweisen, daß die Frühjahrs-Tag-und-Nacht-Gleiche auf den 11. statt wie eigentlich korrekt auf den 21. März fiel. Dies führte zur berühmten gregorianischen Kalenderreform ( Quelle).
Reiner Gemma-Frisius beobachtete 1568 mit einer Camera obscura eine Sonnenfinsternis.

Abbildung: Reiner Gemma-Frisius: Camera obscura, 1544.

Die Sammellinse als Möglichkeit zur Verbesserung der Abbildung wurde 1568 durch den Venezianer Daniele Barbaro in seinem Werkt La pratica della perspettiva (158) beschrieben:

»Auch muß das Linsenglas so weit abgedeckt werden, dass nur eine kleine Öffnung in der Mitte freibleibt, dann wird man eine lebhaftere Wirkung erhalten«.

1589 setzt der italienische Physiker Giovanni Battista Della Porta (* Neapel 1535, † ebd. 1615) diesen Konstruktionsvorschlag praktisch um (Magia naturalis, 1558); andere Quellen nennen allerdings Girolamo Cardano als Erfinder der Linse für die Camera obscura (De subtilitate, 1550). Della Porta empfahl die Camera obscura auch als Zeichenhilfe für Menschen, die schlecht malen könnten.

Abbildung: Moderne Camera obscura mit integrierter mattierter Glasscheibe (Mattscheibe) auf der Kastenoberseite, die als Zeichenfläche diente; gezeichnet wurde auf transparentem Papier.
Prinzip: Das Bild wird durch die Linse (B) eingefangen, über den Umlenkspiegel (M) auf die Zeichenfläche (N) projiziert und dort abgenommen.

Die bisher konstruierten Modelle der Camera obsura waren ortsgebunden, erst Athanasius Kircher beschrieb 1646 eine zwar noch zimmergroße, aber immerhin schon transportable Variante. Weitere Fortschritte in der Mobilität erzielte Johannes Zahn, der 1686 eine transportable Camera obscura konstruierte: Ein Spiegel, der im Winkel von 45 Grad zur Linse im Inneren der Kamera angebracht war, projizierte das Bild nach oben auf eine Mattscheibe und konnte so bequem abgezeichnet werden (Spiegelreflex-Konstruktion mit Ablenkspiegel).

Bis ins 19. Jahrhundert nutzten Künstler die Camera obscura von Malern vor der Fotografie gern als Zeichenhilfe genutzt. Man konnte in ihr die Landschaft auf Papier abmalen und dabei alle Proportionen richtig wiedergeben. Bekannteste Beispiele sind Canaletto mit seinen berühmten Gemälden von Dresden und Warschau sowie Caspar David Friedrich und Jan Vermeer. Auch der Astronom Johannes Kepler nutzte eine Camera obscura.

Francesco Algarotti (1764):

»Die besten Maler Italiens haben sich zum großen Teil mit diesem Apparat versehen; anders wäre es auch gar nicht möglich gewesen, daß sie die Dinge so lebensecht darstellen«.

Was für die Photo-graphie allerdings noch fehlte, war
vor allem eine Möglichkeit, das Lichtbild automatisch – also ohne Intervention eines Ab-Malers – zu speichern;
verbesserte Linsen, d.h. Objektiv;
mehr Mobilität, also kompaktere Kameras.

Abbildung: Camera obscura ("Encyclopédie, ou dictionnaire raisonné des sciences, des arts et des métiers", 1772)
Bekannte Einrichtungen
Camera Obscura auf dem Berg Oybin bei Zittau, Erbauung 1852, Erneuerung 1980-83, 360° Rundumblick, Besonderheit: Projektionsleinwand ist das Dach eines Trabants.
Camera Obscura in Hainichen bei Freiberg - Erbauung 1883, Einweihung am 23. Juni 1883, Erhöhung 1906, Erneuerung 1985.
Camera Obscura in Mülheim an der Ruhr 1992
Camera Obscura in Edinburgh und Dumfries in Großbritannien
Camera Obscura in San Francisco in den USA
Camera Obscura in Grahamstown in Südafrika
Camera Obscura in Eger in Ungarn - Damit wurden bereits 1552 die anstürmenden Türken beobachtet.
Camera Obscura in der Budapester Universität
Camera Obscura in der Moskauer Lomonossow-Universität
Literatur

Michel Frizot (Hrsg.): Neue Geschichte der Fotografie

Beaumont Newhall: Geschichte der Fotografie

Willfried Baatz: Geschichte der Fotografie (Schnellkurs)

Boris von Brauchitsch: Kleine Geschichte der Fotografie

Haberkorn Heinz: "Anfänge der Fotografie. Entstehung eines neuen Mediums", Hamburg 1981

Jürgen Königs (Hrsg.): "Aspekte '89. Katalog zur Ausstellung. Lochkamera-Fotografie", Siegen 1989

Harald Mante: "Bildaufbau. Gestalten in der Fotografie", München 1981

Brill, Falk, Stork: "Ein Blick ins Licht. Einblicke in die Natur des Lichts und des Sehens in Farbe und Fotografie", New York 1986

Man Ray: "Photographien Paris 1920-1934", München 1980
Siehe auch
Lochkamera.
Laterna magica - Projizierendes Gegenstück zur Camera obscura.
Netmarks
www.sachsen-freizeit.de/CO/camera.html
brightbytes.com/cosite/cohome.html - Vieles zur Camera Obscura mit Bilder aus USA und UK (engl.)
www.cameraobscura.ch - Ein sehenswertes Schweizer Camera Obscura Projekt
www.horizonte-team.de/fortbildungen/obscura
home.arcor.de/lo/lochkamera - Ausarbeitung zu "Bau, Erprobung und Einsatz der Lochkamera im Sachunterricht der Grundschule" von Frank Große Entrup.
www.hainichen.de/stadtleben/camera.htm - Begehbare Camera Obscura im sächsischen Hainichen.
Quelle

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Version: 23:21, 28. Jun 2004

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Handkamera

Handkameras: Industrialisierung des Kamerabaus

Mit der Einführung der Gelatine-Trockenplatten (1871) wurden die Belichtungszeiten kürzer, so daß nun leichtere und handlichere Plattenkameras hergestellt wurden, mit denen man aus der Hand, d.h. ohne Stativ, fotografieren konnte.
Detektivkamera (1881)

Die erste noch kastenförmige Handkamera, auch Detektivkamara genannt, wurde 1881 von Thomas Bolas konstruiert und in England zum Patent angemeldet.
Kodak Nr. 1 (1888)

1888 kam die erste Rollfilmkamera, die Kodak Nr. 1 von George Eastman (1854-1932), auf den Markt, die das Fotografieren wesentlich vereinfachte. Diese Amateurkamera verfügt über einen Aufsicht-Sucher, lieferte runde Bilder und konnte auf einem Stripping Film hundert Bilder speichern. Der Preis lag bei verhältnismäßig kostspieligen 25 Dollar.

Abbildung: George Eastman an Bord der S. S. Galia, Albuminpapierkopie nach einem Kodak-Filmnegativ.

Der Fotograf musste bei diesem Konzept nichts weiter tun als Motive zu suchen, auf den Auslöser zu drücken und später dann die fertigen Papierbilder zu betrachten: Eastman bot einen Entwicklungsdienst für 10 Dollar, bei dem man die Kamera samt abgeknipsten Film einschickte; nach Verarbeitung im Labor erhielt man dann die entwickelten Papierabzüge mit Abzügen zurück, in die Kamera war dann bereits vom Labor ein neuer Film eingelegt worden. Die Papierbilder wurden nicht vergrössert, sondern entsprachen in ihren Abmessungen der Negativgröße

Der einprägsame Werbeslogan dazu lautete: »You press the button, we do the rest«.
Abbildung: Eastman-Werbeslogan »You press the button, we do the rest«. Abbildung: Der Werbeslogan »You bress the button, we do the rest« zierte sogar den Firmensitz.

Weitere Entwicklung

Siehe

Kleinbildkamera

Entstehung der Kleinbildkameras

In der langen Entwicklungszeit der fotografischen Kamera wurden aus den mehrere Kilogramm schweren, unförmigen Fotokästen der fotografischen Frühzeit immer kleinere, leichtere und komfortablere Kameras.

Für diese Entwicklung gab es drei entscheidende Einflüsse:
Mit der Einführung des Rollfilms (ab 1848 auf Papierbasis, ab 1888 auf Zelluloidbasis) wurde das Aufnahmematerial kompakter und vor allem flexibler.
Mit der Einführung von lichtempfindlichen Filmemulsionen wurde es möglich, das Negativ zu vergrößern; dies ermöglichte kleinere Aufnahmeformate und damit auch auf kompaktere Kameras.
Der enorme Erfolg der Amateurfotografie veranlaßte die Kameraindustrie zum Bau einfacherer und handlicherer Fotoapparate, um immer größere Märkte erreichen zu können.

Als erste Kleinbildkamera entwickelte Oskar Barnack (* Lynow [Kr. Luckenwalde] 1879, † Bad Nauheim 1936), einem Mitarbeiter der optischen Werke Werner Leitz in Wetzlar die Leica, eine Abkürzung für »Leitz Camera«.

Barnack hatte die Kamera seit 1913 entwickelt und stellte sie erstmals auf der Leipziger Frühjahrsmesse 1925 der Öffentlichkeit vor.

Die Leica nutzte Edisons 70 mm-Kinofilm, versah ihn mit einer Perforation und halbierte die Bildgröße; damit ergab sich der 35 mm-Film mit einem Negativformat von 24 x 36 Millimetern, der sich als Standard bis heute durchsetzte.

1928 erhielt der Luftfahrtpionier Hugo Eckener (* Flensburg 1868, † Friedrichshafen 1954) die 10 000. Leica zum Geschenk, der Asienforscher Sven Hedin (* Stockholm 1865, † ebd. 1952) ein Jahr später die 25 000. Kamera.

1933 wurde die erste Spiegelreflexkamera für das Kleinbildformat konstruiert. Die ebenfalls noch heute üblichen Filmpatronen wurden 1936 von der IG Farben entwickelt.
Agfabox

Abbildung: Agfabox - Ausschnitt aus einem Werbemotiv.

Komponenten

Komponenten der fotografischen Kamera

...

Lochkamera

Eine Lochkamera ist eine Variante der Camera obscura. Im Gegensatz zu einem herkömmlichen Fotoapparat besitzt sie keine Linse, sondern eine sehr kleine Öffnung (das »Pinhole«). Das Motiv, das mit dieser Kamera fotografiert wird, wird auf der diesem Loch gegenüberliegenden Innenwand spiegelverkehrt und auf dem Kopf stehend abgebildet und mittels einer lichtempfindlichen Schicht (z.B. Film, Fotopapier) aufgezeichnet.

Abbildung: Prinzip einer Lochkamera.

Lochkameras lassen sich sehr leicht z.B. aus Getränke- oder Keksdosen bauen, aber auch Wassertonnen oder Baucontainer werden als "Kamera" verwendet.

Im Idealfall kommt bei diesem "Low Tech" - Gerät von jedem Punkt eines Objektes genau ein Lichtstrahl auf den Film. Die Schärfentiefe ist immer unendlich.
Beispielbild

Abbildung: Der Ostwestfalendamm in Bielefeld aufgenommen mit einer Camera Obscura aus Beton, fotografiert von Jörg Sprügel mit einer Lochkamera (liznziert unter der GNU FDL).
Zur Bedeutung der Lochkamera

Dieter Bublitz:

»Eine Lochkamera ist ein "Low Tech" - Gerät und die Beschäftigung damit befreit einen von dem PR-Dunst, den die Kamera-Hersteller und die Fotomagazine heutigentags über ihre Kundschaft ausbreiten. Plötzlich wird wieder das Bild wichtig und nicht so sehr das Gerät, mit dem es erzeugt wurde« (www.die-lochkamera.de/f_was.htm).
Siehe auch
Camera obscura.
Laterna magica - Projizierendes Gegenstück zur Camera obscura.
Netmarks
Dieters Lochkamera Seite - Umfassende Informationen zu Lochkameras, mit FAQ, Bauanleitung und Mailingliste; von Dieter Bublitz;
www.die-lochkamera.de/f_was.htm.
Lochkamera-Bauanleitung von Manfred Baierl;
www.gamb.de/photo/loch-k.htm.
Camera obscura als Thema im Unterricht - Bildungsserver Brandenburg,
www.bildung-brandenburg.de/bbs/schule/faecher/sek1/kunst/camera/.
Die Lochkamera im Sachunterricht der Grundschule von Frank Große Entrup,
home.arcor.de/lochkamera.
Lochkamera - Panorama - Photographie von Jochen Reincke mit einer Bauanleitung für eine 150-Grad-Panorama-Lochkamera;
www.jochen-reincke.de.
Quelle

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Version: 23:43, 14. Mai 2004.

Lizenz: GNU Free Documentation License.

Plattenkamera

Plattenkameras: Anfänge des Kamerabaus

Um 1839 basierten alle Kameras auf den Bauplänen der Camera obscura, die ab etwa 1825 um eine Prismenlinse ergänzt worden war.
Schiebekastenkameras

Ein solches Modell konstruierte der Chemiker Franz Ritter von Kobell (* München 1803, † ebd. 1882) und der Physiker Carl August von Steinheil (* Rappoltsweiler [Elsaß] 1801, † München 1870) bereits 1839 aus verschiebbaren Pappröhren; ihre Variante war handlich (12,7x7,6 cm), verfügte über eine achromatische Linse und ein Bildformat von 3,8x5,1 cm mit runden Negativen.

Sie fotografierten verschiedene Gebäude in München, darunter die Glyptothek und die Türme der Frauenkirche. Diese ersten in Deutschland aufgenommenen Fotografien waren allerdings keine Daguerreotypien, sondern auf Chlorsilberpapier festgehaltene Negative. Um ein Positiv zu erhalten, nahm Steinheil sie mit seiner Kamera nochmals auf.

Noch im selben Jahr baute von Steinheil die erste (ebenfalls tubusförmige) Metallkamera, mit welcher Daguerreotypien im Bildformat von 8,5x11 mm für Schmuckstücke und Medaillons hergestellt wurden. Sie war die erste Kleinstbildkamera der Welt, von der in Deutschland mindestens zehn Exemplare produziert wurden.

Abbildung: Schema einer Daguerreotypie-Kamera.

Die ersten für den Verkauf bestimmten und damit die ersten serienmäßig hergestellten fotografischen Kameras wurden von dem Pariser Kamerafabrikanten Alphonse Giroux im Auftrag von Louis Jacques Mandé Daguerre nach den von ihm entwickelten Apparaten gebaut und ab September 1839 angeboten.

Die erste (hölzerne) Daguerreotypie-Kamera aus dem Jahr 1839 hatte im geschlossenen Zustand die Maße 26,7x31,1x36,8 cm. Giroux betrieb auch das erste Fotogeschäft der Welt, in dem er alles anbot, was fu die Daguerreotypie notwendig war.
Balgenkameras

Die erste mit Balgen ausgerüstete fotografische Kamera (für Daguerreotypien) (Balgenkamera) stellte der Franzose Armand Pierre de Séguier 1839 in Paris vor. Doch gab es diesen Kameratyp, der teils aus Holz, teils aus Metall gefertigt war, für den allgemeinen Gebrauch erst ab 1851.

Die Balgenkameras, die sich zusammenklappen ließen, waren im Vergleich zu den Schiebekastenkameras ein großer Fortschritt und blieben auch noch nach Einführung der Glasplatte als Träger des fotografischen Negativs aktuell.
Klapp- und Faltkameras

Bei diesem Kameratyp handelte es sich um Apparate mit ausklappbaren oder herausziehbaren Balgen; im geschlossenen Zustand hatten sie die Gestalt eines handgroßen Etuis.

Das erste Modell einer Klappkamera stellte die Eastman Kodak Company 1897 in London erstmals öffentlich vor. Es setzte sich unter der Bezeichnung Folding Pocket Kodak durch und kostete anfangs acht Dollar.

In der Folgezeit gaben fast alle Kamerahersteller Klappkameras heraus. Nach dem Zweiten Weltkrieg ließ das Interesse an diesem Kameratyp nach; ab den sechziger Jahren wurde er nicht mehr produziert.
Magazin- und Multiplikatorkameras

Alle Plattenkameras hatten den Nachteil, daß jeweils nur eine Platte eingeschoben und belichtet werden konnte. Um den lästigen Plattenwechsel zu vermeiden, wurden verschiedenen Möglichkeiten:
Magazinkameras: fotografische Kameras mit Mehrplattenmagazinen;
Multiplikatorkameras: fotografieren mehrerer Aufnahmen auf einer Platte.

Das vermutlich erste Patent auf eine Magazinkamera erhielt 1854 der Engländer Thomas E. Merrit.

Spezialkamera

Frühgeschichte der fotografischen Spezialkameras

Bereits in der Frühzeit der Fotografie wurden eine Reihe von Spezialkameras entwickelt.
Chronofotografie
Reihenbildkamera (»photographisches Gewehr«)

Der französische Physiologe Étienne Jules Marey (* Beaune 1830, † Paris 1904) entwickelte zur Erforschung tierischer Bewegungsabläufe mit Hilfe der Fotografie zahlreiche Verfahren, wobei er im Gegensatz zu seinen Vorgängern stets mit einer Kamera statt mit mehreren in Reihe nebeneinander aufgestellten Apparaten arbeitete.

Am bekanntesten wurde seine 1882 konstruierte und 1890 patentierte gewehrähnliche und deshalb als photographisches Gewehr bezeichnete Kamera zur Aufnahme von Reihenbildern; diese Erfindung war gleichzeitig auch die erste funktionsfähige Filmkamera der Welt.

Für sie verwendete er die von George Eastman entwickelten Rollfilme (1884, 1889), zunächst den Papierfilm, später den Zelluloidfilm. 1893 erhielt er ein Patent auf einen Projektor zur Vorführung der mit der chronophotographischen Kamera produzierten Filmstreifen. Kamera und Projektor waren die unmittelbaren Vorläufer der modernen Filmkameras und Kinoprojektoren.

Durch schnelle Folgen von 50-60 Bildern pro Sekunde bei der Aufnahme und einer Wiedergabegeschwindigkeit von etwa 10 Bildern pro Sekunde konnte Marey erstmals einen Zeitlupeneffekt erzielen.

Eine Weiterentwicklung der Chronofotografie ist die heutige Hochgeschwindigkeitsfotografie, eine andere der Kinofilm.
Stereofotografie

Die Stereofotografie ist seit etwa 1851 verbreitet; in diesem Jahr brachte J. Dubosq ein Stereoskop auf den Markt; ein zweiäugiges Stereoskop entwickelte D. Brewster 1847, das in einer von O. W. Holmes verbesserten Fassung um 1860 auf den Markt kam.

Eine Weiterentwicklung der raum-wiedergebenden Stereofotografie ist die Holografie.
Mikrofotografie

Die von dem amerikanischen Erfinder George Eastman (* Waterville [N. Y.] 1854, † Rochester [N. Y.] 1932) in Rochester (N. Y.) 1880 gegründete Eastman Kodak Co. entwickelte 1928 unter der Bezeichnung "Recordak" ein industrielles Verfahren zur Mikroverfilmung, mit dem Dokumente photographisch stark verkleinert werden können.

Da bei der Archivierung von mikroverfilmtem Schriftgut eine Raumeinsparung bis zu 98% möglich ist, werden Mikroformen zunehmend in Archiven, Bibliotheken u.ä. verwendet.

So stellte die 1835 gegründete amerikanische Tageszeitung The New York Herald Tribune als eine der ersten Zeitungen 1935 ihr Archiv mit den 100 ersten Jahrgängen des Blattes, das einen Raum von über 5000 Kubikmetern beansprucht hatte, auf Mikrofilm (Rollfilm) um und kam nun mit einem normalen Bücherschrank aus.

Rezeption

Die Rezeption des fotografischen Bildes umfasst

  • Das Erzeugen von Abzügen vom fotografischen Bild in Form von Papierbildern;
  • die Projektion des fotografischen Bildes über eine bildwerfende Einrichtung; sowie
  • das Drucken des fotografischen Bildes, beispielsweise in Form von Reproduktionstechniken für den Zeitungs- und Zeitschriftendruck.

Abzug

Abzüge vom fotografischen Bild

Fotopapiere

Sowohl das Verfahren der Kollodium-Nassplatte als auch das Verfahren der Trockenplatte sind Negativverfahren und auch im Verfahren der Kalotypie erhält man vorerst ein Negativ. Von Negativen lassen sich jedoch leicht Positive herstellen.

Einige im 19.Jahrhundert sehr bedeutende auf Fotopapiere möchte ich nun anführen. Grundsätzlich unterscheidet man zwei Arten von Papieren:
Auskopierpapiere und
Entwicklungspapiere.

Generell muss gesagt werden, dass die meisten Bilder nach dem Prinzip der Kontaktkopien hergestellt wurden. Das bedeutet, dass Negativ und Fotopapier direkt aufeinander liegen und das Positiv daher die gleiche Größe wie das Negativ hat.
Auskopierpapiere

Als Auskopierpapier bezeichnet man diejenigen Papiere, bei denen das Bild schon während der Belichtung sichtbar wird.
Salzpapier

Salzpapier war das erste Auskopierpapier26. Zur Herstellung wird sehr dünnes Schreibpapier längere Zeit in einer Kochsalzlösung gebadet. Nach dem Bad wird das Papier getrocknet und auf eine Silbernitratlösung gelegt. Das Chlor der auf dem Papier befindlichen eingetrockneten Kochsalzlösung verbindet sich nun mit dem Silber des Silbernitrats. Dadurch entsteht lichtempfindliches Silberchlorid. Da sich die lichtempfindliche Substanz im Papier befindet, erhält man weiche, matte Bilder. Salzpapier wurde von 1839 bis 1860 häufig verwendet.
Albuminpapier

Das Albuminpapier erhielt seinen Namen von der Trägersubstanz der lichtempfindlichen Schicht, dem Albumin, das aus dem Eiweiß von Hühnereiern gewonnen wurde. Das Albuminpapier wurde 1850 eingeführt und verdrängte bis 1865 alle bis dahin üblichen Verfahren der Herstellung von Positiven. Die Herstellung erfolgt, indem man Papier mit Albumin, in dem Kaliumbromid (KBr) und Essigsäure gelöst sind, bestreicht. Danach wird es zur Sensibilisierung auf eine Silbernitratlösung gelegt. Das Brom des Kaliumbromids verbindet sich nun mit dem Silber der Silbernitratlösung zur lichtempfindlichen Substanz Silberbromid (AgBr). Die Trägersubstanz Albumin verhindert ein Eindringen des Silberbromid in das Papier und verleiht dem Bild stärkere Kontraste.

Albuminpapier wurde schon bald in Fabriken hergestellt, jedoch musste das Papier vor der Belichtung erst „gesilbert“, das heißt auf eine Silbernitratlösung gelegt werden. In der damals größten Albuminpapierfabrik in Dresden wurden täglich circa 60.000 Eier zur Albumingewinnung verbraucht. Albuminpapiere wurden bis nach dem Ersten Weltkrieg sehr häufig verwendet.
Aristopapier

Aristopapier war der Name eines bestimmten Fabrikates von Auskopierpapieren, hergestellt von Liesegang in Düsseldorf ab 1886, jedoch wurde der Name sehr schnell für alle Chlorsilber-Gelatine-Auskopierpapiere verwendet. Wie schon der Name sagt, handelt es sich bei der lichtempfindlichen Substanz um Silberchlorid (AgCl). Eine andere Art der Aristopapiere benutzte nicht Gelatine, sondern Kollodium als Trägersubstanz. Zuweilen wurde auch eine Zwischenschicht aus Bariumsulfat (BaSO4) zwischen Trägersubstanz und lichtempfindlicher Substanz
eingefügt, um die Brillanz des Bildes zu erhöhen.
Entwicklungspapier

Als Entwicklungspapiere werden diejenigen Papiere bezeichnet, die nach der Belichtung in ein Entwicklungsbad gelegt werden müssen, in dem das Bild erst sichtbar wird.
Bromsilberpapier

Nach der Erfindung der Trockenplatte mit Silberbromid als lichtempfindlicher Substanz folgerte Mr. Peter Mawsdley, dass diese Substanz auch für Fotopapiere verwendet werden könnte. Es gelang ihm auch Bromsilberpapier, das ursprünglich Bromsilber-Gelatine-Entwicklungspapier genannt wurde, herzustellen. Bromsilberpapier besteht aus Papier als Trägersubstanz, darauf befindet sich die lichtempfindliche Substanz, die vom Papier durch eine Bariumsulfatschicht getrennt wird, was die Brillanz erhöht. Die frühen Bromsilberpapiere lieferten qualitativ wenig zufriedenstellende Resultate, doch verbesserte sich die Qualität sehr rasch, sodass Bromsilberpapier bald schon für
Vergrößerungen benutzt wurde. Dies wurde durch die höhere Lichtempfindlichkeit von Silberbromid ermöglicht.

Druck

Drucken des fotografischen Bildes

Reproduktionsverfahren:

  • Woodburytypie
  • Kohledruck
  • Heliogravure (Photogravure)
  • Lichtdruck
  • Autotypie

Laterna magica

Laterna magica

Projektion

Projektion des fotografischen Bildes

Speicher

Geschichte der fotografischen Bildspeicher

Nach der Entwicklung des Prinzips der Lochkamera, der Spezialisierung in Form der Camera obscura, der Einführung der Sammellinse und des Ablenkspiegels sowie der beginnenden Mobilisierung nutzten vor allem Maler die Vorläufer der Fotografie als Zeichenhilfe: Sie waren Zeichenmaschinen.

Natürlich wollte man im Zeitalter der Rationalität und der beginnenden Industrialisierung den Menschen rationalisieren, man suchte also im 18. Jahrhundert intensiv nach einer Möglichkeit, die Bilder der Camera obscura dauerhaft zu fixieren, d.h. zu speichern. Dazu waren drei Voraussetzungen erforderlich (Baatz 1997, S. 10):
ein optisches System zum Abbilden des Motivs;
eine chemische Substanz, die ihr Aussehen unter dem Einfluss von Licht verändert sowie
ein Mittel, das diese Veränderung dauerhaft fixieren konnte.

Die erste Anforderung war bereits seit der (Spät-) Antike prinzipiell sowie seit etwa 1550 (Sammellinse) auch technisch zufriedenstellend gelöst, die zweite Anforderung war bis Anfang des 19. Jahrhunderts gelöst, nur die dritte Anforderung erwies sich als schwierig.
Suche nach einer lichtempfindlichen Substanz

1614 stellte A. Sala, der italienische Leibarzt des Herzogs von Mecklenburg, fest: »Wenn man das Silbersalz der Sonne aussettzt, schwärzt es sich wie Tinte«.

Christoph Adolph Balduin stellte 1674 aus Kreide und Salpetersäure Kalziumnitrat her und stellt fest, dass die getrockneten Rückstände bei Dunkelheit leuchten; er nennt seine Entdeckung »phosphorus« (»Lichtträger«).

Johann Heinrich Schulze (1687-1744), ein Arzt und Anatomieprofessor aus Altdorf, versuchte um 1727, Balduins Experiment zu wiederholen, seine Salpetersäure war jedoch verunreinigt mit Silberrückständen; das Kalziumnitrat verband sich mit Silbernitrat zu einer lichtempfindlichen Substanz, die er als »scotophorus« (»Dunkelheitsträger«) bezeichnete; Schulze wies damit als erster die Lichtempfindlichkeit des Silbernitrates experimentell nach.

Carl Wilhelm Scheele (1742-1786), ein schwedischer Chemiker, machte 1770 erste Versuche mit Silberchlorid und endeckte dessen Lichtempfindlichkeit. Scheele fand auch heraus, dass geschwärztes Silberchlorid durch Ammoniak unlöslich wird. Somit entdeckte er ein Fixiermitel für den Schwärzungsprozess ohne es allerdings in den – für die Fotografie – richtigen Kontext stellen zu können. Auch andere Forscher setzten die Versuche Schulzes fort, so beispielsweise J. Senebier und G. B. Beccaria.

1814 entdeckte Humpfry Davy (1778-1829) das zweite lichtempfindliche Silbersalz, das Silberjodid, nur wenig später entdeckte Antoine Jerome Balard (1802-1876) die Lichtempfindlichkeit des Silberbromids.

Gilles-Louis Chrétien erfand 1786 den Physionotrace, eine Apparatur, die das Verfahren des Gravierens und insbesondere des Silhouettenzeichnens mechanisierte (Freund 1974: 16 f.).

Ein weiteres Zeichenhilfsmittel war die Camera lucida von W. H. Wollaston (1807); dabei handelt es sich um ein Gerät zum Abzeichnen von Gegenständen nach der Natur, das mit einem Prisma ein verkleinertes Bild erzeugt, das mit der Hand nachgezeichnet werden kann.

Anfang des 19. Jahrhunderts waren also lichtempfindliche Substanzen bekannt, sie konnten jedoch noch nicht dauerhaft fixiert werden. Physionotrace, Camera lucida, Silhouettenschnitt (Scherenschnitt) und Miniaturmalerei zeigen den »beispiellosen Bilderbedarf« (Baatz 1997: 12) des sich emanzipierenden Bürgertums, die Vorläufer der Photo-graphie können diesen Bedarf jedoch noch nicht adäquat decken.
Suche nach einem Fixiermittel

Die Brüder Claude Niepce (1763-1828) und Joseph Nicephore Niepce (1765-1833) führten 1798 erste Experimente zur chemischen Fixierung der in der Camera obscura erzeugten Bildern durch.

Der Chemiestudent Thomas Wedgwood (1771-1805) versuchte 1799 mit Hilfe von Silbernitrat die Bilder der Camera obscura zu fixieren, die Versuche scheiterten jedoch. Wedgwood fand allerdings eine Methode, Kontaktkopien von Blättern, Insektenflügeln u.ä. kameralos herzustellen; dieses Verfahren des Naturselbstdrucks (vgl. Kittler 2002: 79 f.) war jedoch bereits im 15. Jahrhundert bekannt gewesen; auch eine Fixierung gelang ihm nicht.

1813 versucht Joseph Nicéphore Niépce, die flüchtigen Bilder seiner Camera obscura festzuhalten; er entwickelt ein Verfahren, bei dem eine Mischung aus Lavendelöl und Asphalt auf Silberplatten aufgebracht wird; die Platten werden dann (sehr lange) belichtet und die unbelichteten Partien schließlich mit einem Lösungsmittel abgewaschen. Er bezeichnete das Verfahren als Heliographie.

1816 fertigt er die ersten Papierfotografien mit selbstgebauten Kameras aus dem Fenster seines Arbeitszimmers an, 1822 produziert er die erste lichtbeständige heliografische Kopie eines grafischen Blattes mit Hilfe von Asphalt auf Glas an.

1824 gelingt es ihm schließlich mit einer Camera obscura die erste haltbare Abbildung auf einer asphaltbeschichteten Zinkplatte; 1826/27 belichtet er acht Stunden lang den Blick aus dem Fenster seines Arbeitszimmers auf einer mit Asphalt lichtempfindlichen gemachten Zinnplatte. Das Ergebnis ist ein Direktpositiv und gleichzeitig die erste erhalten gebliebene lichtbeständige Fotografie.

Abbildung: Joseph Nicéphore Niépce: Blick aus dem Fenster seines Arbeitszimmers im Maison du Gras, ca. 1826/27 - im Original 16,5x21 cm - das älteste erhaltene Foto der Welt.

1826 lernt Niépce den Besitzer des spektakulären Dioramas in Paris, Louis Jaques Mande Daguerre (1787-1851) kennen; drei Jahre später (1829) schließen Niépce und Daguerre einen Vertrag über die Vervollkommnung und Nutzung der auf lichtchemischem Weg gewonnenen Bilder. Niepce stirbt weitere vier Jahre später.

William Henry Fox Talbot (1800-1877), ein englischer Privatgelehrter, entwickelte 1835 die Grundlagen des Negativ-Positiv-Verfahrens, das er als Kalotypie oder auch »Pencil of Nature« bezeichnet. Er fotografierte das Fenster seiner Bibliothek von innen und ließ verbreiten: »Und dies ist, wie ich glaube, der erste überlieferte Fall eines Hauses, das sein eingenes Portrait gemalt hat«. Dabei nutzte er eine acht Zentimeter kleine, mit einer Linse ausgestattete Kamera, von seiner Frau liebevoll »Mausefalle« genannt. Sein Papier tränkt er mit Silbernitrat und einer Salzlösung. Mit einer Kochsalzlösung wird das Blatt fixiert. Erst als 1839 das Verfahren von Daguerre bekannt wurde, setzte Talbot seine Versuche fort.

1837 entdeckte Louis Jacques Mandé Daguerre die Kochsalzlösung als Fixiermittel; dies geschah ohne Kenntnisse der Talbotschen Forschungsergebnisse – Talbot hatte seine Arbeiten nicht publiziert.

In den ersten Jahrzenten des 19. Jahrhunderts wurde also von mehreren Forschern unabhängig voneinander auch die letzt Anforderung an die Photo-graphie gelöst: die dauerhafte Fixierung des Bildes.
Geburtsstunde der Fotografie

Am 6. Januar 1839 erscheint in der Gazette de France ein Bericht der Académie des Sciences, in der die Fotografie als »wichtige Entdeckung unseres berühmten Diorama-Malers M. Daguerre« angekündigt wird. Am 19. Januar 1839 erscheint ein englische Übersetzung, und bereits am 31. Januar reklamiert Talbot in einer Rede vor der Royal Society in London die Entdeckung der »Kunst der photographischen Zeichnung« für sich.

Im Februar 1839 beansprucht die Malerin Friederike Wilhelmine von Wunsch die Erfindung eines Verfahrens, das selbst Menschen in Bewegung und in Farbe abbilden könne.

Ebenfalls im Februar 1839 behauptet der Berner Professor Friedrich Gerber im Schweizer Beobachter, bereits längst ein Verfahren entwickelt zu haben zum Fixieren von Fotogrammen und den Bildern der Camera obscura.

Am 15. Juni 1839 beantragt eine Fraktion im Parlament, die Erfindung der Fotografie durch den Staat ankaufen zu lassen und das Verfahren der Öffentlichkeit zu übergeben.

Am 24. Juni 1839 präsentiert der Finanzbeamte Hippolyte Bayard eigene Aufnahmen in einer ersten Fotoausstellung.

Am 19. August 1839 präsentiert die französische Akademie der Wissenschaften offiziell die Erfindung der Fotografie; sie verkündet, daß es Niépce und Daguerre gelungen sei, dauerhafte Bilder mit Hilfe der Camera obscura aufzuzeichnen und gibt die Erfindung frei zur Nutzung in aller Welt. Daguerre wird als Erfinder der Fotografie gefeiert. Die Ergebnisse seiner Arbeit bezeichnet man als Daguerreotypien.

Das offizielle Geburtsdatum der Fotografie – der 19. August 1839 – ist also eine Fälschung durch Konvention; zu diesem Zeitpunkt hatten bereits mehrere Erfinder unabhäng voneinander das Anforderungsprofil der Photo-graphie erfüllt. Die tatsächliche Urheberschaft ist vielleicht auch eher ein akademisches Problem; bekanntlich hat ja auch Gutenberg nicht den Buchdruck mit beweglichen Lettern erfunden. Viel wichtiger ist, dass Gutenberg und Daguerre den Buchdruck resp. die Daguerreotypie wirtschaftlich und gesellschaftlich etablieren konnten.

Um 1840 gab es also eine speicherbare Fotografie, die sich in zwei grundlegende Verfahren unterteilen lässt: das Positiv- und das Negativ-Verfahren. Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts wurde ausschließlich auf Papier oder Platten gespeichert, erst um 1884 entstanden erste Filme.
Literatur

Michel Frizot (Hrsg.): Neue Geschichte der Fotografie

Beaumont Newhall: Geschichte der Fotografie

Willfried Baatz: Geschichte der Fotografie (Schnellkurs)

Boris von Brauchitsch: Kleine Geschichte der Fotografie

Friedrich Kittler: Optische Medien

Elektronisch

Elektronische Speichermedien in der Fotografie

Bei einer Digitalkamera wird statt des Films ein lichtempfindlicher Halbleiter-Sensor eingesetzt. Üblich sind hierbei so genannte CCD- oder CMOS-Sensoren. Diese Sensoren wandeln das einfallende Licht entsprechend seiner Intensität in elektrische Ladung um. Diese wird nach der Aufnahme über integrierte Schaltungen ausgelesen, analog-digital-gewandelt, codiert (siehe Datenkompression) und abgespeichert.

Auch Videokameras arbeiten heutzutage mit CCD-Sensoren, bei größeren Studiokameras kommen jedoch immer noch Bildröhren (Vidicon) zum Einsatz.
Vorläufer
Phonovision (1927)

Die elektronische Speicherung von Bilddaten setzt ein Zerlegen in diskrete Einheiten voraus. Ein solches Verfahren entwickelte der schottischen Fernsehpionier John Logie Baird (* Helensburgh 1888, † Bexhill-on-Sea 1946) 1927.

Baird nahm bei seinem Phonovision-Verfahren 30-Zeilen-Fernsehbilder auf Schellackplatten auf. Die Platten spielte er mit 78 Umdrehungen pro Minute über seinem Fernsehgerät Televisor ab.

Film

Film als fotografisches Speichermedium

George Eastman experimentierte bei seinen Versuchen zur Industrialisierung der Fotografie um 1848 zunächst mit Papier als Trägermedium, was sich jedoch als zu körnig erwies. Daher beschichtete er das Papier mit einer Gelatineschicht, die nach der Belichtung abgezogen werden konnte.
Eastmans »Stripping Film«

Dieser »Stripping Film« konnte aufgerollt werden, es handelt sich dabei also um den ersten Rollfilm auf Papierbasis; gemeinsam mit George Walker entwickelte Eastman einen Rollenhalter für den Film, der die Grundlage für die erste im industriellen Maßstab erfolgreiche Amateurkamera Kodak Nr. 1 bildete. Diese Kamera verfügt über einen Aufsicht-Sucher, lieferte runde Bilder und konnte auf einem Stripping Film hundert Bilder speichern. Der Preis lag bei verhältnismäßig kostspieligen 25 Dollar.

Der Fotograf musste bei diesem Konzept nichts weiter tun als Motive zu suchen, auf den Auslöser zu drücken und später dann die feritgen Papierbilder zu betrachten: Eastman bot einen Entwicklungsdienst für 10 Dollar, bei dem man die Kamera samt abgeknipsten Film einschickte; nach Verarbeitung im Labor erhielt man dann die entwickelten Papierabzüge mit Abzügen zurück, in die Kamera war dann bereits vom Labor ein neuer Film eingelegt worden. Der einprägsame Werbeslogan dazu lautete: »You press the button, we do the rest«. Die Papierbilder wurden nicht vergrössert, sondern entsprachen in ihren Abmessungen der Negativgröße (siehe hierzu Kamera).

Abbildung: Eastman-Werbeslogan »You press the button, we do the rest«.
Zelluluid als Bildträger

Papier als Träger erwies sich jedoch in der Weiterverarbeitung als nicht besonders praktisch, daher ersetzte Eastman und seine Firma »Eastman Dry Plate and Film Company« das Trägermaterial 1888 durch das von John Wesley Hyatt entwickelte Celluluid. Die auf diesen transparenten Träger aufgetragene Emulsion brauchte zum Kopieren der Negative nicht mehr abgelöst zu werden. 1889 fertigte George Eastman die ersten Rollfilme aus Zelluloid und brachte sie auf den Markt.

Rollfilm auf Zelluluid-Basis hatte jedoch bereits ein Jahr zuvor der Geistliche Hannibal Goodwin (* 1822, † 1900) für Edison erfunden und patentiert. Es folgte ein Rechtsstreit, der sich bis 1898 hinzug; in der Zwischenzeit baute Eastman sein fotografisches Imperium auf.

Nach einem langjährigen Prioritätsstreit wurde Goodwin das US-Patent am 13.9.1898 als zu Recht bestehend zuerkannt; Eastman mußte an Goodwin eine Entschädigung in Millionenhöhe zahlen, hatte in der Zwischenzeit jedoch die Fotoindustrie etabliert.
Einkapselung des Films

Nachdem die Weiterverarbeitung durch den Stripping Film die Handhabung der Fotografie gegenüber den nassen und trockenen Plattenverfahren bereits stark vereinfacht hatte, etablierte Eastman 1891 einen weiteren Meilenstein in der Entwicklung zum Massenprodukt: Er kapselte den Rollfilm und ermöglichte so eine Tageslichtwechslung.
Planfilme

Ab 1896 wurden auch Planfilme auf Zelluloidbasis hergestellt; im Vergleich zum Rollfilm boten sie eine höhere Bildqualität, da sie ein größeres Negativformat boten.
Normung des Filmformats

Der erste kommerziell entwickelte Filmprozeß zur Filmaufnahme und -wiedergabe stammte aus dem von dem amerikanischen Erfinder Thomas Alva Edison (* Milan [Oh.] 1847, † West Orange[ N. J.] 1931) 1887 in West Orange (N. J.) eingerichteten Laboratorium.

Zwei Geräte gingen aus ihm hervor, die sich Edison 1891 patentieren ließ:
Kinetograph - ein mit perforiertem, 35 mm breitem Film arbeitendes Filmaufnahmegerät, also eine Filmkamera; die Abmessungen des Films gelten seitdem als internationale Norm.
Kinetoskop - ein Filmbetrachter, der allerdings nur von jeweils einer Person benutzt werden konnte; Edison entwickelte das Kinetoskop allerdings nicht zu einem Projektionsapparat weiter, das taten erst die Brüder Lumière in Paris (1895).
Weitere Entwicklungsschritte

Bis in die 1930er Jahre konkurrierten noch Platten und Filme. Wichtige Entwicklungsschritte waren:
1903: Einführung des Non Curl Films, der sich beim Trocknen nach Entwicklung und Fixierung nicht mehr einrollt;
1928 Einführung des panchromatischen Rollfilms; panchromatische Platten gab es bereits seit 1906.

Daneben wurde die Empfindlichkeit und der Belichtungsspielraum der fotografischen Filme kontinuierlich verbessert.

Nachdem das Problem des Speicherns der Fotografien weitgehend gelöst worden war, konzentrierte sich die weitere Entwicklung auf die Verbesserung der Aufnahmeobjektive und der Kameras.

Papier

Papier als fotografischer Bildspeicher

Sowohl bei den frühen fotografischen Verfahren von Wedgewood und Niepce (18. Jahrhundert und Anfang des 19. Jahrhunderts; Positiv-Verfahren), als auch bei den bereits weiter entwickelten Negativ-Verfahren (Archers und Le Grays Kollodium-Nassplatte, 1850/51; Maddox' Gelatine-Trockenplatte, 1871) wurden beschichtete Glas- bzw. Kupferplatten verwendet.

William Henry Fox Talbot verwendete dagegen bei seinen Experimenten zur Entwicklung eines Negativ-Verfahrens mit Chlor getränktes Papier (um 1835); die Talbotypie-Originale erwiesen sich jedoch als vergleichsweise unscharf.

Auch bei dem Steinheil-Verfahren (Carl August von Steinheil, 1839) wurden die Negative auf Chlorsilberpapier festgehalten; um ein Positiv zu erhalten, nahm Steinheil sie mit seiner Kamera einfach nochmals auf.

Blanquard-Evrard verbesserte um 1850 das Albumin-Verfahren und ersetzte die Glasplatte durch Papier; dieses Kopiermaterial war das erste industriell gefertigte Kopierpapier und wurde bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts verwendet.
Eastmans »Stripping Film«

Auch George Eastman (* Waterville [N. Y.] 1854, † [N. Y.] 1932), der in Rochester (N. Y.) 1880 ein Unternehmen zur Herstellung von fotografischen Trockenplatten gründete, experimentierte bei seinen Versuchen zur Industrialisierung der Fotografie um 1848 zunächst mit Papier, was sich jedoch als zu körnig erwies. Daher beschichtete er das Papier mit einer Gelatineschicht, die nach der Belichtung abgezogen werden konnte.

Eastman beantragte am 8. August 1884 ein Patent auf den (Papier-) Rollfilm, das Patent wurde erteilt am 5. Mai 1885. Mit dieser Erfindung begann das Zeitalter des Rollfilms, der auch die Voraussetzung für die Amateurkamera war, die Eastman 1888 als Kodak Nr. 1 vorstellte.

Dieser »Stripping Film« konnte aufgerollt werden, es handelt sich dabei also um den ersten Rollfilm auf Papierbasis; gemeinsam mit George Walker entwickelte Eastman einen Rollenhalter für den Film, der die Grundlage für die Kodak Nr. 1 bildete.

Papier als Träger erwies sich jedoch in der Weiterverarbeitung als nicht besonders praktisch, daher ersetzte Eastman das Trägermaterial 1888 durch das Celluluid: Der fotografische Speicher wurde damit zum Film im heutigen Verständnis.
Papierbilder

Siehe Papierabzug.

Platte

Sowohl bei den frühen fotografischen Verfahren von Wedgewood und Niepce (18. Jahrhundert und Anfang des 19. Jahrhunderts; Positiv-Verfahren), als auch bei den bereits weiter entwickelten Negativ-Verfahren (Archers und Le Grays Kollodium-Nassplatte, 1850/51; Maddox' Gelatine-Trockenplatte, 1871) wurden beschichtete Glas- bzw. Kupferplatten verwendet.

Nasses Kollodiumverfahren (Kollodium-Nassplatte)

Niepce de Saint-Victor, ein Neffe Niépces, verwendete 1848 erstmals eine Glasplatte, die mit Eiweiß, Pottasche und einer Schicht Silbernitrat imprägniert war; diese Mischung ermöglichte ihm Belichtungszeiten von 20 Minuten.

1850/51 veröffentlichten Frederick Scott Archer (1813-1857), ein britischer Bildhauer, und Gustave Le Gray eine Beschreibung des nassen Kollodiumverfahrens, durch das die Belichtungszeit auf wenige Sekunden verkürzt werden konnte (zwischen 0,5 und 30 Sekunden); allerdings mussten die Platten nass entwickelt werden. Auch dieses Verfahren verwendet eine Glasplatte statt Papier als Träger des photographischen Negativs.

Noch bis etwa 1880 blieb die Kollodium-Nassplatte das wichtigste fotografische Verfahren, denn es vereinigte in sich die Vorteile der Daguerreotypie mit denen der Talbotypie.

Gelatine-Trockenplatte

Richard Learch Maddox (1816-1902) veröffentlicht 1871 seine Erfindung der Gelatinetrockenplatte; dabei überzog er die Platte mit einer Bromsilbergelatine, die in trockenem Zustand belichtet werden konnte. Diese Platten waren allerdings stärker empfindlich für blaues Licht, die Fotografien waren also noch nicht abbildgetreu.

Panchromatische Platten gab es erst ab 1906.

Ablösung der Plattenfotografie

Mit der gegen Ende des 19. Jahrhunderts einsetzenden Industrialisierung der Fotografie wurden die fotografischen Platten durch Film als Bildträger abgelöst; die beiden Bildträger konkurrierten noch bis in die 1930er Jahre, dann verschwanden fotografische Platten nahezu vollständig.
Planfilm

Das Äquivalent zum Rollfilm ist der Planfilm auf Zelluloidbasis, der auch heute noch in der Grossformatfotografie eingesetzt wird.

Verfahren

Geschichte der fotografischen Verfahren

Um ein der Helligkeit des fotografierten Objekts entsprechendes Abbild zu erzeugen, müssen drei Faktoren kontrolliert werden:

  • Lichtempfindlichkeit des Materials;
  • Lichtmenge bzw. -stärke;
  • Einwirkzeit bzw. -dauer des Lichts.

In der klassischen Fotografie muss der chemische Prozess, den die Lichteinwirkung in Gang setzt, kontrolliert in Gang gesetzt (Entwicklung), kontrolliert gestoppt und schließlich lichtbeständig gemacht werden (Fixierung).

Um 1840 gab es eine speicherbare Fotografie, die sich in zwei grundlegende Verfahren unterteilen lässt:

  • Bei den Positiv-Verfahren verändert sich das Material gemäß dem Helligkeitsgrad und der Farbe des Lichtes: Dunkles wird dunkel, Helles wird hell.
  • Bei den Negativ-Verfahren verändert sich das Material umgekehrt dem Helligkeitsgrad und der Farbe des Lichtes: Dunkles wird hell, Helles wird dunkel. Um ein für den Menschen originalgetreues Bild zu erhalten, muss der Prozess dann noch einmal umgekehrt werden (Negativ-Positiv-Verfahren).

Frühe fotografische Verfahren

Positiv-Verfahren:

  • Naturselbstdruck - um 1500

(u.a. Thomas Walgenstein, Naturselbstdruck von Pflanzenblättern)

  • [Unbenannt] - um 1770

Versuche von Wedgewood
(Thomas Wedgewood)

  • Heliographie - um 1826/27

(Nicéphore Niépce)

  • Daguerreotypie - 1939

(Louis Daguerre)

Negativ-Verfahren:

  • [Unbenannt] - um 1816

Erste Versuche von Niépce
(Nicéphore Niépce)

  • Kalotypie (Talbotypie) - 1835/39/41

(William Henry Fox Talbot)

  • Photographie - 1839

Namensgebung für Talbots Verfahren
(etwa gleichzeitig durch John F. W. Herschel und Johann Heinrich Mädler)

  • Steinheil-Verfahren - 1839

(Carl August von Steinheil)

  • Albumin-Verfahren - 1848

(Niepce de Saint-Victor)

  • Nasses Kollodiumverfahren (Kollodium-Nassplatte) - 1850/51

(Frederick Scott Archer und Gustave Le Gray)

  • Ambrotypie (Melanotypie) - 1852-1890

[Direktpositiv-Verfahren/Unikat]

  • Pannotypie - 1853-1863

[Direktpositiv-Verfahren/Unikat]

  • Ferrotypie (»Tinytype«) - 1855-1930er Jahre

[Direktpositiv-Verfahren/Unikat]

  • Gelatine-Trockenplatte - 1871

(Richard Leach Maddox)

Weitere fotografische Verfahren

  • Geschichte und Entwicklung der Farbfotografie;
  • Geschichte und Entwicklung der Holografie.

Farbe

Geschichte der Farbfotografie

1873 Hermann Wilhelm Vogel (1834-1898), Professor für Photochemie in Berlin, stellt die ortochromatische Sensibilisierung des Negativmaterials vor.

Ab den sechziger Jahren des 19. Jh. wurden, zunächst in England und Frankreich, die ersten Versuche zur Farbphotographie unternommen. Bis zur Einführung praktikabler Farbphotoverfahren behalf man sich mit dem Kolorieren von Schwarzweißphotos.

Grundlage der Farbphotographie (wie des Farbendruckes und des Farbfernsehens) ist die von dem britischen Physiker Thomas Young (* Milverton [Somerset] 1773, † London 1829) 1801 aufgestellte und von dem deutschen Physiker und Physiologen Hermann Ludwig Ferdinand von (seit 1882) Helmholtz (* Potsdam 1821, † Charlottenburg 1894) weiterentwickelte Dreifarbentheorie. Sie besagt, daß für das Farbensehen des Menschen die drei Grundfarben Rot, Grün und Blau ausreichen und die übrigen Farbqualitäten durch additive Mischung unterschiedlicher Grundfarben erzeugt werden.

Aufbauend auf der Young-Helmholtzschen Theorie schlug der britische Physiker James Clerk Maxwell (* Edinburgh 1831, † Cambridge 1879) 1855 zur Herstellung farbiger Photos vor, ein Objekt nacheinander durch drei Farbfilter (Rot-, Grün-, Blaufilter) zu photographieren und das Ergebnis, drei Schwarzweiß-Diapositive, mit blauem, grünem und rotem Licht übereinander zu projizieren. Dieses Prinzip (additives oder Spreizverfahren) wurde zu einer der Grundlagen der Farbphotographie. Eine andere Möglichkeit ist das subtraktive oder Siebverfahren, bei dem von den drei Farbauszügen farbige Diapositive hergestellt werden, so daß der blaue Auszug ein gelbes, der grüne ein purpurnes und der rote ein blaugrünes Farbbild liefert. Durchstrahlt man alle drei aufeinandergelegten Diapositive mit weißem Licht, entsteht eine farbige Projektion, bei der die Farben nicht addiert, sondern "abgezogen" oder ausge"siebt" werden. In der Anfangszeit der Farbphotographie wurde ausschließlich nach den additiven Verfahren gearbeitet, die nur Projektions- und Durchsichtsbilder liefern. Am 17. Mai 1861 photographierte Maxwell vor der Royal Institution of Great Britain in London ein Ordensband nacheinander durch drei Farbfilter auf drei Schwarzweiß-Negativplatten. Mit drei Projektoren durch die jeweils gleichen Filter genau aufeinander projiziert, entstand das erste "Farbphoto" nach dem additiven Verfahren, das allerdings nur wissenschaftlichen Wert hatte.

Als der eigentliche Vater der Farbphotographie gilt der französische Phototechniker Louis Ducos du Hauron (* Langon [bei Bordeaux] 1837, † Agen 1920), der im Anschluß an die Gedanken von James Clerk Maxwell (1855 und 1861) 1868 ein Verfahren der Dreifarbenphotographie und des photographischen Dreifarbendrucks erfand (1869 patentiert). 1869 zeigte er seine ersten farbigen Papierbilder (sogenannte Heliochromien). Das älteste erhaltene Farbphoto von Ducos du Hauron, ein Blick auf die Stadt Angoulême, stammt aus dem Jahr 1877. (Das Verfahren von Ducos du Hauron, das seiner Zeit weit voraus war, konnte sich nicht durchsetzen.)

Der französische Physiker luxemburgischer Herkunft und spätere Nobelpreisträger Gabriel Jonas Lippmann (* Hollerich 1845, † auf einer Seereise 1921) entwickelte 1891 ein auf Lichtinterferenzen beruhendes Verfahren der Farbphotographie. Das später nach ihm benannte Lippmann-Verfahren lieferte erstmals ausgezeichnete Farbphotos, wurde aber nur experimentell (bis zum Ersten Weltkrieg) angewandt; für die Anwendung in der Praxis war es zu umständlich (u.a. zu lange Belichtungszeiten).

Im Jahre 1903 entwickelten die Brüder Auguste Marie Louis Nicolas Lumière (* Besançon 1862, † Lyon 1954) und Louis Jean Lumière (* Besançon 1864, † Bandol [Dép. Var] 1948), die Erfinder des ersten brauchbaren Kinematographen (1895), das erste praktisch verwertbare Farbphotoverfahren. Ihr 1907 vorgestelltes Autochrome-Verfahren war ein additives Rasterverfahren, das mit Glasplatten arbeitete, die unter ihrer lichtempfindlichen Schicht mikroskopisch kleine Körner aus Kartoffelstärke, zu gleichen Teilen rot, grün und blau gefärbt, enthielten. Beim auftreffenden Licht ließ jedes einzelne dieser Körner jeweils nur das ihm komplementäre Licht durch. Eine solche Autochrome-Platte lieferte nach Belichtung ein Diapositiv. Die Autochrome-Farbrasterplatten wurden ab 1907 in der 1882 in Lyon von Vater Antoine Lumière gegründeten Fabrik für photographische Platten hergestellt.

Die Firma Agfa AG, Leverkusen, brachte 1916 eine Farbphotoplatte heraus, deren Raster aus gefärbten Harzpartikeln bestand, und die brillantere Farbbilder als die Lumière-Autochrome-Platte lieferte.

Die heutige Farbphotographie arbeitet mit subtraktiven Farbverfahren und mehrschichtigen Materialien, die chromogen (farbstoffbildend) entwickelt werden.
Obwohl die Grundlagen für diese Technik bereits 1909 von dem deutschen Agfa-Chemiker Rudolf Fischer (* 1881, † 1957) ausgearbeitet worden waren, kamen die ersten Mehrschichtenfilme (Dreischichten-Farbfilme) erst 1935 mit dem Film "Kodachrome" der Eastman Kodak Company, Rochester (N. Y.), (ab 1935 als 16-mm-Schmalfilm, ab 1936 als Diafilm) und 1936 mit dem Film "Agfacolor-Neu" (Film für farbige Diapositive) der Agfa AG, Leverkusen, in den Handel. Sowohl Agfa als auch Kodak produzierten zunächst nur Umkehr- (Dia-) Filme im Kleinbildformat.

Nachdem die Firma Agfa AG, Leverkusen, bereits 1939 die Technik des Negativ-Positiv-Verfahrens veröffentlicht hatte, bot sie 1942 farbige Papierabzüge und -vergrößerungen von photographischen Aufnahmen an. Die Eastman Kodak Company, Rochester (N. Y.), folgte 1942 mit einer eigenen Negativ-Positiv-Technik (Kodacolor).

Holografie

Geschichte der Holografie

Der britische Physiker ungarischer Herkunft Dennis Gabor (* Budapest 1900, † London 1979) erfand 1948 die Holographie, ein Verfahren der Bildaufzeichnung und -wiedergabe mit kohärentem Licht, das, im Unterschied zur konventionellen Photographie, die Speicherung und Reproduktion von Bildern mit dreidimensionaler Struktur ermöglicht.

Gabor erhielt für seine Erfindung 1971 den Nobelpreis für Physik, nachdem in der Zwischenzeit sich die vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten der Holographie abzeichneten. Praktische Bedeutung erlangte die Holographie nämlich erst, als mit dem Laserlicht (1960) eine kohärente Lichtquelle mit ausreichend hoher Intensität zur Verfügung stand.

Negativ

Geschichte der Negativ-Verfahren

Bei Negativ-Verfahren verändert sich das Material umgekehrt dem Helligkeitsgrad und der Farbe des Lichtes: Dunkles wird hell, Helles wird dunkel. Um ein für den Menschen originalgetreues Bild zu erhalten, muss der Prozess dann noch einmal umgekehrt werden (Negativ-Positiv-Verfahren).
Frühgeschichte der Negativ-Verfahren

Den frühen Positiv-Verfahren wie der Daguerreotypie fehlte noch ein entscheidendes Merkmal der modernen Fotografie: die Vervielfältigungsmöglichkeit der fotografischen Aufnahmen. Daguerreotypien blieben stets Unikate. Dieses Defizit behoben die Negativ-Verfahren.
Kalotypie (Calotypie, Talbotypie)

1835 entwickelte William Henry Fox Talbot (* Melbury House [Dorset] 1800, † Lacock Abbey bei Chippenham [Wiltshire] 1877), ein englischer Privatgelehrter, die Grundlagen des Negativ-Positiv-Verfahrens, das er als Kalotypie oder auch »Pencil of Nature« bezeichnet. Dabei handelt es sich um eine positive Salzpapierkopie vom Papiernegativ, mit der man beliebig viele Kopien herstellen kann.

Siehe Kalotypie.
Steinheil-Verfahren

Carl August von Steinheil (* Rappoltsweiler [Elsaß] 1801, † München 1870), Professor der Mathematik und Physik an der Universität München, konstruierte 1839 eine tubusförmige Kamera aus verschiebbaren Pappröhren, mit der er zusammen mit seinem Kollegen Franz Ritter von Kobell (* München 1803, † ebd. 1882), Professor für Mineralogie, Gebäude in München (u.a. die Glyptothek, die Türme der Frauenkirche) fotografierte.

Diese ersten in Deutschland aufgenommenen Photographien waren keine Daguerreotypien, sondern auf Chlorsilberpapier festgehaltene Negative. Um ein Positiv zu erhalten, nahm Steinheil sie mit seiner Kamera nochmals auf. Die runden Fotos hatten einen Durchmesser von vier Zentimetern.

Siehe Steinheil-Verfahren.
Albumin-Verfahren

Niepce de Saint-Victor, ein Neffe Niépces, verwendete 1848 erstmals eine Glasplatte, die mit Hühnereiweiß (Albumin), Pottasche (Jodkalium [?]) und einer Schicht Silbernitrat imprägniert war; diese Mischung ermöglichte ihm Belichtungszeiten von 20 Minuten und begründete den neuen Wirtschaftszweig der Visitenkartenfotografie.

Blanquard-Evrard verbesserte um 1850 das Albumin-Verfahren und ersetzte die Glasplatte durch Papier; dieses Kopiermaterial war das erste industriell gefertigte Kopierpapier und wurde bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts verwendet.

Siehe Albumin-Verfahren.
Nasses Kollodiumverfahren (Kollodium-Nassplatte)

1847 gelang es Christian Friedrich Schönbein, Chemieprofessor in Basel, »Baumwolle in den explosiven Zustand zu versetzen«; diese Schießbaumwolle bildet die Grundlage für Kollodium (vgl. Wolfgang Baier, Leipzig 1980: 157); Kollodium wird in der Fotografie als zähflüssige Lösung von Kollodiumwolle in einem Alkohol-Äther-Gemisch verwendet.

1850/51 veröffentlichten Frederick Scott Archer (1813-1857), ein britischer Bildhauer, und Gustave Le Gray eine Beschreibung des nassen Kollodiumverfahrens, durch das die Belichtungszeit auf wenige Sekunden verkürzt werden konnte (zwischen 0,5 und 30 Sekunden); allerdings mussten die Platten nass entwickelt werden. Auch dieses Verfahren verwendet eine Glasplatte statt Papier als Träger des photographischen Negativs. Noch bis etwa 1880 blieb die Kollodium-Nassplatte das wichtigste fotografische Verfahren, denn es vereinigte in sich die Vorteile der Daguerreotypie mit denen der Talbotypie.

Siehe Kollodium-Nassplatte.
Direktpositiv-Verfahren

Die Direktpositiv-Verfahren der Kollodiumperiode bilden eine Brücke zwischen Daguerreotypie und Papierbild.

Siehe Direktpositiv-Verfahren.
Trockenes Gelatineverfahren (Gelatine-Trockenplatte)

Trockenplatten bieten den Vorteil, dass der Fotograf nicht mehr Chemikalien und umständliche Geräte mit sich führen muß; zudem muss die Trockenplatte unmittelbar nach der Aufnahme entwickelt werden.

Richard Learch Maddox (1816-1902) veröffentlicht 1871 seine Erfindung der Gelatinetrockenplatte; dabei überzog er die Platte mit einer Bromsilbergelatine, die in trockenem Zustand belichtet werden konnte; er ersetzte also das Kollodium durch Gelatine.

Die Trockenplatten ermöglichten Belichtungszeiten von 1/25 Sekunde, sie waren jedoch bis etwa 1875 überempfindlich für blaues und unterempfindlich für grünes und rotes Licht, die Fotografien waren also noch nicht abbildgetreu. Dieses Problem wurde allmählich durch Zugabe von Anilinfarben ausgeglichen.

Siehe Gelatine-Trockenplatte.
Panchromatische Platten

Panchromatische Platten und Filme, also fotografische Materialien, die auf alle Farben gleichermassen reagieren, wurden 1906 am Markt eingeführt.

Farbfotografie

Speicher: Platte, Film
Visitenkartenporträts (Carte de visite)

Abbildung: »Portrait einer Ballerina«, André Adolphe-Eugène Disdéri, ca. 1860

Positiv

Geschichte der Positiv-Verfahren

Bei Positiv-Verfahren verändert sich das Material gemäß dem Helligkeitsgrad und der Farbe des Lichtes: Dunkles wird dunkel, Helles wird hell.
Frügeschichte der Unikate

Die frühen Positivverfahren wie der Naturselbstdruck nach dem Kontaktkopie-Prinzip liefern seitenverkehrte Bilder.

Der Franzose Joseph Nicéphore Niepce (* Chalon-surSaône 1765, † Saint-Loup-de-Varennes [bei Chalon-sur-Saône ] 1833), seit 1792 Offizier und Privatgelehrter, versuchte ab 1816, mit der Camera obscura und unter Verwendung von Silberchlorid Papierbilder herzustellen. Als Motiv wählte er den Blick aus seinem Arbeitszimmer auf Hof und Garten seines Hauses in der Nähe von Chalon-sur-Saône. Was Niepce erzeugte, waren Negativbilder, aber er konnte sie (wie sein Vorläufer Thomas Wedgwood) nicht fixieren. Doch gelang ihm erstmals, ein Kamerabild aufzuzeichnen.
Verfahren

Heliographie (1926).

Die Heliographie ist ein von Joseph Nicéphore Niepce im Sommer 1826 entwickeltes fotografisches Positiv-Verfahren. Diese Bilder sind die frühesten erhaltenen Fotografien überhaupt – als offizielles Geburtsjahr der Fotografie gilt 1839 mit der öffentlichen Präsentation der Daguerreotypie.

Daguerreotypie (um 1837/1839).

Die Daguerreotypie ist ein von Louis Jacques Mandé Daguerre entwickeltes fotografisches Verfahren, ein latentes Jodsilberbild auf einer Metallplatte durch Quecksilberdämpfe zu entwickeln und mit Kochsalzlösung zu fixieren. Die älteste erhaltene Daguerreotypie, mit der der Erfinder einen Winkel seines Studios ablichtete, stammt aus dem Jahre 1837.
Netmarks
Geschichte der Fotografie: Louis-Jacques-Mandé Daguerre,
home.datacomm.ch/dbandini/daguerre.htm